Gerade noch zur rechten Zeit
Konstanz/Friedrichshafen (gro) Johannes Weindel ist der richtige Mann, und er kommt gerade noch zur rechten Zeit, um am Klinikum die Weichen für die notwendige Weiterentwicklung zu stellen. Vor allem Weindel ist es zu verdanken, dass überm See das Klinikum Friedrichshafen so erfolgreich umstrukturiert wurde, dass aus einem von Verlusten bedrohten Krankenhaus ein Klinikum wurde, das im vergangenen Jahr eine Million Euro Gewinn abwarf. Weindel wird kommenden Montag seinen Dienst in Konstanz antreten. Die Verpflichtung von Weindel geht, wie man im Rathaus hört, zu einem guten Teil auf das Konto von Oberbürgermeister Horst Frank.
Ein Mann, der keine Zeit verliert
Johannes Weindel gilt als ein Mann, der keine Zeit verliert. Das hat er in Friedrichshafen bewiesen. Und er bewies es auch vor den Konstanzer Gemeinderäten, als er vor knapp einer Woche mit einer knappen, aber als sehr zutreffend empfundenen Analyse zur Situation des Konstanzer Klinikums aufwartete. Dass er nun eine Zeitlang gleich zwei Kliniken managt, ist nicht selbstverständlich. Und noch weniger selbstverständlich ist, dass für den Konstanzer Part pro Monat nur 12.000 Euro fällig werden. Da Weindel seine drei besten Mitarbeiter mitbringen wird, muss dieser Betrag noch durch 4 geteilt werden. Hinzu kommt das Glück, dass die Spezialisten in Friedrichshafen genau den Prozess bereits durchgezogen haben, der jetzt beim Klinikum Konstanz fällig wird.
Horst Frank Aufsichtsratvorsitzender einer Klinik-GmbH?
Das Konstanzer Glück fusst allem Anschein nach auf dem guten Verhältnis der damit befassten Stadtoberhäupter. Friedrichshafens Josef Büchelmeier (SPD) ist oberster Aufseher der dortigen Klinikums-GmbH; Horst Frank (Grüne) ist auf dem besten Weg, in Konstanz Aufsichtsratsvorsitzender zu werden, wenn das Klinikum in eine rein städtische GmbH umgewandelt wird. Wie das personalverträglich vollzogen werden kann – auch das ist in Friedrichshafen unter Johannes Weindel und Oberbürgermeister Büchelmeier bereits vorgemacht worden.
Interdisziplinäre Aufnahmestation
Herzstück des neu konzipierten Klinikbetriebs in Friedrichshafen, des übrigens einzigen Krankenhauses weit und breit, das schwarze Zahlen schreibt, ist die „zentrale inderdisziplinäre Aufnahmestation“. Dort wird den Patienten als Erstes eine Diagnose durch die Fachärzte zu teil. Anschließend werden die Patienten auf die entsprechenden Etagen zur Weiterbehandlung verteilt. Diese zentrale Station hat wesentlich zur Verbesserung der Patientenversorgung, zur Kosteneinsparung und zur Einnahmeverbesserung beigetragen.
Er ist nicht nur der kühle Rechner
Dass Weindel aber nicht nur der kühle Rechner ist, zeigt sich in vielen Statements. Für ihn ist klar, dass er immer das Wohl und Wehe des Patienten „im Hinterkopf“ haben muss. Da fallen auch mal harte Worte, wenn er sich an Politiker und Kassenfunktionäre wendet. Es sei in der Tat „entwürdigend, wie von manchen Seiten mit der Gesundheit der Bevölkerung umgegangen wird“, zitiert ihn Daniel Bagehorn in einem Bericht der Friedrichshafener Südkurier-Ausgabe. Weindel und seine Mitarbeiter sollen so lange am Konstanzer Klinikum mitwirken, bis ein neuer, geeigneter Manager gefunden ist.
Das Dezernat II auflösen?
Schon jetzt aber ist klar, dass es besser wäre, das kommunale Gesundheitswesen samt Spitalstiftung dem Dezernat I (Oberbürgermeister Horst Frank) zuzuschlagen; zu überlegen wäre, ob dem Dezernat II (Claus Boldt) als Ausgleich ein anderer Bereich vermittelt werden soll. Auch die Bemühungen, das Dezernat II ganz aufzulösen, haben durch die Vorgänge ums Klinikum neue Nahrung erhalten.





