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7. Dezember 2009 | Irritationen um Adresse und Sitzgelegenheiten

Wo ist das Theater wirklich?

Konstanz (gro) Einst hatte jedes Haus in der Stadt seinen Namen. So wurde eine Botschaft an Herrn Fridolin Sch. ins „Haus zum Vorderen Tanz“ speditiert, und den Ratsherrn J. Leipoldius erreichte damals die geheime Nachricht vom drohenden Bankrott der Kommune im „Haus zum Roten Ring“. Eigentliche Postadressen gab es in Konstanz lange nicht. Nur die allerwichtigsten Strassen und Gassen hatten einen Namen. Und namenlos ist bis heute das kurze Strassenstück zwischen Theatergasse und Gymnasiumsgasse, an dem die Rückfront des Stadttheaters liegt. Nur ein Gerücht allerdings ist, dass sich das Theater neuerdings in der Inselgasse befindet.

Was sagte wohl Johannes Kumm?

Gegenteilige Behauptungen, nachzulesen im „Südkurier“, haben zu Irritationen geführt, vor allem, als die angebliche Verlagerung des Theaters in die Inselgasse auch noch Stadtbaumeister Johannes Kumm in den Mund gelegt wurde. „In den kommenden Jahren wird man bis zu sechs Millionen Euro in das Haus in der Inselgasse investieren müssen“, wurde Kumm zitiert. So sei unter anderem „eine Erneuerung der Sitzplätze bald fällig“, wie es in „Südkurier“- Artikeln zur Tagung des Kulturausschusses in der vergangenen Woche hiess.

Das staunte man im Theater nicht schlecht

Vor allem die Nachricht über angeblich sanierungsbedürftige Sitzgelegenheiten liess etliche Theaterleute ungläubig staunen. So arg lang ist es schliesslich nicht her, dass man das Stadttheaters mit 400 neuen Sesseln ausstattete. War das nicht erst in den neunziger Jahren? Und man sitzt doch noch bequem und sicher in den roten Dingern! Die viel primitiveren, plüschblauen Vorgängersessel hatten gut 40 Jahre halten müssen. Viel wichtiger wäre es, so heisst es im Theater, für die Werkstatt Inselgasse 120 neue Sitzgelegenheiten anzuschaffen. Die seien in der Tat ziemlich hinüber.

Schlechte Akustik im Ratssaal

Möglicherweise sind die Irritationen ja ganz einfach von Hörfehlern ausgelöst worden. Die Akustik im Ratssaal ist nicht gut. Deshalb noch einmal: Das Stadttheater liegt nicht in der Inselgasse und auch nicht an der Inselgasse, sondern an der Konzilstrasse und zwischen Theatergasse und Gymnasiumsgasse. Die Theatergasse teilt sich das Schauspielhaus mit dem ehemaligen Konradihaus (heute Stadtresidenz Theatergasse 4), die Gymnasiumsgasse mit der Christuskirche und das namenlose Strassenstück entlang der Rückseite mit dem Anwesen Münsterplatz 13.

Wo einst Erasmus Aufnahme fand

Das Theater hat aber, wie bereits angedeutet, durchaus mit der Inselgasse zu tun. Im ehemals Botzheimschen Domherrenhof, in der Theatergasse 2, wo 1522 Erasmus von Rotterdam Aufnahme fand, befinden sich Intendanz und Werkstattbühne, im sich anschliessenden Haus die wichtigsten Werkstätten des Theaters. Einen gewissen Sanierungsbedarf gibt es auch dort. Doch die Werkstatt Inselgasse konnte wohl kaum gemeint sein, als im „Südkurier“ von dem hohen Sanierungsbedarf des Hauses in der Inselgasse geschrieben wurde, zumal das dazugehörige Bild das Theatergebäude an der Konzilstrasse zwischen Gymnasiumsgasse und Theatergasse zeigte.

Ein Bild kann (fast) alles klar machen

„EIn Bild sagt mehr als 1000 Worte“, lautet eine bedingt journalistische Binsenweisheit. In Sachen Theater dürfte das halbwegs stimmen. Das Bild vom Hauptgebäude des Stadttheaters machte jenseits schriftlicher Gegenbehauptungen im „Südkurier“ deutlich, was wirklich gemeint ist. Und wer kennt sich in der Konstanzer Altstadt schon so genau aus. Jetzt fehlt in der Heimatzeitung allerdings noch ein Bild, ein Bild, das schleunigst nachgeliefert werden sollte: das Foto, das die desolaten Sitzgelegenheiten zeigt, die so dringend erneuert werden müssen. Vielleicht befinden die sich wirklich in der Inselgasse. Foto: Frieder Schindele | TMW



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Ein Kommentar

  1. 1. minniemaus

    Der im Artikel benannte Bühnenturm mit seiner “mittelalterlichen Technik”, befindet sich natürlich ebenfalls im Theaterhauptgebäude und nicht in der Inselgasse.

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