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21. August 2009 | Alexander Feckers Plädoyer in Sachen Konzerthaus

Hochsommerlicher Vorstoss fürs Jahrhundertprojekt

Konstanz (gro) Entfernungen sind relativ. Im Vergleich zum Mars liegt der Mond recht nahe. Andererseits sind es immerhin 385.000 Kilometer bis zum Erdtrabanten, so weit wie acht Mal um die Erde. Auch die Aussage, Konstanz sei der Verwirklichung eines Konzert- und Kongresshauses „noch nie so nahe“ gewesen wie in diesen Tagen, ist von begrenztem Aussagewert. Eindrucksvoll aber bleibt, mit welch unverbrüchlicher Zuversicht Alexander Fecker, trotz immer wieder neuer Kritik, an dem Projekt festhält. Das hochsommerliche Plädoyer des CDU-Fraktionsvorsitzenden ist auch deswegen bemerkenswert, weil es die jüngere kommunalpolitische Entwicklung dieses Vorhabens zusammenfasst.

Anlass ist ein kritisches Papier des Architekten Schaudt

Anlass für das Plädoyer Feckers ist ein Beitrag des Konstanzer Architekten Herbert Schaudt, der mit einer sehr grundsätzlichen Kritik aufwartet und vor allem den vorgesehen Standort Klein Venedig aufs Korn nimmt. Schaudts Kritik (ausführlich nachzulesen in www.seemoz.de vom 8. August) ist in mehreren Variationen seit langem stets von neuem Gegenstand kontroverser Erörterungen. Vereinfacht gesagt geht es dabei unter anderem um die grundsätzliche Frage, ob eine gute Seelage nicht besser im Hinblick auf die in Konstanz lebenden Menschen zu berücksichtigen sei als für ein noch so schönes Millionenprojekt, das vor allem einer Minderheit von Kulturgeniessern und Auswärtigen zur Verfügung gestellt wird.

Schon immer gingen die Meinungen auseinander

Fecker erinnert daran, dass solche Fragen in der Vergangenheit, im Gemeinderat und in Sonderveranstaltungen zum Thema Kongress- und Konzerthaus durchaus diskutiert worden sind, und zwar ausführlich. Das ist alles andere als ein Wunder, schliesslich gab es, wie Fecker in Erinnerung ruft, „vor über 100 Jahren erste Ideen, ein Kur- und Konzerthaus in der Stadt zu etablieren.“ Schon Damals seien „die Meinungen vielfältig“ gewesen, und man habe erste Planungen bald wieder „auf Eis gelegt“. Es habe dann „immer wieder neue Überlegungen“ gegeben.

Es gab „Gedanken und Entwürfe“

Zuletzt, so schreibt Fecker, „gab es etwa unter der Amtszeit von Oberbürgermeister Eickmeyer und Bürgermeister Fischer“ Anläufe, das Projekt zu verwirklichen. Es habe „Gedanken und Entwürfe“ gegeben, ein Konzerthaus auf dem ehemaligen „Südkurier“-Areal zu bauen, als weitere Standorte seien das Gebiet am Waldhaus Jakob, der Benediktinerplatz und das Büdingen-Gelände in Erwägung gezogen worden.

Etliche „nicht umsetzbare Standorte“

Alle diese Standorte haben sich laut Fecker „als nicht umsetzbar“ erwiesen. So stand etwa einem Standort Benediktinerplatz entgegen, dass für den Bau eines Konzerthauses zwei Wohnhäuser hätten abgerissen werden müssen, und auf dem Büdingen-Gelände hätten sich wegen „der verkehrlichen Lage und aufgrund des seinerzeit im Verfahren befindlichen Bebauungsplans noch nicht einmal irgendwelche Veranstaltungssäle in einem geplanten Hotelneubau verwirklichen“ lassen. Um das Jahr 1998 habe die CDU-Fraktion das Thema erneut aufgegriffen und einen neuen einen Vorstoß unternommen, den Standort Klein Venedig für das Konzerthaus zu untersuchen, schreibt Fecker weiter. Dieser Vorstoß habe damals jedoch keine Mehrheit im Gemeinderat gefunden.

Zunächst wurde der Bedarf ermittelt

Im Jahr 2000 sei die Idee eines Standorts Klein Venedig von Oberbürgermeister Frank erneut aufgegriffen worden und für untersuchenswert befunden worden, bringt Fecker weiter in Erinnerung. In der Folge wurde ein Gutachten vom Freundeskreis der Philharmonie e.V. mit Unterstützung der Stadt Konstanz und der Stadt Kreuzlingen (Schweiz) beim Mannheimer Congress Center Management in Auftrag gegeben. Hauptziel war es, einer Bedarfsanalyse auszuarbeiten: ob es sinnvoll sei, in Konstanz ein Konzert- und Kongresshaus zu bauen.

Nur die Kombination macht’s finanziell möglich

Das Gutachten, auch daran erinnert Fecker, hob zunächst darauf ab, „dass allein ein Konzerthaus für eine Stadt wie Konstanz finanziell nicht zu meistern ist“. Nur dann, wenn eine Kombination von Kongress- und Konzertzentrum mit angeschlossenem Hotel und ausreichend Parkplätzen konzipiert werde, wäre eine Finanzierung möglich. Für dieses Konzept sei der sei der Standort Klein Venedig „zwingend“. In der Folge kam es zu einem Bürgerentscheid an, der jedoch nicht das nötige Quorum erreichte. Der Gemeinderat entschied, das Projekt weiter zu verfolgen.

Umfangreiche Untersuchungen zu Markt und Standort

Im Rahmen der oben genannten Untersuchungen, verbunden mit enem so genannten Markterkundungsverfahren, habe man sich laut Fecker „zum Teil wie vor 100 Jahren“ mit Fragen auseinandersetzen müssen, ob es in Konstanz überhaupt einen entsprechenden Markt gebe. Weitere „ausführliche und kostenintensive Untersuchungen“ seien dann zu dem bereits im Jahr 2001 festgestellten Ergebnis gekommen, „dass als einziger möglicher Standort Klein Venedig in Frage“ komme. Massgeblich seien die Kriterien „Nähe zum Wasser, Nähe zur Schweiz und Nähe zur Altstadt“.

Die Einmaligkeit des Standorts Klein Venedig

Die Dreifach-Kombination der Vorteile des Standorts Klein Venedig werde sowohl von Veranstaltern als auch von Besucher als „ideale Bedingung“ empfunden, hiess es in dem Gutachten der Concress Center Management GmbH weiter. Dem Standort Klein Venedig werde ein Alleinstellungsmerkmal eingeräumt. Alle anderen Standorte seien mit einem erheblichen finanziellen Risiko behaftet. Fecker: „Dies ist der Grund, warum der Standort Klein Venedig absoluten Vorrang hat.“

Für Transparenz bei allen Entscheidungen

Im Übrigen, so sagt Fecker, müssten „alle von den Bürgerinnen und Bürgern aufgegriffenen Fragen“ geklärt werden: Alle Entscheidungen seien „vollkommen transparent und nachvollziehbar” zu treffen. Hierzu gehöre vor allem die Frage der Verkehrsproblematik. Inzwischen liege ein Verkehrsgutachten vor.

„Verkehr wird nicht mehr, sondern weniger“

Vor dem Bahnhof (auf dem Bahnhofplatz) und auf einem Teil der Bodanstraße werde eine so genannte Mischverkehrsfläche entstehen, mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Dies, so erinnert Fecker, sei vom Gemeinderat beschlossen. Das Verkehrsgutachten sagt laut Fecker unter anderem aus, dass sich der zu erwartende Verkehr auf dem gesamten Altstadtring, auch auf der Bodanstrasse und auf der Laube, trotz eines Konzert- und Kongresshauses durch flankierende Massnahmen deutlich reduzieren lässt.

Freier Grünraum so gross wie ein Fussballplatz

Auch im Hinblick auf die Wichtigkeit von Grün- und Freiflächen im Bereich des historischen Stadtzentrums findet Fecker entwarnende Worte: „Der Standort Klein Venedig lässt selbst mit einem fertig gestelltem Kongresszentrum genügend Freiräume.“ Die planerischen Vorgaben des Gemeinderats sähen für Erholung suchende Bürgerinnen und Bürger auf Klein Venedig eine Grünflüche in der Ausdehnung eines Fussballfeldes vor. Kurzum, durch den Bau eines Konzert- und Kongresszentrums werde Klein Venedig auch für Freizeitaktivitäten wesentlich attraktiver.

Fecker: „Kostenmaximale ist festgeschrieben“

Der kombinierte Architekten- und Preiswettbewerb (mit Architekten und Baufirmen) lauft bereits. Die baulichen Probleme, vom schwierigen Untergrund mit der Notwendigkeit von Pfahlgründungen bis hin zur Akustik für den Konzertbereich, seien beschrieben. Die Einhaltung einer Kostenmaximale in Höhe von 38 Millionen, auch dies ruft Fecker in seinem Plädoyer in Erinnerung, sei eine glasklare Bedingung. Es könne deshalb nicht passieren, was der der Stadt bei der Bodenseetherme an Kostensteigerung widerfuhr und was nun bei der neuen Fussgängerbrücke am Hauptbahnhof droht.

„Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam nutzen“

Fecker beschliesst sein Plädoyer für die möglichst umgehende Realisierung eines Konstanzer Konzert- und Kongresshauses auf Klein Venedig mit einem Appell: „Noch nie waren wir so nah dran, unsere Stadt als Oberzentrum durch eine Musik- und Tagungsstätte zukunftsweisend aufzuwerten. Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam aufgreifen und nutzen!“ Foto: Frieder Schindele | TMW



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3 Kommentare

  1. 1. Nabholz

    Hört doch endlich auf über den Standort zu diskutieren. Man kann es nicht mehr hören. Die Diskussion über den Standort dauert schon lange genug und muss jetzt zum Ende kommen.
    Wichtig ist jetzt eine vernünftige Planung und danach deren schnelle Umsetzung.Dann bleiben auch die Kosten im Rahmen.
    Wer gegen das Kongress- und Konzerthaus ist soll es einfach zugeben(gell liebe SPD).Andere Meinungen zu akzeptieren zeugt von Größe.

  2. 2. neumann

    Bravo, Herr Fecker! Ihr Plädoyer trifft alle Nägel auf den Kopf!

    Hoffentlich setzt sich jetzt endlich die Vernunft durch.

  3. 3. DetlevKuentzel

    Laut Online-Medium soll der gewünschte Erfolg beim Vorzeige-Schiff “Sonnenkönig” bisher ausgeblieben sein.

    Bei einer ECO-Sendung im ORF-TV wurde über Entwicklungen der Fußball-Championsleague berichtet und auch Fragen der Club-Finanzierung angesprochen:

    neben rein kalkulatorischen Aspekten wurde auch ein Beispiel erwähnt, wobei ein russ. Milliardär einen GB-Club gekauft hat; nicht um Profit zu machen, sondern als rein privates Hobby, d.h. Verlust machen erlaubt.
    Wenn es solche Leute auch in D gäbe …… oder in der CH, die die paar Schritte vom Grenzstein zum KKH nicht als Ausland empfinden würden.

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