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9. Dezember 2009 | Südkurier Medienhaus bittet um göttliche Hilfe

Gott segne dieses Druckhaus


Konstanz (wak)
Weit scheint es gekommen mit der Zeitungslandschaft. Die Not ist groß. Das Südkurier Medienhaus bittet kurz vor Weihnachten gar um göttliche Hilfe und Schutz für seine neue Druckerei. Das hochmoderne Druckzentrum im Industriegebiet Oberlohn nimmt das Unternehmen gerade in Betrieb. Für den kommenden Freitag, 11. Dezember, hat der Südkurier aus besagtem Anlass zu einer „Segensfeier“ geladen. Ein bisschen befremdet reagierte der eine oder andere Ehrengast aber auf das von Geschäftsführer Rainer Wiesner verfasste Schreiben mit dem Betreff „Einladung zur Segensfeier“.

Göttlicher Beistand in der Zeitungskrise

Ausgerechnet in Zeiten der Zeitungskrise und fallender Auflagen all überall hat das Südkurier Medienhaus in Konstanz eine neue Druckerei errichtet. Dafür, dass das Haus seine Druckerzeugnisse künftig in modernster Technologie, die Zeitungen komplett in bunt und den Südkurier in praktischerem kleinerem Format liefern kann, hat es satte 30 Millionen Euro in die Hand genommen. Die wollen auch in Zeiten der Krise wieder herein gewirtschaftet werden. Da braucht es wohl schon ein bisschen göttlichen Beistand.

Redaktionen müssen sparen

Noch im November 2008 hatte das Medienhaus frohgemut den Grundstein für „eine sichere Zukunft“ gelegt. So heißt es auf der Homepage des Unternehmens im Internet. Die Zeiten waren damals scheinbar bessere. Geschäftsführer Rainer Wiesner frohlockte bei der Grundsteinlegung: Das Medienhaus habe sich „prächtig entwickelt“. Doch mittlerweile hat die Krise der Branche wohl auch einen der Großen in der Region Bodensee, Südschwarzwald und Hochrhein getroffen. Angeblich soll der Verlag einen rigiden Sparkurs fahren. Ein paar hundert tausend Euro sollten – wie dornroeschen.nu und andere Medien berichteten - beim Südkurier allein im redaktionellen Bereich eingespart werden, um das Unternehmen angesichts sinkender Erträge und steigender Kosten flott zu halten.

Medienhaus bittet um Bewahrung

O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit, mag sich Geschäftsführer Rainer Wiesner in einem sentimentalen Moment gedacht haben, als er sich anlässlich der Inbetriebnahme der Druckerei, dafür entschieden hat, um göttliche Hilfe und um göttlichen Schutz für die 30 Millionen Euro Investition zu bitten und zur „Segensfeier“ einzuladen. Der Begriff „Segen“ kommt übrigens vom lateinischen „signare“ und bedeutet „mit dem Zeichen des Kreuzes versehen“. Segnen meint eine wohlmeinende Gebetsformel, die Personen oder Sachen Anteil an göttlicher Kraft oder Gnade geben möchte. In Zeiten der Zeitungskrise, in der immer mehr Verlage auch in Deutschland unter dem Diktat des Sparens stehen, dürfte auch beim Medienhaus Südkurier das Bedürfnis nach Schutz und Bewahrung gewachsen sein. Eine ökumenische Segensfeier mit anschließendem kleinem vorweihnachtlichen Imbiss erscheint am Freitag nicht verkehrt.

Ermahnung zur Gottesfurcht

Für Heim und Haus um den göttlichen Segen zu bitten – wenn auch nicht unbedingt für das Heim einer Zeitungsdruckerei - hat eine lange Tradition. Haussegen sind Teil der christlichen Volkstradition. Segenssprüche stellen Häuser, den gesamten Besitz und die Bewohner unter den Schutz Gottes. Der Haussegen sollte das Haus und seine Bewohner beschützen aber auch zur Gottesfurcht ermahnen. Im Falle des Südkuriers dürfte die Ermahnung zur Gottesfurcht hauptsächlich den Managern des Medienhauses gelten, die ansonsten eher unbarmherzig auf Quartalszahlen schauen.

Eine Druckerei ist sehr profan

Am Rande sei noch angemerkt, dass das weltliche Medienhaus, das seit 1992 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehört, bei der Inbetriebnahme der Druckerei auf den Begriff der „Weihe“ verzichtet, der in Zusammenhang mit einer Druckerei auch höchst unpassend gewesen wäre. „Weihe“ nämlich bedeutet, dass der oder das Geweihte nicht mehr für den normalen, profanen „Gebrauch“ bestimmt wäre, sondern für einen anderen religiösen. Die „Segnung“ dagegen möchte bewirken, dass der „normale, profane Gebrauch des betreffenden Gegenstands“ (hier einer Druckerei) unter dem Segen Gottes steht. 60 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschafte das Medienhaus Südkurier mit dem Zeitungsvertrieb, sagte Wiesner übrigens noch vor einem Jahr. Und meistens geht es in den Zeitungen ja um sehr Profanes, will sagen: Gewöhnliches, Alltägliches oder um Gehaltloses. Eine Segensfeier im Medienhaus nördlich der Reichenaustraße dürfte somit am Freitag aus mehreren Gründen durchaus angemessen sein. Los geht’s ab 10.30 Uhr – aber selbstverständlich nur für geladene Gäste.



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4 Kommentare

  1. 1. Nabholz

    Gottes Segen und Erleuchtung wünsche ich auch dem Dornröschen in der Hoffnung auf objektivere Berichterstattung und weniger Polemik. Die letzten Monate waren sehr grenzwertig.Ihr wart schon besser und manchmal eine Alternative zum Südkurier. Aber nur manchmal.Tja, das waren noch Zeiten…….
    Frohe Weihnachten!

  2. 2. Z.W.Eifler

    “Die letzten Monate waren sehr grenzwertig”? Ich bin jedenfalls froh, dass es - durch dornröschen wie durch SeeMoz, ein jedes in seiner Art, eine kritische Ergänzung und - oft genug dringend nötig - ein kritisches Korrektiv zum örtlichen Monopolblatt gibt. Danke dafür - und für so manchen wirklich informativen Beitrag in den letzten Monaten!

  3. 3. dk

    So schlecht finde ich es nicht, wenn man etwas intensiver nachdenkt, was langfristig eigentlich Erfolgs- und Zukunftsfaktoren sind.

    Seitdem Kirchen eher erfolgsorientiert gemanaged werden, neige ich eher zum Aberglauben; vielleicht werde ich mir im entsprechenden Alter meinen Herzschrittmacher doch auch segnen lassen (inkl. gutem OP-Verlauf).

    Andererseits sollte man sich nicht nur auf den Glauben verlassen: ein Backup, eine Firewall und Internet-Security-Software sollen sehr hilfreich sein.

  4. 4. ErloeserPrinz

    Auch ich bin mit „Dornroeschen“ sehr zufrieden. Toll was Ihr auf die journalistischen Beine gestellt habt. Jetzt jeden Tag ein ausführlicher Beitrag. „wak“ ist hierbei eine gute, fleißige Verstärkung. Was ich vermisse, sind die aktiven Leser mit ihren Kommentaren, wie das ja schon einmal war. Warum wohl, denn das Angebot ist ja um ein vielfaches erhöht worden?

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