Fremder Wein in Konstanzer Fässern
Konstanz (wak) Mit dem Weinjahrgang 2009 sieht es nach dem Hagelunwetter vom Mai mau aus. Die Weinlese fällt in Konstanzer Lagen komplett aus. Die Spitalkellerei hat einen Totalausfall zu beklagen. Die Betriebsinhaber Hubert Böttcher und Stephan Düringer wollen deswegen Traubensaft aus einem anderen Anbaugebiet zukaufen und ihn in den Gewölben der Kellerei zu 2009er Spitalwein ausbauen. Ob der frisch gepresste Traubensaft vom Kaiserstuhl kommt, wollte Stephan Düringer noch nicht sagen. Nur so viel: Es wird badischer Traubenmost sein. Einen württembergischen Trollinger wird es in Konstanzer Fässern und Flaschen selbst im Hageljahr nicht geben.
Auch Meersburger kaufen zu
Das Hagelunwetter vom Mai hat eine Schneise durch das Weinanbaugebiet Bodensee geschlagen. Betroffen sind neben der Spitalkellerei auch das Staatsweingut in Meersburg oder der Meersburger Winzerverein, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. Beide haben Ausfälle von 80 bis 85 Prozent zu verschmerzen. Das Staatsweingut und der Winzerverein kaufen deswegen wie die Spitalkellerei Most in anderen badischen Anbaugebieten zu. Abgefüllt werden soll der Wein hauptsächlich in Literflaschen.
Kampf um Gastro-Kunden
Die Meersburger können es sich - genauso wie die Konstanzer Spitalkellerei - nicht leisten wegen des Hagels ihre Kunden in der Gastronomie zu verlieren. Deswegen wollen sie ihre Abnehmer unbedingt mit einem 2009er Wein beliefern, den es gar nicht gibt. Während Weinfreunde auch 2010 noch so lange ihre 2008er Weine entkorken wie der Vorrat reicht, geht es für die Weingüter und Kellereien längst darum, ihre Marktanteile im knallharten Wettbewerb zu sichern. Notfalls pappt auf einer Flasche dann eben ein Etikett mit der Aufschrift Staatsweinkeller statt Staatsweingut, so die Auskunft aus Meersburg.
Keine Lagenweine
Auch, wenn Weinfreunde vom Engpass noch nichts spüren, fehlen allein der Spitalkellerei 130.000 Liter Wein. Einen 2009er Konstanzer Sonnenhalde, der in anderen Jahren im Sierenmoos und beim Bismarckturm, oder einen Haltnauer Wein wird es nicht geben: Die Trauben im seit 1272 der Spitalkellerei gehörenden Weinberg zwischen Meersburg und Hagnau sind beim Hagelschlag vollkommen zerstört worden. Die Arbeit der Winzer in den Reben war in diesem Jahr vergeblich.
Zaubern im Keller
Auch, wenn Lagen, Böden und Mikroklima eine entscheidende Rolle spielen, ist Stephan Düringer doch zuversichtlich, dass er in seinem mittelalterlichen Gewölbekeller am Eingang zur Niederburg einen akzeptablen 2009er machen kann. Wo die Trauben derzeit reifen, möchte Düringer noch nicht verraten. Nur so viel ist ihm zu entlocken: Die Weinberge, von denen der frisch gepresste Most kommen soll, hat er sehr genau ausgesucht. Dem Wein will der Kellermeister dann eine gewisse Note verleihen. Ob aus Saft vom Kaiserstuhl oder einem anderen badischen Anbaugebiet vielleicht doch noch ein Bodenseewein wird, dürfte aber fraglich sein. Auf leichten eleganten Müller-Thurgau und typischen im Fass gereiften roten Burgunder vom Bodensee müssen Freunde der Bodenseeweine verzichten.
Goldener November
Wer derzeit einen Spaziergang durch die Weinberge, zum Beispiel auch auf der Haltnau, macht, dürfte sich angesichts der Nachrichten vom Totalausfall verwundert die Augen reiben. Was niemand erwartet hätte: An den Rebstöcken hängen Trauben. Nach dem verheerenden Hagelschlag blühten die Reben noch einmal. Die Träubchen hatten aber nicht mehr ausreichend Zeit und sind noch viel zu klein. Die Chance, dass sie am Stock reifen, ist eher gering. Die Sonnenstunden werden weniger und wenn nachts die Temperaturen unter fünf Grad fallen sollten, schalten die Rebstöcke auf Winter um. Nur, wenn der Spätsommer in diesem Donnerwetterjahr bis Anfang November dauern würde, könnte sich die Lese noch lohnen. Zu einem Qualitätswein würde es dann noch reichen. Dass noch ein Spitzenwein reift, ist aber ausgeschlossen. Fotos: Frieder Schindele | TMW
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