„Judengold“: Verbrechen an der Grenze
Konstanz (wak) Mit seinem Krimi „Judengold“ erzählt Erich Schütz ein Stück Zeitgeschichte. Der Autor von Fernsehdokumentationen und bekennende Feinschmecker („Die Köche“) hat in seinem Bodensee-Krimi ein Kapitel dunkelster Vergangenheit ans Licht des 21. Jahrhunderts gezerrt. Es geht um Verbrechen, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft an der Deutsch-Schweizer-Grenze begangen worden sind. So wie das Rosgartenmuseum mit seiner Ausstellung „Sommer ‘39“ jenen Abschnitt Konstanzer Geschichte beleuchtet, in dem Frauen und Männer zu Opfern und Tätern wurden, nimmt sich auch Schütz dieses Kapitels an.
Jüdisches Fluchtgeld
Schütz lässt in seinem Roman – die Handlung ist frei erfunden - den freien Journalisten Leon Dold recherchieren. Der in Überlingen lebende Autor ist ein Überzeugungstäter. „Wer hinter die Kulissen blickt, entdeckt schnell kriminelle Machenschaften – aber wer will sie jeden Abend im Fernsehen sehen?“, fragte der Krimiautor schon bei anderer Gelegenheit. Einen Doku-Krimi hält Schütz für das passende Genre, um über Regionalgeschichte und tödliche Machenschaften zu berichten, die im Dritten Reich begannen wurden und bis in die Gegenwart wirken. Es geht um Vermögen, um Fluchtgeld, das deutsche Juden heimlich über die deutsch-schweizerische Grenze brachten.
Ein echter Krimi
Das Revier von Leon Dold, der Schütz’ Alter Ego ist, ist der Bodensee. Der zweite Roman, in dem der Autor seinen Helden ermitteln lässt, hat alles, was Krimileser erwarten und es geht auch nicht etwa nur um das Aufarbeiten von Geschichte: Die Handlung ist spannend, Schütz erzählt glaubhaft und, weil er selbst nicht nur ein kritischer Journalist, sondern auch ein Gourmet ist, sind Leon Dold und der ermittelnde Kommissar selbstverständlich auch Feinschmecker.
Genussmensch Schütz
Der Kommissar lädt den Journalisten zu selbst geangeltem Saiblingsfilet an Gurkengemüse zu sich nach Hause ein. Schütz’ Leon Dold bringt eine Flasche Müller-Thurgau vom Burgunderhof in Hagnau mit. Und nicht zufällig kehrt der fiktive Romanheld während seinen Ermittlungen auch noch bei Hubert Neidhart in Moos ein, für dessen Bodensee-Bouillabaisse Held und Autor schwärmen. Bei Isolde Pfaff in Altheim lässt sich der Rechercheur – so wie es Schütz selbst gern tut - mit Lammfilets in Portweinsößle verwöhnen. „Der Mensch lebt nicht nur vom Geist allein“, formuliert Schütz und sieht zwischen dem ernsten Stoff, den er aufgreift, und dem Genuss gar keinen Widerspruch.
Lesung in Konstanz
Wer den Autor persönlich kennen lernen und in seinen Roman hinein hören will, hat dazu in dieser Woche noch in Konstanz die Gelegenheit. Am Donnerstag, 24. September, liest Erich Schütz aus „Judengold“. Los geht’s um 20 Uhr in der Buchhandung OSIANDER in der Rosgartenstraße 29. Der Eintritt kostet 8 Euro, Studierende zahlen 4 Euro. Foto: Frieder Schindele | TMW





