Streit um Papst-Figur: Stuttgart probiert’s mit Erpressung
Konstanz (gro) Oberbürgermeister Horst Frank hat am Montagabend gegenüber Bildhauer Peter Lenk eingeräumt, dass es die Stuttgarter Landsregierung ist, die mit Macht darauf dränge, die vor drei Wochen in der renovierten Halle des Konstanzer Bahnhofs aufgestellte Papst-Figur wieder zu entfernen. Hinter dem schwäbischen Begehren stehe die Spitze der baden-württembergischen CDU, berichtete Lenk nach einem „guten Gespräch“ mit Oberbürgermeister Horst Frank. Offenbar verlange Ministerpräsident Stefan Mappus höchstpersönlich die Entfernung der fast 700 Kilo schweren Skulptur, sagte der Künstler. Andernfalls könne Konstanz nicht mit weiteren Landeszuschüssen für das bevorstehende Jubiläum „600 Jahre Konstanzer Konzil“ rechnen. Die neue Bahnhofshalle wird am Freitag ihrer Bestimmung übergeben.
Überbringer der Botschaft war Andreas Hoffmann
Überbringer der erpresserischen Botschaft aus Stuttgart war, wie man hört, der Konstanzer CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Hoffmann. Horst Frank, so berichtet Lenk weiter, fühle sich nun im Interesse der Stadt verpflichtet, den Forderungen aus der Landeshauptstadt nachzukommen. Auch er selber, sagt Lenk, werde alles Nötige tun, um die Stadt vor finanziellem Schaden zu bewahren. Trotzem müsse er an seiner Forderung festhalten, dass seiner Skulptur, die dieses Jahr schon auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB), der weltgrössten Fachmesse ihrer Art, für die Londoner Museumslandschaft warb, im Falle eines Abtransports eine sachgemäse Behandlung anzugedeihen sei. Lenk und sein Anwalt, der in solchen Fragen europaweit renommierte Freiburger Jurist Götz von Olenhusen, haben die Bedingungen für einen allfälligen Abtransport der Skulptur formuliert und der Stadtverwaltung übermittelt.
Seit 17 Jahren auf der linken Hand der Hafenschönen Imperia
In der neuen Bahnhofshalle aufgestellt wurde die Figur in der letzten Aprilwoche. Es handelt sich um einen originalgetreuen Abguss des so genannten „Päpstleins“, das die Konstanzer Hafenschöne Imperia seit 17 Jahren auf ihrer linken Hand balanciert. Klargestellt und protokollarisch festgehalten ist von Bildhauer Peter Lenk seit ebenfalls 17 Jahren, dass es sich bei den Figuren in den Händen von Imperia - auf der rechten Handfläche ist es ein nachempfundener Kaiser Sigismund - um Gaukler handelt, die sich Insignien der weltlichen und geistlichen Macht widerrechtlich angeeignet haben. Die Papstfigur erinnert an Martin V., das 1417 während des Konstanzer Konzils gewählte, neue Oberhaupt der katholischen Kirche, an den einzigen jemals auf deutschem Boden gewählten Papst. Die Idee, die künftige Mobilitätszentrale im renovierten Konstanzer Hauptbahnhof mit dem „Päpstlein“ zu schmücken, hatte Norbert Henneberger, der Geschäftsführer der Konstanzer Tourist Info GmbH. Horst Frank war mit Hennebergers Vorschlag einverstanden. Hauptgesellschafterin der Tourist Info ist die Stadt Konstanz, Vorstandvorsitzender der Gesellschaft Horst Frank.
Fehlleistungen von „Bild“ und CDU-Spitzenpolitikern
Die Kunde von einem „nackten Papst“ in der neuen Konstanzer Bahnhofshalle führte zu etlichen Fehlleistungen. „Bild“ Stuttgart verbreitete die Falschinformation, dort werde Benedikt XVI. „splitterfasernackt“ zur Schau gestellt; Reisende seien „geschockt“. Mit diesen Fehlinformationen fütterten Bild-Redakteure hohe Stuttgarter CDU-Politiker an, unter anderem Landesinnenminister Heribert Rech und Thomas Strobl, den Generalsekretär der Südwest-CDU. Die Unions-Politiker fragten nicht weiter nach, sondern verdammten stehenden Fusses die vermeintlichen Konstanzer Papst-Beleidiger mit markigen Worten, verbreitet durch „Bild“. Der Konstanzer Münsterdekan Mathias Trennert-Hellwig liess sich von „Bild“-Redakteuren ähnlich manipulieren wie Minister und Staatssekretär.
Der fehlgeleitete Ärger trifft die Falschen
Während sich Bildhauer Lenk mit durchschlagendem Erfolg gegen die unzutreffende Berichterstattung in der Bildzeitung wehrte und umgehend Gegendarstellung, Berichtigung und Entschuldigungen durchsetzte, richtete sich der Ärger aus hohen CDU-Kreisen in freiwilliger Fehlleitung gegen die Badener am Bodensee und das steinerne Päpstlein, dem ein rigoroser Platzverweis verpasst wurde. Lenk vermutet das Naheliegende: „Mit ihrem Leib- und Magenblatt wollen es sich die Stuttgarter CDU-Grössen auf keinen Fall verderben!“ Da reagiere man den Ärger lieber ab an den Konstanzern, zumal die katholische Kirchenobrigkeit unverdrossen mitziehe.






Leben wir im Jahr 2010 oder noch in einer Zeit, wo Gelder nach Gutsherrenart verteilt wurden? Wer begreift das, dass über Sympathie oder Antisympathie Steuergelder verteilt werden können (lt. Darstellung)? Kann das wirklich wahr sein, dass meine Steuerngeldern zur Erpressung missbraucht werden? Bananenrepublik? Oder ist diese Darstellung hier eine Zeitungsente? Merke, wir sind im Jahr 2010!