Elch(kuh) muss 2010 vom Eis
Konstanz (wak) So schön könnte der Konstanzer Weihnachtsmarkt ab 2010 aussehen. Weniger Hütten auf der Marktstätte, ein bisschen mehr Weihnachtsmarkt im Stadtgarten und eine kleine Budenstadt beim Münster. Ein Wochenende lang sollen ab dem kommenden Jahr auf einem Amateurweihnachtsmarkt am Münster Vereine und Konstanzer Kunsthandwerker ihre Waren verkaufen. Nachdem sich einige Händler auf der Marktstätte beklagt hatten, weil sie sich wegen der vielen Hütten von ihren Kunden abgeschnitten fühlen, erfinden die Konstanzer ihren Weihnachtsmarkt gerade neu. Er soll noch schöner werden. Weihnachtsmarktveranstalter Heinrich Stracke, Jürgen Baur vom Treffpunkt, Bürgeramtschef Hans-Rudi Fischer und Stadtmarketingchef Hilmar Wörnle, der die Gespräche moderiert und viele Ideen für ein neues Konzept hat, wollen die Elch(kuh) miteinander vom Eis bringen.
Weniger Hütten auf der Marktstätte
Dass der Konstanzer Weihnachtsmarkt ein Erfolg ist, ist unstrittig. 400.000 Besucher kommen jährlich in die Budenstadt am See. In diesem Jahr legten aber erstmals zwölf Betriebe förmlich Widerspruch gegen die Genehmigung des Weihnachtsmarktes ein, sagte Hans-Rudi Fischer. Sie fürchteten Umsatzeinbußen. Den Weihnachtsmarkt abschaffen möchte aber auch der Handel nicht. Das ergab ein Meinungsbild, bei dem 20 Händler bei einem Treffen am Dienstag für den Weihnachtsmarkt stimmten. Keiner war dagegen. Ein neues Konzept ist aber wahrscheinlich. Im kommenden Jahr sollen – und das ist sicher - weniger als 51 Hütten auf der Marktstätte stehen. „Eine Klage wäre absolut schädlich – für den Weihnachtsmarkt und das Image der Stadt Konstanz“, sagte Fischer. Insgesamt zählt der Weihnachtsmarkt etwa 150 Buden zwischen Marktstätte und Gondelhafen - rund 20 Prozent der Hütten bieten Glühwein oder Essen an.
Bekenntnis zum Weihnachtsmarkt
Schon seit dem Jahr 2000 organisierte Heinrich Stracke zusammen mit seinem vor wenigen Wochen verstorbenen Partner Gerhard Bartels den Weihnachtsmarkt am See. Der Vertrag zwischen der Stadt und Stracke, der ursprünglich erst einmal nur fünf Jahre galt, verlängert sich mittlerweile stillschweigend. Die Kündgingungsfrist beträgt 15 Monate. Hans-Rudi Fischer sagte, der Weihnachtsmarkt 2010 sei gesichert. Es gebe ein klares Bekenntnis der Stadt Konstanz zum Weihnachtsmarkt.
Stadtmarketing will Stracke den Markt nicht wegschnappen
Fischer stellte auch klar: Es sei nicht etwa Absicht des Stadtmarketings, in Zukunft den Weihnachtsmarkt zu übernehmen. Damit widersprach Fischer entsprechenden Gerüchten, die aufgekommen waren. Fakt sei vielmehr, dass das Stadtmarketing zusammen mit Heinrich Stracke an einem neuen Konzept für den Konstanzer Weihnachtsmarkt am See arbeite. Nach dem 6. Januar wollen Stracke, Stadtmarketing und Treffpunkt Veränderungsvorschläge diskutieren. Im Juni soll es erste Ergebnisse geben. Ein Kompromiss müsse gefunden werden so Fischer. „Der Weihnachtsmarkt darf nicht zerredet werden“, sagte der Vertreter der Stadt. Wörnle wies mit Blick auf die Marktstätte darauf hin, dass eine gewisse Dichte der Hütten Voraussetzung sei, dass die Weihnachtsmarktatmosphäre nicht etwa verloren gehe.
Jürgen Norbert Baur sieht riesen Chance
Wie der Weihnachtsmarkt am See in Zukunft aussehen wird, vermag momentan noch niemand zu sagen. Nur so viel ist heute schon sicher: Ziel könnte es sein, die Besucherzahl auf 700.000 zu erhöhen. Hilmar Wörnle sprach von einer „qualitativen Weiterentwicklung“ des Marktes. An Ideen mangelt es dem Chef des Stadtmarketings keinesfalls. Er könnte sich viel vorstellen - vom regionaltypischen Catering bis zum Weihnachtsmarkt der Nationen mit Döner-Hütte. Möglich wäre, ginge es nach Wörnle, auch ein Open Air Stummfilmkino. Norbert Bauer, Vorsitzender des Treffpunkts Konstanz, sprach davon, aus der Krise eine Chance zu machen. „Ich sehe eine riesen Chance für Konstanz“, sagte Baur
Keine Verlegung des Marktes
Die Verlegung des Marktes sei kein Thema, so Wörnle. Denkbar wäre es aber zum Beispiel das Konzil einzubinden, wo eine Spielwarenmesse stattfinden könnte oder in der Stadt Eisskulpturen oder noch mehr Christbäume aufzustellen. Wenigstens theoretisch gebe es in Konstanz zwar die Möglichkeit, den Markt zu splitten. In Straßburg gebe es fünf Weihnachtsmärkte, sieben in Köln und auch in Zürich mehrere Weihnachtsmarktstandorte. Wahrscheinlicher sein dürfte es aber, dass sich der Markt in Richtung Gondelhafen, Rondell und weiter Richtung Inselhotel ausbreitet. Der See würde wahrnehmbarer. Am Fischmarkt würde es – neben der Unterführung – eine zweite Anbindung des Stadtgartens geben. Über die Brückengasse könnten Besucher zum Münsterplatz zurück zur Marktstätte geführt werden. Doch das ist erst einmal nur eine Vision – genauso wie Dampfzugahrten mit Weihnachtsmarktbesuchern vom Appenzell nach Konstanz oder eine Natureisbahn oder Lichterschiffchen im Gondelhafen. Bloße Spinnereien sind solche Überlegungen aber nicht. Intersky bietet längst Flüge zu den Weihnachtsmärkten am Bodensee an.
2010 Amateurmarkt am Münster
Fürs kommende Jahr ist am Münster erst einmal ein Amateurmarkt geplant, auf dem Schulen und Kindergärten oder auch Konstanzer Kunsthandwerker und Hobbybastler an einem Wochenende ihr Waren präsentieren. Auch diesen Markt will Heinrich Stracke organisieren. Ein Weihnachtsmarkt am Münster müsse sich langsam entwickeln, so Woernle. Einen professionellen Kunsthandwerkermarkt zu organisieren, würde viel Geld kosten: Obwohl sich in Konstanz etwa 350 Händler um einen der 150 Stände auf dem Weihnachtsmarkt bewerben, sei es schwer kunsthandwerkliche Stände zu buchen. Der Auftritt eines Glasbläsers auf Weihnachtsmärkten sei durch den Verkauf der Glaskunst nicht refinanzierbar – ihm müsste Honorar bezahlt werden.
Evolution dauert ein paar Jahre
Sicher ist deswegen erst einmal nur, dass vom kommenden Jahr an weniger Stände als heute auf der Marktstätte stehen und sich der Weihnachtsmarkt weiter in den Stadtgarten schlängelt. Im Idealfall könnte die Vision von einem qualitativ aufgewerteten Weihnachtsmarkt, der weitläufiger wäre, und einem Weihnachtsmarktrundweg vorbei am Münster bis in drei Jahren Wirklichkeit werden. Sollten die Besucher das neue Konzept nicht annehmen, stünde es aber sofort auf dem Prüfstand. Verfahren wollen die Organisatoren nach dem Motto trial und error. Ach ja, auch den Weihnachtsmarkt 2010 wird wieder Weihnachtsmarktprofi Heinrich Stracke organisieren. Foto: Frieder Schindele | TMW






