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23. Juli 2009 | Nycomed plant Übernahme der Pharma-Sparte von Solvay

Nicht mehr Verkauf, sondern plötzlich Kauf

Konstanz/Zürich/Brüssel (gro) Nycomed, das grösste Konstanzer Unternehmen, gibt Rätsel auf: Vor vier Monaten bot sich der Pharmakonzern auf dem Weltmarkt zum Verkauf an. Doch neuerdings macht Nycomed genau das Gegenteil: Nycomed will zukaufen. Geplant ist die Übernahme der Pharmasparte des belgischen Mischkonzerns Solvay. Danach will Nycomed an die Börse gehen. Banker sind irritiert.

Unter den verbliebenen Bietern

Nycomed sei unter den verbliebenen Bietern, hatte die „Süddeutsche Zeitung“ schon am vergangenen Freitag gemeldet. Es ging um den Verkauf der belgischen Solvay, genauer: um den Verkauf der Pharmasparte des belgischen Konzerns. Die Sparte hat laut einem Bericht der britischen „Financial Times“ mit Arzneimitteln 2008 rund 2,7 Milliarden Euro umgesetzt, etwa ein Viertel der Konzernerlöse in Höhe von insgesamt 9,5 Milliarden Euro.

Drei Investmentbanken als Beraterinnen

Wirtschaftsjournalisten jubeln nun: Dieser Deal wäre die erste größere Übernahme eines europäischen Pharma-Herstellers in diesem Jahr. Solvay hatte vergangenen Monat mit der zweiten Runde des Verkaufs der Pharmasparte begonnen. Offiziell, so las man in der „Süddeutschen“, habe Solvay von einer “Analyse verschiedener Optionen für die Pharmageschäfte” gesprochen. Man lasse sich von den Investmentbanken Citigroup, Morgan Stanley und Rothschild beraten.

Nycomed: „Wir wollen an die Börse“

Eine Sprecherin von Nycomed habe die Kaufabsichten „nicht kommentieren“ wollen, hiess es in der “Süddeutschen Zeitung“ weiter. Angesichts der Übernahmepläne werde es aber immer unwahrscheinlicher, dass Nycomed selbst zum Verkauf stehe. Zuletzt hatten Banker in Frankfurt über einen Verkauf des dänisch-deutschen Konzerns spekuliert. Nycomed widerspreche inzwischen solchen Plänen: “Wir streben einen Börsengang an”, heisst es bei Nycomed. Aktuell sei ein Börsengang jedoch “nicht sinnvoll”. In Bankenkreisen versteht man nun die Welt nicht mehr. Nycomed gelte nach wie vor als Verkaufskandidat.

Im Eigentum von Finanzinvestoren

Nycomed mit Hauptsitz in Zürich ist als einziger größerer Arzneimittelhersteller Europas im Besitz von Finanzinvestoren. 41 Prozent gehören Nordic Capital, 25 Prozent hält die Großbank Credit Suisse. Nycomed besteht im Wesentlichen aus der vor zweieinhalb Jahren zugekauften Pharmasparte von Altana in Konstanz. Bisher hatte Nycomed den Börsengang als eine von vielen Optionen genannt. Nun soll eine Notierung an der Zürcher Börse plötzlich in greifbarere Nähe gerückt zu sein.

Widerstand gegen schrumpfende Umsätze

Nycomed produziert Mittel zur Schmerzbehandlung und Osteoporose. Hauptsächlicher Umsatzträger ist das Magen-Darm-Mittel Pantoprazol. Es steht in Konkurrenz zu Produkten bei Solvay. Grosse Erwartungen bei Nycomed gelten dem Atemwegspräparat Daxas. Im Mai dieses Jahres ist das EU-weite Patent auf Pantoprazol abgelaufen. Es hatte 2008 noch ein Drittel zu den Nycomed-Jahreserlösen von gut 3,4 Milliarden Euro beigetragen. Zuletzt war der Umsatz mit Pantoprazol um 22 Prozent zurückgegangen. Nycomed verkauft inzwischen eine rezeptfreie Version als Mittel gegen Sodbrennen. Es ist seit Mittwoch der vergangenen Woche in Apotheken rezeptfrei erhältlich.



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2 Kommentare

  1. 1. DetlevKuentzel

    Auch Nycomed sollte die Möglichkeit haben, “aus der Krise gestärkt hervorzugehen”. Die Krise hieß Altana und nicht Nycomed.

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