Ein Unternehmer für die SPD
Konstanz (gro) Mit Frieder Schindele hat die SPD-Gemeinderatsfraktion demnächst einen Unternehmer in ihren Reihen. Die Neue Linie Konstanz (NLK) schrumpft derweil auf einen Sitz im 40-köpfigen Gemeinderat: Barbarossa-Wirt Jürgen Wiedemann wird zum dritten Einzelkämpfer – neben Heinrich Everke (FDP) und Vera Hemm (Linke Liste). Damit kommt erneut Bewegung ins Stadtparlament. Zahlenmässig zieht die SPD-Fraktion mit 8 Sitzen nun gleich mit der FWG, die sich Ende März dieses Jahres durch den Übertritt der FDP-Dissidenten Regine Rebmann-Damrau und Dieter Fulde gleich um 2 Sitze verstärken konnte. Die CDU hat 11, die Freie Grüne Liste (FGL) 10 Sitze.
35.000 sozialdemokratische Unternehmer
Entgegen einem verbreiteten Vorurteil haben Unternehmer durchaus ihren Platz innerhalb der Sozialdemokratie. Ihr wohl prominentester Vertreter war viele Jahrzehnte Philip Rosenthal. Der 2001 verstorbene Designer und Keramikproduzent, der „das Rosenthal“ zur bekanntesten Porzellan-Marke Deutschlands machte, brachte es bis zum Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Philip Rosenthals politisches Lebensmotto war das Bemühen um den gerechten sozialen Ausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. 35.000 sozialdemokratische Unternehmer Deutschlands haben sich 2001 in einem Verband, der Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD (AGS), zusammengeschlossen.
Schindele will 2009 erneut antreten
Im Gegensatz zum Wechsler Fulde will Schindele bei den Kommunalwahlen 2009 erneut kandidieren, nun bei der SPD. Bei allen Parteien und kommunalpolitischen Gruppierungen läuft bereits die Suche nach Kandidaten. Parteiintern wird angestrebt, Schindele auf den attraktiven Platz 13 der kommunalen SPD-Wahlliste zu setzen. Da jede der 7 Gruppen und Parteien den Ehrgeiz hat, mit 40 Kandidaten anzutreten (so viel Stimmen hat jeder Wähler zu vergeben), können sich die Konstanzer Wähler im Spätsommer nächsten Jahres vermutlich erneut aus einem Fundus mit insgesamt 280 Bewerben bedienen, inklusive Panaschieren und Kumulieren. Die Kandidatenlisten müssen bis Gründonnerstag, 9. April, 18 Uhr beim Hauptamt der Stadt eingegangen sein.
Nach wie vor Gefallen an der Kommunalpolitik
Schindele begründet seine Neuorientierung unter anderem damit, dass er nach wie vor Gefallen findet an der Kommunalpolitik. Er wurde vor vier Jahren zum dritten Mal als Vertreter der Neuen Linie in den Gemeinderat gewählt. Dafür war eine Ausnahmegenehmigung, beziehungsweise eine Satzungsänderung nötig. Denn laut der ursprünglichen Satzung sind bei der Neuen Linie maximal zwei Wahlperioden hintereinender gestattet. Die Mitgliederversammlung hätte Schindele zuliebe vermutlich erneut die Satzung geändert. „Doch diese Verrenkung“, sagt Schindele, „wollte ich dem Verein nicht zumuten.“
Bald im Team mit erfahrenen Kommunalpolitikern
Angesichts einer „weitgehenden programmatischen Übereinstimmung“, angereichert durch persönliche Freundschaften, sei ein Übertritt in die SPD nahe gelegen, sagt Schindele. Er wird auch förmlich in die SPD eintreten, also Parteimitglied werden. Im Übrigen lockt ihn die Aussicht auf die „Zusammenarbeit mit erfahrenen Kommunalpolitikern“ und deren Zuarbeitern. Für Schindele ist Fraktionsvorsitzender Jürgen Leipold „ohne Frage der brillanteste Kopf des Stadtparlaments“. Er freue sich darauf, in einem eingespielten Team mitzuwirken.





