Kommt jetzt das „Klinikum Bodensee“?
Konstanz/Friedrichshafen (gro) Aller guten Dinge sind drei, wird sich Bürgermeister Claus Boldt gesagt haben. Seit 2002 eine gemeinsame Sparkasse, seit dem Sommer 2005 eine gemeinsame Katamaran-Schiffahrtslinie samt Reederei – da fehlt nur noch das „Klinikum Bodensee“. Geht es nach Boldt, übernimmt demnächst der Geschäftsführer des Friedrichshafener Krankenhauses für einige Monate auch das Management im Klinikums Konstanz. Das könnte die erste Phase einer seeübergreifenden Fusion sein.
Ein Bold’scher Vorschlag mit Charme
Boldts Vorschlag, bisher hinter verschlossenen Türen verhandelt und diskutiert, hat durchaus Charme. Mit der Verpflichtung des Häfler Klinikgeschäftsführers Johannes Weindel würde die von Oberbürgermeister Horst Frank vor acht Jahren eingeleitete Annäherung ans schwäbische Friedrichshafen weiter voranschreiten. Denn die Kommunalpolitik bleibt auch in Sachen Klinikum auf beiden Seiten eingebunden. Zwar gibt es in Friedrichshafen keinen Sozialdezernenten. Doch Oberbürgermeister Josef Büchelmeier ist Vorsitzender des Klinik-Aufsichtsrats.
Überm See läuft das Klinikum profitabel
Auch die Tatsache, dass das Friedrichshafener Klinikum eine Gmbh ist, kann positiv gesehen werden. Diese Unternehmensform wurde vom Konstanzer Gemeinderat zwar unlängst unter dem Eindruck von Protesten aus den Reihen des einheimischen Klinik-Personals abgelehnt. Doch viele kommunalen Kräfte liebäugeln nach wie vor mit einer GmbH; sie müsse nur von der eigenen Stadt dominiert sein. Genau das ist in Friedrichshafen der Fall. Und das Beste ist, dass es überm See gelungen ist, den Betrieb des Klinikums nachhaltig profitabel zu machen.
Schon in zwei Wochen soll der Start sein
Vorgesehen ist von der Stadtverwaltung, dass – vorbehaltlich der Zustimmung gemeinderätlicher Gremien - ein Team aus Friedrichshafen schon in zwei Wochen an der Konstanzer Luisenstrasse antritt. Wie man hört, kann sich Weindel vorstellen, einige Monate an sieben Tagen der Woche beruflich tätig zu sein und davon drei Tage in Konstanz zur Verfügung zu stehen. Die vertraglich geregelte Amtszeit von Martin Stuke, dem bisherigen Konstanzer Verwaltungsdirektor, endet Ende Februar.
Es geht um die Zukunft des Klinikums Konstanz
Die Stadt Konstanz sucht nach einem neuen Klinikums-Direktor für Wirtschaft und Finanzen. Bis der gefunden ist, dürften einige Monate ins Land gehen. In dieser Zeit sind wichtige, für das Gedeihen des Klinikums entscheidende Aufgaben zu bewältigen. Die Planunterlagen für die anstehenden Neu- und Umbauten müssen bis Mitte des Jahres fertiggestellt werden, damit die entsprechenden, in Aussicht gestellten Zuschüsse tatsächlich nach Konstanz fliesen können. Ausserdem stehen unter anderem Pflegesatzverhandlungen für die nächsten beiden Jahre an – Verhandlungen, die nach neu gefassten Kriterien (Stichwort: Fallpauschale) ausgehandelt werden müssen.
Beides Akademische Lehrkrankenhäuser
Ob aus der ersten Phase einer engeren Zusammenarbeit der beiden Kliniken eines nicht allzu fernen Tages eine echte Fusion, ein „Klinikum Bodensee“ wird, liegt noch in den Sternen. Immerhin, als Tumorchrirurgisches Zentrum und als Brustzentrum Bodensee (sic!) arbeiten die beiden Klinika bereit erfolgreich zusammen. Und beide Häuser sind Akademische Lehrkrankenhäuser, das Häfler Klinikum Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen, das Konstanzer Klinikum ist Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg. Eine Fusion könnte, man ahnt es, weit reichende Folgen haben.





