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30. April 2010 | Schlampige Recherche der Stuttgarter Regionalredaktion

„Bild“ versagt kläglich in Sachen Lenk

Konstanz (gro) Ein nackter Papst Benedikt XVI. „schockt Gläubige“ in der Konstanzer Bahnhofshalle. Mit dieser Falschinformation, garniert von einer einschlägigen Fotografie, wartet die Stuttgarter Regionalausgabe von Deutschlands grösster Boulevardzeitung auf. Gleich vier Autoren zeichnen für den Artikel verantwortlich, der über www.Bild.de übers Internet weltweit verbreitet wird. Es geht um die Skulptur, die diese Woche in den neuen Räumen der Tourist Information im Bahnhofsgebäude aufgestellt wurde. Dabei handelt es sich um eine originalgetreue Nachbildung der Papstfigur, die Peter Lenks tonnenschwere Imperia am Ende der Konstanzer Hafenmole auf ihrer linken Hand balanciert.

Nicht einmal das Bild richtig angeschaut

Es ist leider zu befürchten, dass die vier Stuttgarter „Bild“- Autoren nicht einmal das von „Südkurier“-Fotograf Hanser gelieferte Bild richtig angesehen haben. Sie hätten sonst erkennen müssen, dass die frisch aufgestellte Figur auch nicht im Entferntesten dem ehemaligen Kardinal Joseph Ratzinger, unserem Papst in Rom, ähnelt. Tatsächlich handelt es sich bei der Figur um „die Nachbildung eines Gauklers, der sich päpstliche Insignien widerrechtlich angeeignet hat“. Dies wurde schon vor 17 Jahren protokollarisch festgehalten, als sich Lenk (mit vollem Erfolg) gegen den Vorwurf der Blasphemie zu wehren wusste.

Stimmungsmache statt Wahrhetsfindung

Die vier „Bild“-Autoren hätten dies leicht erfahren können, etwa dadurch, dass sie sich an Bildhauer Peter Lenk gewandt hätten. Auch Stadtsprecher Walter Rügert hätte die „Bild“-Redakteure unschwer mit wahrheitsgetreuen Informationen bedienen können. Doch „Bild“ ging es offensichtlich weniger um Wahrheitsfindung als vielmehr um Stimmungsmache. Sie nahmen sich jedenfalls die Zeit, bei Dekan Mathias Trennert-Helwig die Empörung abzuholen, die angesichts der Kunde von der der Präsentation eines „splitterfasernackten Papstes“ durchaus verständlich erscheinen mag.

Auf der Jagd nach empörten Äusserungen von Politikern

Empörte Äusserungen entlockten die „Bild“-Redakteure auch dem christdemokratischen Stuttgarter Innenminister Heribert Rech („Kunst darf sich nicht die Freiheit nehmen, widerwärtig zu werden.“) und Landes-CDU-Generalsekretär Thomas Strobl („Das Treiben des Herrn Lenk macht nicht mal vor der Verletzung religiöser Empfindungen halt.“). Laut „Bild“ gibt es nun in Stuttgart einen „Riesen-Zoff um die Skulptur“.

Peter Lenk hat die CDU wiederholt heftig geärgert

Dass sich „Bild“-Redakteure Lenk gegenüber unfair verhalten, ist zwar vom journalistischen Standpunkt her beklagenswert; es ist allerdings kein Wunder. Schliesslich ärgerte der Bildhauer das Leib- und Magenblatt der Union im vergangenen November durch die „Installation“ von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann an der Wand des Berliner Rudi-Dutschke-Hauses, an einer Wand, hinter der die linke taz gemacht wird und auf die man schaut, wenn man bei der „Bild“-Chefredaktion aus dem Fenster blickt.

Generalsekretär im Bananenröckchen

Die Diekmann-Skulptur wurde auf der Fassade des Dutschke-Hauses mit einem überdimensionalen Penis ausgestattet, womit Lenk auf die Penetranzgewalt des „Bild“-Geschäftes anspielte, einer Geschäftstätigkeit, der das Landgericht Berlin unlängst bescheinigte, dass sie „bewusst“ ihren „wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer“ ziehe. Für christdemokratischen Ärger sorgte Lenk zuletzt dadurch, dass er den CDU-Generalsekretär Volker Kauder als nackten Tänzer im Bananenröckchen darstellte. Bild: FS { TMW



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4 Kommentare

  1. 1. Wolfgang Becker aus KN | http://www.wo-becker-kn.de

    In einigen Jahren heißt es wieder:

    ‘Wer möchte Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterinn der heute scheinbar gottlosen Stadt Konstanz werden?”

    Und die Suche nach Kandidaten oder der Kandidatin beginnt von Neuem.

    Nun ich müsste da nicht lange suchen, gibt es doch eine bekannte Person, die sicherlich nicht mehr das Ziel verfolgen muss, ein Denkmal sich schaffen zu lassen.

    Auch hat sie den direkten Draht und die Kunst,
    beleidigend auf mehr oder weniger gläubige Menschen zu wirken ( wieso versucht sie es nicht mal mit einer Mohammed - Figur? Hat er Angst? ).

    Die Person ist bekannt und
    schon jetzt sind seine Schaffens - Ergebnisse in Konstanz nicht zu übersehen, aber immer wieder umstritten, was wohl jeweils auch ein Maß für den Grad der Beleidigung gewisser Bevölkerungsgruppen sein könnte.

    Nun bin ich mal gespannt, wie die Sache weiter geht.

    Wird es noch weiter beleidigende Vorleistung geben?
    Und dann auch wieder aus dem Stadtsäckel bezahlte ?

  2. 2. Kultur

    Das wird ja jetzt auch der Vatikan mitbekommen haben. Vielleicht sieht Benedikt seine Chance als St. Martin gekommen und bringt zur 600-Jahrfeier aus seiner Gardarobe eine schöne Robe für sein „nacktes Ebenbild“ mit.

    Mit der Nachricht von nackten Papst im Bahnhof dürfte Konstanz nun allerdings auch die letzte Möglichkeit verspielt haben, den Papst im spöttischen Konstanz leibhaftig und angezogen 2014 zur großen Feier begrüssen zu können.

  3. 3. Wolfgang Becker aus KN | http://www.wo-becker-kn.de

    Hallo Frau oder Herr Kultur,

    ich glaube so sind die Konstanzer.

    Sie verspielen Positives und wuseln lieber im Bekannten rum.

    Auch mögen sie nichts Neues und halten jedes Alte für erhaltenswürdig.

    Die Römisch Katholische Kirche ist wesentlich älter
    und hat schon so manches über standen,
    dann wird Konstanz halt übergangen.

    Wer will eigentlich wirklich ab 2014 zwei ( oder sollen es drei Jahre werden ) Jahre lang feiern?
    Die Bürger und Bürgerinnen?

  4. 4. oschgeige

    Benedetto muss erst mal 2014 Jahre alt werden……………………..

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