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29. April 2010 | Albert Faigles Idee von der Bürgeranleihe

Das Aus fürs Konzerthaus beflügelt die Fantasie

Konstanz (gro) Die entschiedene Ablehnung eines Kongress- und Konzerthauses auf Klein Venedig sorgt für Depressionen bei den bürgerlichen Parteien des Stadtparlaments und beim dreiköpfigen Spitzenteam der Verwaltung. Doch in den Reihen der am 21. März so unwilligen Bürgerschaft beflügelt das Nein aus dem Volk die Fantasie umso lebhafter. Die neuesten Vorschläge reichen von Albert Faigles Idee einer Bürgeranleihe für die überfällige Sanierung Klein Venedigs bis zur grosszügigen Tieferlegung der Bahn mit einem Tunnel unter dem Stadtgarten. Erste Weichen in eine neue Zukunft der Stadt könnten in der heutigen Gemeinderatssitzung, der ersten nach dem Bürgerentscheid, gestellt werden.

Die Akten ruhen lassen oder endgültig schliessen

Die Tagesordnung der heutigen Gemeinderatssitzung, die um 16 Uhr beginnt, ist allerdings nicht dazu angetan, Aufbruchstimmung zu vermitteln. Im Gegenteil: Die verschnupfte bürgerliche Mehrheit des Gemeinderats, die sich für das Projekt auf Klein Venedig eingesetzt hatte, möchte die Angelegenheit nur „ruhen lassen“. Die SPD, die Linke Liste, Teile der Freien Grünen und auch der durchaus bürgerliche Jürgen Wiedemann von der Neuen Linie, sie möchten die betreffenden Akten „jetzt schliessen“.

Leipold und Wiedemann: Endgültig begraben

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Leipold, der sich vor allem angesichts der aktuellen städtischen Finanzlage und wegen der Verkehrsproblematik gegen das Projekt auf Klein Venedig ausgesprochen hatte, will aus Gründen politischer Ökonomie „einen endgültigen Schlussstrich ziehen“. Jürgen Wiedemann, der sich immer für ein Kongress- und Konzerthaus auf Klein Venedig eingesetzt hatte, aber die klare Ablehnung durch die Bürgerschaft vorher gesehen und öffentlich prophezeit hatte, steht auf dem Strandpunkt, dass es der Respekt gegenüber demokratischen Grundsätzen gebiete, das Projekt auf Klein Venedig zu beerdigen – und zwar „unabhängig davon, ob man es nun richtig oder falsch findet“.

Riem auf der Suche nach einem Konzert-Raum

Florian Riem, seit 2 Jahren Intendant und Geschäftsführer der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, die an ihrem Heimatstandort vorerst weiter ohne angemessene Spielstätte auskommen muss, glänzt nach dem negativen Bürgerentscheid durch einen frappierenden Mangel an Berührungsängsten. Ob vor Christdemokraten, Freien Wählern, ebensolchen Grünen, Sozialdemokraten oder ganz Linken: Der Standort Klein Venedig muss es nicht unbedingt sein, sagt Riem auf wechselnden Schaulätzen. Die Hauptsache wäre, dass sein weitum gefeiertes Sinfonieorchester, das regelmässig in der Tonhalle Zürich oder in Luzern und etwa auch in Japan mit Ovationen gefeiert wird, endlich auch in Konstanz einen angemessenen Auftrittsort bekäme.

Für die Sanierung des Areals Klein Venedig

Albert Faigle, einer der Aktivisten für einen „Bürgerpark Klein Venedig“ hat einen Plan entworfen, wie angesichts einer zunehmend prekären städtischen Finanzsituation eine grundlegende Sanierung des Areals Klein Venedig - „trotz allem“ - zu verwirklichen wäre. Faigle plädiert für eine städtische Anleihe zu einem festen, niedrigen Zinssatz. Auf diese Weise könne die Bürgerschaft ihr Engagement dokumentieren und den Beweis erbringen, dass sie bereit sei, sich für „ihre“ Stadt zu engagieren, woran er „nicht die geringsten Zweifel“ hege . Eine örtliche Bank könne das „problemlos“ organisieren, sagt Faigle, die Anleihe ausgeben und verwalten und deren Seriosität garantieren.

Wiedemanns erklärt es „absolut gratis“

Als etwas unseriös empfinden dagegen Wiedemann und die SPD das Betreben von CDU, FWG, FDP und Teilen der Grünen, mit Hilfe einer repräsentativen Umfrage erkunden zu lassen, woran es lag, dass sich beim Bürgerentscheid fast zwei Drittel der Abstimmenden gegen das Projekt aussprachen. 10.000 Euro sollen für diese Bürgererkundung bereit gestellt werden. Wiedemann sieht darin „pure Geldverschwendung“ und liefert die Erklärung zum Bürgervotum „absolut gratis“: Die Mehrzahl der Konstanzerinnen sei skeptisch geblieben gegenüber der Verkehrsproblematik; zweitens fürchte man, dass die Stadt durch das Projekt in finanzielle Schwierigkeiten gerate; drittens habe das Verfahren hinter verschlossenen Türen weitum Missfallen erregt. Besser als eine teure Umfrage wäre laut Wiedemann eine entschieden bessere Kommunikation zwischen Bürgerschaft, Stadt und Gemeinderat.

Der alte Traum von der Stadt am See

Mit einem ausserordentlichen Beitrag für die künftige Entwicklung der Stadt angesichts jüngster Entwicklungen warten zwei Gründungsmitglieder der Neuen Linie Konstanz (NLK) auf, die allerdings - im Gegensatz zu Wiedemann - vorerst nicht genannt werden wollen. Sie fänden es „sinnvoll und ausserordentlich Gewinn bringend“, wenn die nun nicht mehr notwendig anfallenden Finanzmittel dafür verwendet würden, die innerstädtische Bahnlinie abzusenken und im Einvernehmen mit der Bahn ein grosses Tunnelbauwerk zu schaffen: vom Kreuzlinger Gleisdreieck unterm Stadtgarten hindurch bis hin zur Einmündung der Trasse vor der alten Rheinbrücke. Die Züge würden dann unterm Bahnhofsgebäude halten, die Geleisanlagen würden verschwinden und die ganze Innenstadt liesse sich zum See hin barrierefrei öffnen. Kurzum, der alte Traum von der Stadt am See liesse sich nun verwirklichen.



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12 Kommentare

  1. 1. Nabholz

    Tja, im Träumen ist Konstanz groß, aber im Realisieren? Da gibt es einfach zu viele Bedenkenträger.

  2. 2. GJM

    Wie gut, dass wenigsten einer noch von der NLK das richtige Realitätsbewustsein behalten hat. Die Gründung der NLK liegt ja auch schon lange zurück, so dass die Verbliebenen nun auch schon älter geworden sind. Bitte bleibt weiterhin anonym. Gruß.

  3. 3. Bibe

    Dass eine Konzerthalle nicht auf Klein Venedig sein MUSS, ist keine Erkenntnis von Herrn Riem, man weiß das schon seit vielen Jahren. Und? Hat dieses Wissen irgendwie dazu geführt, dass das linke Lager, das so vehement gegen das aktuelle Projekt angegangen ist, VORHER in irgendeiner Weise konstruktiv etwas dazu beigetragen hätte, dass an ANDERER Stelle etwas geschieht? Wo sind die KONKRETEN Vorschläge? Im Gegenteil: Benediktiner-Platz: Verhindert! Marktstätte/ehemaliges Südkurier-Areal: Verhindert! Und nun Klein-Venedig: Verhindert! Man findet immer irgendwelche ein Haar in der Suppe: Standortfrage, Finanzierungsfrage, Nutzungsfrage … Für mich jedenfalls ist klar: Die rot-rot-teilgrüne Koalition ist an der Kultur der klassischen Musik nicht interessiert, lehnt entsprechende Projekte aus ideologischen Gründen ab. Sie sollte daher konsequenterweise nun auch daran gehen, die alten Muffbuden der bürgerlichen Kultur, das Orchester und am besten auch gleich noch das Theater, abzuschaffen.

  4. 4. maledetto

    So. Ich kann dieses dumme Gefasel von wegen “linkes Lager” und “rot-rot-gruenem Block” nicht mehr hoeren, und schon gar nicht am 1. Mai. In diesem Kaff hier hat es nie, nie, nie in den letzten 40 Jahren irgendeine Form von “linker Mehrheit” gegeben. Es gab immer eine mehr oder weniger ausgepraegte buergerliche Mehrheit. Und das Chaos, das in dieser Stadt angeblich herrscht, ist in erster Linie ein “buergerliches” Chaos.
    So ists auch mit der Philharmonie. Es ist noch gar nicht allzu lange her, da hat es keinen “linken” oder auch “gruenen” Block gebraucht, um das gesamte Projekt Philharmonie mit Krachen gegen die Wand zu fahren und in seiner Existenz massiv in Frage zu stellen. Damals gab es einen Geschaeftsfuehrer der Philharmonie, an dessen Namen man sich heute ausgerechnet bei seinen damaligen Parteifreunden gar nicht mehr so gern erinnert. Der hat naemlich mittels kreativer Methoden eine derartigen oekonomischen Scherbenhaufen angerichtet, dass es um die Philharmonie beinahe geschehen gewesen waere.
    Das war damals eigentlich auch abzusehen, aber viele der hehren Kulturmenschen, die juengst beim KKH eine derart dicke Lippe riskiert haben, waren damals damit so sehr beschaeftigt, dem Herrn zu liebedienern, dass sie gar nicht mitgekriegt haben, was fuer eine gigantische Luftnummer da ablief.
    Und natuerlich weiss da keiner mehr was davon. Wahrscheinlich warens auch in Wirklichkeit “die Linken”, oder was fuer ein Dreck da immer noch in manchen Koepfen wabert.
    Das passt aber ins Bild, ebenso wie der Sparkassen-Chef mit dem gefaelschten Doktortitel, mit dem sich damals alle “gesellschaftlich relevanten” Kreise gerne ablichten liessen…bis es halt rauskam.
    Und ebenso die Sache mit der Bodensee-Arena, bei der Stadtraete im “Aufsichtsrat” sassen, die nix davon mitgekriegt haben, das da was in grossem Stil aus dem Ruder lief.
    Und die ominoese Bruecke, letztes Jahr. Die mit der raetselhaften Kostensteigerung und den netten Geschichtchen dazu. Und die diversen netten Geschichtchen rund um die Spitalstiftung, die mit “Maultaschen” anfangen und mit gewissen “Sondervereinbarungen” und “Planungsirrtuemern” noch lange nicht zuende sind. Und die (ueberraschenden) Briefe vom Regierungspraesidium, nach denen alles anders ist.

    Nein, fuer “Dummheit und Versagen in der Provinz” hat man hierzulande noch nie irgendwelche “Linken” gebraucht. Das ging mit den bestehenden Mehrheiten immer bestens…und die Beteiligten wurden auch immer brav wiedergewaehlt, und nichts hatte oder hat fuer irgendjemand jemals Konsequenzen. Ausser natuerlich fuer die, die das ganze immer zahlen. Aber die waehlen ja auch, oder doch nicht?

    Nein, Bibe, es gibt genau zwei Moeglichkeiten: Entweder bist du nicht von hier und kennst diese Geschichten und ihre Kontinuitaet wirklich nicht - oder du kennst sie und verdrehst sie bewusst so lange, bis sie in dein altbewaehrtes “Kalte-Krieg-Schema” passen. Schreib die Loesung einfach auf einen Zettel und gib ihn mir. Ich schmeiss den Zettel dann weg.

  5. 5. Bibe

    Wer, Maledetto, hat hier ein Schema “Kalter Krieg” im Kopf? Was haben Maultaschen, Sparkassen-Vorsitzende und irgendwelche Brücken mit der Konzerthalle zu tun? Selbst der Fall Walschburger hat damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Du selbst hast das Problem, das Du mir anhängen willst. Das Orchester gibt es nun seit über 70 Jahren. Das ist Fakt. Und es muss in einem SCHEISS-Saal spielen. Das ist auch Fakt. Ich habe in meinem Beitrag gefragt, was der rot-rot-grüne Teil der formierten öffentlichen Meinung eigentlich KONSTRUKTIV beigetragen hat in den letzten Jahrzehnten, damit das Orchester einen adäquaten Raum bekommt. Das, und nur das interessiert mich. Bis jetzt habe ich aus der Richtung immer nur Argumente GEGEN ein jeweils konkretes Vorhaben gehört. Oder einfach nur Blablabla. Dein Beitrag ist ein weiterer Beleg für mich, dass es bei der Konzerthallen-Entscheidung um vieles ging, aber nicht um eine kulturpolitische Entscheidung. Es ging darum, dem sog. “bürgerlichen Lager” für alle seine Verfehlungen, die Du ja so schön aufgezählt hast, eine saftige Niederlage zu verpassen. Das habt Ihr ja jetzt erreicht. Der Leidtragende dabei ist das Orchester.

  6. 6. maledetto

    Wenn es in dieser Stadt einen Konsens gegen den Bestand der Philharmonie gaebe, waere - auch aufgrund der brillanten Vorarbeit aus Kulturkreisen - das Projekt laengst weg vom Fenster. Wenn es damals nach dieser unsaeglichen Walschburger-Geschichte nicht querbeet eine bewusste Entscheidung PRO Philharmonie gegeben haette, braeuchte hier keiner mehr zu debattieren. Auch im spaeteren Verlauf gabs permanent Gefaehrdungen - so musste der Kollege Conzelmann auf Anfragen nach Kuerzungen des oefteren betonen, dass man dann eben keine Philharmonie, sondern ein Kammerorchester habe…
    Worauf ich hinaus will, ist, dass die Philharmonie permanent in ihrem Bestand gefaehrdet war und ist…dass es aber immer eine Mehrheit fuer den Fortbestand der Philharmonie gegeben hat und gibt und dass die Freunde der Philharmonie gut daran taeten, da keinen Kulturkampf um dieses Thema auszurufen. Und schon gar nicht wegen dieses laecherlichen KKH-Projekts, das zudem von einer ueberwaeltigenden Mehrheit abgelehnt wurde…was kein Votum gegen die Philharmonie war. Und laecherlich war dieses Projekt vor allem deshalb, weil bei einer derartigen Inkompetenz, die bei den Trauerspielen bei Spitalstiftung, Brueckenbau und all dem anderen Kram zu Tage getreten ist, wohl die wenigsten erwarten konnten, dass ausgerechnet dieses Projekt in seiner besonderen Groesse und Komplexitaet irgendwie gemeistert wuerde…
    Und es braucht keinen Buergerentscheid, um dem “buergerlichen Lager” eine Ohrfeige fuer die aktenkundigen Unfaehigkeiten oder “Verfehlungen” zu verabreichen; das waere doch etwas zu viel Aufwand. Und warum muss jetzt ausgerechnet dieses vorgebliche und ominoese “rot-rot-gruene” Lager “konstruktive Vorschlaege” in dieser Sache vorlegen, bloss weil der vorliegende Entwurf abgelehnt wurde? Ich haette von diesem “rot-rot-gruenen” Lager eher erwartet, dass es sich dafuer einsetzt, soziale Belange auf die Agenda zu setzen. Wieso sind die jetzt ploetzlich auch zustaendig fur die Belange einer offensichtlich gelangweilten oder von den oertlichen Raumangeboten angewiderten Kulturschickeria?
    Aber natuerlich, Bibe: Nichts hat mit irgendwas zu tun, nichts hat eine Vorgeschichte, nichts hat irgendwelche Konsequenzen. Hauptsache irgendwelche “Linken” sind dran schuld, egal ob die das jetzt wirklich gibt oder nicht. So kann man schoen leben, wenn immer jemand anders schuld ist, nicht wahr? Vor allem, wenn immer jemand anders die Zeche zahlt.

  7. 7. Bibe

    Doch, genau das erwarte und verlange ich von einer (Kultur)-Politik, die verantwortlich handelt, auch von SPD und Linkspartei. Es macht keinen Sinn, ein Orchester zu halten, ihm aber keinen adäquaten Raum zu geben. Das Konzil ist ein solcher Raum defintiv nicht. Orchesterseits hat man nie auf einen bestimmten Standort gesetzt, sondern überhaupt auf das Projekt. Es ist dem Orchester egal - da sagt Florian Riem absolut nichts Neues -, ob der Saal auf dem Benediktiner-Platz, auf dem Büdingen-Gelände, an der Marktstätte, auf Klein-Venedig oder sonst wo steht. Hauptsache dass! Es hat vom Orchester auch niemand verlangt, dass man es mit einem Kongresszentrum kombiniert. Das Ganze war ein Idee, ein Konzept, mit einigem Für und einigem Wider. Natürlich gibt es Argumente dagegen. Aber man sollte, wenn einem an dieser Art von Kultur etwas liegt, ernsthafte Alternativen anbieten. Das ist nicht geschehen. Und deswegen fehlt mir der Glaube, dass es bei der Abstimmung wirklich und allein um die Sache ging. Ich wiederhole das: Gerade Dein Beitrag, Maledetto, ist für mich ein Beleg, dass hier ein Nebenkriegsschauplatz gewählt wurde, um den Bürgerlichen und dem linkerseits unbeliebten OB Frank eins reinzuwürgen. Ich lasse mich erst dann von dieser Meinung abbringen, wenn - sagen wir mal - die Stadträte Leipold und Reile vorneweg sowie der formidable Dr. Schäfer zusammen mit dem alerten Herrn Wiedemann einen konkreten und machbaren Vorschlag für eine Konzerthalle vorlegen. Und zwar jetzt sofort!

  8. 8. conni

    @maledetto
    “Wieso sind die jetzt ploetzlich auch zustaendig fur die Belange einer offensichtlich gelangweilten oder von den oertlichen Raumangeboten angewiderten Kulturschickeria?”
    Damit hast Du Dich verraten, maledetto, als Gegner der Philharmonie. Nein, wer die Spielstätte für ungeeignet hält, ist nicht automatisch Teil einer Kulturschickeria. Und wer mehr als nur die “Wildecker Herzbuben” hört, ist nicht automatisch gelangweilt. Das Problem ist, dass die pseudolinken SPDler Angst vor intellektuellerer Kultur haben, da diese nicht ihre Klientel bedient. Eine Klientel, die bewusst ungebildet gehalten wird um sie gefügig zu haben. Und diese Klientel durchschaut wirklich nicht das verlogene, perfide Spiel der SPD.

  9. 9. maledetto

    Ups! So leicht kann man sich verraten, heutzutage. Wenn ich Gegner der Philharmonie waere, wuerde ich es sagen. So laut und so deutlich, dass es jeder versteht, auch du. Nein, wir spielen hier nicht Raeuber und Gendarm oder so was. Nicht jeder Kulturliebhaber muss auftreten wie ein arroganter Parvenu, das gehoert nicht zwingend dazu. “wer die Spielstätte für ungeeignet hält, ist nicht automatisch Teil einer Kulturschickeria”. Das ist richtig. Aber nicht jeder, der gegen dieses KKH war, ist auch gegen die Philharmonie. Wenn dieses Spielchen hier aber so weitergeht mit diesen “Kunstbanausen”-Spruechen, findet sich dann irgendwann eine Mehrheit dafuer, die Philharmonie still von ihrem Leiden an der unwuerdigen Raumsituation zu erloesen. Und es koennte auch Konsens werden, die Prioritaet darauf zu setzen, dass es an den Schulen nicht reinregnet, oder genuegend aktuelle Schulbuecher zur Verfuegung stehen, oder genug Schulsozialarbeiter, oder genug Kindergartenplaetze vorhanden sind, oder dass in einem der benachteiligten Wohngebiete feste Ansprechpartner fuer sozial Schwache regelmaessig anzutreffen sind oder was noch alles, von dem die “upper crust” dieser Stadt voellig unbeleckt zu sein scheint.
    Ich denke, es geht vielen nicht um die Philharmonie, sondern darum, dass ihr Ego als “Kulturbildungsbuerger” angeknackst ist, weil der Poebel sich ausnahmsweise dazu entschieden hat, mehrheitlich gegen ein Projekt zu stimmen. Das fuehrt dazu, dass bei einigen die “Freund-Feind-Kennung” defekt gegangen ist. Und dieser dadurch verursachte kulturbuergerliche geistige Amoklauf letztendlich der Philharmonie Schaden zufuegt. Was eigentlich niemand moechte, nehme ich mal an. EoT, von meiner Seite.

  10. 10. conni

    interessant, interessant…
    Du bist wirklich leicht zu knacken!

  11. 11. Bibe

    Okay, das ist jetzt wirklich angekommen, danke für die klärenden Worte! Die Konzerthalle wird ausgespielt gegen Schulen, in die’s reinregnet, Schulsozialarbeiter, Kindergartenplätze, feste Ansprechpartner für sozial Schwache etc. pp., also “Ihr da oben” gegen “wir da unten”. Sag ich doch die ganze Zeit: Um das Orchester und seine Belange ging’s hinten und vorne nicht bei der Abstimmung. Das Tollste ist die unverhüllte Drohung (”Wenn dieses Spielchen hier aber so weitergeht …”, dann könnt Ihr aber mal sehen, zu was wir noch fähig sind …), das Orchester “von seinen Leiden (..,) zu erlösen”. Besser hättest Du Dein Ressentiment gar nicht ausdrücken können, das ist genau die Denkungsart, die ich vermutet habe.

  12. 12. maledetto

    Schön, dann sind ja alle Vorurteile bestätigt, ihr könnt schön schlafen und alle sind zufrieden. (Egal, was man schreibt, da kommt ja eh nix an. Ausser dem, was sie eh schon wissen. Wozu reden.)

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