Rabbiner Teitelbaum sichert den „Anker“
Konstanz (gro) Rabbiner Usi Teitelbaum und Peter Stiefel haben den ehemaligen „Anker“ in der Sigismundstrasse während der Nacht zum heutigen Sonntag mit rituellem Segen als neues Zentrum für die Israelitische Kultusgemeinde deklariert. Sie reagierten damit auf die neuesten Drohgebärden und Verleumdungen des badischen Dachverbandes ihrer Religionsgemeinschaft (IRG Baden). Begleitet vom harten Kern der Gemeinde und ausgestattet mit einem soliden Hammer rückten Seelsorger und Gemeindevorstand nach dem Ende des Sabbat an, um die Eingangstür mit einem hebräisch gehaltenen Siegel als Zugang zu geheiligten Räumen kennzuzeichnen.
Landesverband verweigert sich
Das Anwesen „Anker“ an der Sigismundstrasse war der Israelitischren Kultusgemeinde im Jahre 2003 von der Stadt Konstanz übereignet worden. Dort soll das neue jüdische Gemeindezentrum entstehen. Die Gemeinde hat längst eine gültige Baugenehmigung. Doch der in Karlsruhe ansässige Dachverband (IRG) verweigert entgegen ursprünglichen Zusagen die Mitfinanzierung des Projekts. Es geht dabei vor allem um Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg, die nicht fliessen können, weil sich der Dachverband gegen die Konstanzer Gemeinde stellt. 
Die Karlsruher schulden den Konstanzern 1 Million
Allein aus den laufenden Verwaltungsgeschäften dürfte die Karlsruher IRG der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz inzwischen mindestens eine Million Euro schulden. Das geht aus Unterlegen hervor, die dornroeschen.nu vorliegen. Der bis heute anhaltende Konflikt zwischen der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz und dem Karlsruher Dachverband dürfte seinen Ursprung in den 90-er Jahren haben. Damals gaben Benjamin Nissenbaum und sein Bruder Gideon zeitweise den Ton an im Oberrat, dem entscheidenden Gremium des Dachverbands. Die Konstanzer verlangten wiederholt mehr Transparenz im Geschäftsgebaren einzelner Gemeinden und auch innerhalb des Dachverbands.
Die Karlsruher bremsten plötzlich
Als sich die konstanzer Juden Anfang 2004 anschickten, nach der geglückten Grundstücksübereignung eine neue Synagoge samt Gemeindezentrum zu verwirklichen, bremste die IRG Karlsruhe plötzlich und beanspruchte den Verwirklichungsprozess für sich. Gleichzeitig wurde vom Karlsruher Oberratssvorstand eine Verleumdungskampagne losgetreten: Die beiden Vorsitzenden der Konstanzer Gemeinde, so liess IRG-Chef Jakob Goldenberg damals verbreiten, seien „gar keine richtigen“ Juden und müssten deshalb zurücktreten. Goldenberg beanstandete gleichzeitig Buchführung und Rechnungswesen der Gemeinde in Konstanz.
Goldenberg wechselt nach Baden-Baden
Goldenberg, wiewohl nach wie vor in Karlsruhe wohnhaft, kam indessen mit seiner Heimatgemeinde nicht klar, ist schon seit Jahren Mitglied der jüdischen Gemeinde Baden-Baden und sorgte für einen treuen Nachfolger. So kommt es, dass der aktuelle IRG-Vorsitzende Wolfgang Fuhl, Anwalt in Lörrach, bis heute Goldenbergs Vorwürfe aufwärmt und auch gut fünf Jahre später immer noch von verweigerten Konstanzer Buchprüfungen fantasiert.
„Vorbildlich gewirtschaftet“
Das Gegenteil ist wahr. Tatsache ist, dass sich die Israelitische Kultusgemeinde einer ausserordentlichen Kassenprüfung unterwarf, und zwar gemäss einem Urteil des Schieds- und Verwaltungsgricht beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Das entsprechnede Prüfungsprotokoll der Firma Kurt W. Bechthold (Wirtschaftsprüfer & Steuerberater, Karlsruhe, Kaiserallee 23a) liegt dornroeschen.nu ebenfalls vor. Daraus ist ersichtlich, dass bei der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz geradezu vorbildlich gewirtschaftet, abgerechnet, bilanziert und geprüft wird. Das gilt auch für „Niskosher“, den Laden für koschere jüdische Produkte, der in der Sigismundstrasse knapp vier Jahre lang betrieben wurde. Karlsruher Übelnachredner verbreiteten das Gerücht, da werde womöglich Geld gewaschen. Tatsache ist, dass für „Niskosher“ jedes Jahr gegenüber dem Finanzamt sauber erklärt und bilanziert wurde. Entsprechendes gilt für die Jahresbilanzen der Gemeinde.
„Geld fliesst nur in eine Richtung“
Bis jetzt dienen die Räumlichkeiten des ersten Obergeschosses im Hochhaus an der Sigismundstrasse der Israelitischen Kultusgemeinde als Treffpunkt. Normale Mieteinnahmen würden bei 2500 Euro pro Monat liegen. Der Eigentümerin des Anwesens, der Familie Nissenbaum, stünden allein daraus pro Jahr gut 30.000 Euro zu. Doch seit 5 Jahren fliesst kein Cent. Hinzu kommt, dass auch längst zugebilligte Zahlungen für Rabbiner und Religionslehrer seit fünf Jahren ausgeblieben sind. Angesichts dieser Sachlage liegen In Konstanz manche Nerven blank. Man zahle zwar brav seine Kirchensteuer, so heisst es bei der Israelitischen Kultusgemeinde. Doch das sei es dann auch schon gewesen. Nichts fliesse zurück an die Gemeinde, und das schon seit Jahren. Dabei habe das Bundesverfassungsgericht dieses Jahr, am 12. Mai, so erinnert sich Gemeindevorsitzender Peter Stiefel „ganz genau“, entschieden, dass nicht nur Landesverbände, sondern jede einzelne Gemeinde Anspruch habe auf angemessene Zuschüsse des Staates.





