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16. September 2009 | Wahlfang im Kreis Konstanz

Ich kann Wahl

Konstanz (wak) Fünf Bundestagskandidaten stehen im Wahlkreis Konstanz auf dem Stimmzettel und werben um die Erst- und Zweitstimme. Elf Tage vor der Wahl trafen Andreas Jung (CDU), Brigitte Homburger (FDP), Peter Friedrich (SPD), Till Seiler (Grüne) und Franziska Stier (Linke) im Konzil aufeinander. Südkurier-Chefredakteur Thomas Satinsky und Südkurier-Lokalredakteur Jörg-Peter Rau hatten geladen und gaben zwei Stunden lang den Frank Plasberg und die Maybrit Illner von Konstanz. Das Motto: Ich kann Wahl.

Wahl-Watching live

Ein paar hundert Wählerinnen und Wähler wollten live dabei sein und ihre Kandidaten im direkten Schlagabtausch erleben. Was haben die drei Abgeordneten aus dem Kreis Konstanz in den vergangenen vier Jahren in Berlin für den Bodensee bewegt? Wer würde im direkten Vergleich punkten? Was kann ein einzelner Abgeordneter für seinen Wahlkreis überhaupt erreichen – solche Themen dürften den etwa 500 Wahl-Watchern im unteren Konzilsaal unter den Nägeln gebrannt haben. Sonst hätten sie ja den Couch-Potatoe machen und sich zum Beispiel das ZDF-Wahlforum vom Sofa aus im Fernsehen anschauen können.

Satinsky und Rau am Start

Thomas Satinsky musste zweimal beginnen. Nur quäkend kam seine Stimme aus den Lautsprechern. Ein technisches Problemchen. Dann Auftritt des Moderators Nummer zwei: Jörg-Peter Rau stellte die fünf Kandidaten vor. Recht nervös schaute er immer wieder auf seinen Zettel und bat die zwei Frauen und drei Männer auf die Bühne: Brigitte Homburger seit 1990 im Bundestag, Peter Friedrich seit vier Jahren dabei – genauso lang wie Andreas Jung, der inzwischen „bei den Erwachsenen“ sei. Rau wollte kalauern und verwechselte im Eifer die Repnik-Brüder Hans-Peter und Friedhelm.

Wer will mit wem nicht?

Die Einstiegsfrage von Thomas Satinsky messerscharf an Jung: „Sie kommen gut klar mit Peter Friedrich?“ Ja, beeilte sich Jung zu sagen, aber auch mit Brigitte Homburger. Peter Friedrich fand Koalitionsdebatten sehr ermüdend und Brigitte Homburger mochte (noch) nicht über die Verteilung von Ministerposten reden, sondern sagte lieber FDP typische Sätze wie, die Leute sollen wieder mehr Netto vom Brutto haben.

Ein Punkt für Kaffeefahrten

Das hätte so auch Guido Westerwelle formulieren können. Dem Lehrer Till Seiler, der wie die Linke Franziska Stier zur Minderheit der nicht schon im Bundestag Sitztenden gehörte, fiel zu FDP und Finanzkrise ein recht origineller Vergleich ein: Es sei so wie „den Organisator einer Kaffeefahrt zum obersten Verbraucherschützer zu machen“. Ein Pünktchen für gute Unterhaltung ging an Seiler.

Schwache Linke

Zur Linken fiel Moderator Rau zuerst nur eine Frage zum „Unrechtsstaat DDR“ ein. Die junge Franziska Stier, eine Nachgeborene, antwortete, verhaspelte sich immer wieder und blieb gelegentlich sogar mitten in ihrem Vortrag stecken. Setzen sechs. Weil die Kandidatin wahrlich nicht kompetent wirkte, konnte Peter Friedrich denn auch später sagen, Leute wie Stier seien ein Grund, warum die SPD halt doch nicht mit der Linken koalieren könne.

Moderatoren-Talk

Eine Frage von Satinsky an Friedrich: Gibt es zu viel oder zu wenig Staat? Mal so, mal so, sagte Friedrich. Er stehe für gebührenfreie Bildung von Krippen bis zu Hochschulen. Dafür gab’s Applaus. In diesem Fall bitte ein bisschen mehr Staat. Die beiden Moderatoren ließen die Kandidaten aussprechen. Einspielfilmchen hatten sie nicht dabei – und nicht einmal Zwischenfragen. Gelegentlich sprachen sie auch miteinander, während ein Kandidat gerade antwortete. Nur das Mikro war abgestellt.

Wahl-Arena m Konzil

Zum Schluss durfte das Publikum die Kandidaten direkt fragen: Eine Wählerin wollte von Jung etwas zur Atomenergie hören, einer fragte Peter Friedrich noch einmal zur großen Koalition und ein dritter sorgte sich um Bürgerrechte, die im Internet der Terrorismusbekämpfung geopfert würden. Es ging um Afghanistan, Handwerksbetriebe, Staatsverschuldung und Hartz IV. CDU-Kandidat Jung nutzte seine Redezeit, um zu berichten, dass sich die Position des Konstanzer Kreisverbands zur Kernenergie im Regierungsprogramm der CDU wieder finde. Peter Friedrich sagte, Umfragen seien ein bisschen wie Horoskope und er kämpfe für Rot-Grün. Nach gut zwei Stunden beendeten dann die ersten Zuhörer ihr persönliches Wahl-Watching. Dass Jörg-Peter Rau im Konzil gerade die Schlussrunde einläuten und die Kandidaten noch je einen Satz zu Ende formulieren lassen wollte, interessierte sie nicht mehr. Leider war der Moderator – wie auch schon zuvor – nur sehr schwer zu verstehen, weil er ständig zu sprechen begann, während das Publikum gerade noch Beifall klatschte.

Kandidaten-Check

Heute Abend gucken die Zuhörer dann wieder Frank Plasberg und morgen Maybrit Illner. Welcher Direktkandidat oder welche -kandidatin überzeugt hat, wissen die, die beim Wahl-Watching live dabei waren.

Woher kommt die Milch?

Das Allerletzte: Vor dem Konzil demonstrierten die Milchbauern. Das SWR-Fernsehen filmte sie. Vielleicht hätten Frank Plasberg und Maybrit Illner, wenn sie da gewesen wären, die Kandidaten gleich zu Beginn spontan gefragt, wo sie denn ihre Milch kaufen? Bei Aldi oder ab Hof, länger frisch oder doch lieber frisch vom Bauern? Fotos: Frieder Schindele | TMW



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Ein Kommentar

  1. 1. DetlevKuentzel

    Bei Ökonomen geht es verglichen mit der Politik eher emotionaler zu.
    Oder aber das Obama-Zeitalter hat in den USA auch die “Freiheit der Lehre” beflügelt und die “Banken-/Finanzkrise” zusätzlich als Auslöser gewirkt.

    http://www.thurgauerzeitung.ch/wirtschaft/konjunktur/Topoekonomen-geben-sich-oeffentlich-gegenseitig-Saures/story/24138179

    Titel:
    Topökonomen geben sich öffentlich gegenseitig Saures

    Untertitel eines Bildes:
    Werfen sich gegenseitig Inkompetenz vor:
    Die Topökonomen Paul Krugman und Gregory Mankiw

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