Wähler haben die doppelte Wahl
Konstanz (wak) Wenn Konstanzer Wählerinnen und Wähler am kommenden Sonntag zur Wahl gehen, könnte es sein, dass sie zwei Mal abstimmen dürfen. Die zweite Wahl ist aber nur ein Fake. Die Wähler sollen für eine Studie der Universität Konstanz in einigen Wahlbezirken ein neues Wahlverfahren testen. Für die Tester gibt es bei der zweiten nur simulierten Bundestagswahl sogar extra Wahlkabinen. Die Teilnahme an der Studie ist absolut freiwillig, und das Wahlergebnis hat keinen Einfluss auf das Ergebnis der echten Bundestagswahl.
Im Namen der Wissenschaft
Die Universität Konstanz hat schon einmal eine ähnliche, kleinere Studie in der Gemeinde Messel in Hessen gemacht. Das war im vergangenen Jahr. Beide Studien, die in Hessen und die am kommenden Sonntag in Konstanz, sind Teil eines Forschungsprogramms am Lehrstuhl für Mikroökonomie des Fachbereichs für Wirtschaftswissenschaften (Prof. Dr. Carlos Alós-Ferrer). Untersucht wird von den Wissenschaftlern eine neue Wahlmethode, dass so genannte Zustimmungsverfahren. Anders als bei der derzeit gültigen Wahlmethode können die Wähler bei dieser, die zum Beispiel bereits bei der Wahl des Generalsekretärs der U.N.O. angewandt wird, für mehrere Kandidaten oder Parteien gleichzeitig stimmen. Jeder Wähler und jede Wählerin hat zwar mehrere Stimmen, darf aber nicht mehrmals für ein und denselben Kandidaten oder ein und dieselbe Partei stimmen.
Gelb-Grün-Orange
Die Wähler kreuzen bei der Studie auf den entsprechenden Unterlagen einfach diejenigen Kandidaten oder Parteien an, denen sie ihre Zustimmung geben wollen - und zwar so vielen Kandidaten und Parteien wie sie möchten. Wähler könnten also zum Beispiel für die Piraten, die Grünen und die FDP gleichzeitig stimmen. Für jeden Kandidaten und für jede Partei wird bei der neuen Methode zum Schluss die Gesamtzahl der Stimmen, die er oder sie bekommen hat, ermittelt.
Wahl nach der Wahl
Auf gar keinen Fall wollen Stadt und Universität die Wählerinnen und Wähler bei der Bundestagswahl aber verwirren. Die Stadt stellt deswegen vorsorglich klar: Die Studie dient ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken und findet wird parallel zur offiziellen Wahl statt. Es sind auch nur die Wähler einiger Wahlkreise in Konstanz, die, nachdem sie bei der offiziellen Wahl bereits gewählt haben, an der Studie teilnehmen können, indem sie noch einmal „wählen“, dieses Mal eben nach dem Zustimmungsverfahren. Für die Studie werden in ausgesuchten Wahllokalen besondere Wahlscheine ausgegeben und separate Wahlkabinen aufgestellt.





