Das Job-Center: Bei Anruf meistens besetzt
Konstanz (gro) „Fast immer ist dort besetzt“. Das sagen so ziemlich alle, die schon einmal versucht haben, beim Job-Center Konzilstrasse 9 auf telefonischem Weg eine Auskunft zu bekommen. Die Sprechzeiten sind beschränkt, die personelle Ausstattung zumindest zeitweise skandalös mager: Eigentlich sollten sich fünf Beraterinnen und Berater die Arbeit (inklusive Telefondienst) im Job-Center Konstanz teilen. Kürzlich waren es gerade einmal zwei. Drei fehlten wegen Krankheit, beziehungsweise Urlaub. Ersatz gab es nicht. Höchste Zeit, so sehen es zumindest Arbeitssuchende, dass die SPD das Thema Job-Center auf ihre Tagesordung setzt.
Ansprechpartner ist Job-Center-Chef Ignaz Wetzel
Die SPD nennt sich selber immer noch „die Arbeiterpartei“. Dazu gibt es demnächst eine passende, öffentliche Kreisdelegiertenkonferenz. Genauer: eine Veranstaltung zum Thema „Job-Center“. Die – wie gesagt: öffentliche – Konferenz ist kommenden Mittwoch, 9. Juni, um 20 Uhr in der Wollmatinger „Linde“. Kompetenter Gast und Ansprechpartner ist Ignaz Wetzel, der Chef des Job-Centers im Landkreis Konstanz. Anlass ist die bevorstehende Umorganisation der Job-Center. Denn das höchste deutsche Gericht hat beanstandet, dass in Sachen Job-Center bundespolitische und kommunale Behördenleistungen unzulässig vermischt werden.
Diskussion um juristische Feinheiten erzürnt die Arbeitssuchenden
Die knapp 10.000 Arbeit suchenden Menschen im Landkreis Konstanz empfinden die jüngsten Bemühungen der Politiker allerdings befremdlich, um nicht zu sagen: grotesk. Wer von Hartz IV leben muss und sich etwa mit der komplizierten Anrechnung von Entgelten aus mühsam erlangten Hilfsjobs samt dem teilweise wirren Formularkram herumschlagen muss, dürfte angesichts der aktuellen Diskussion über juristische Feinheiten, über „Optionskommunen“. „schlüssigen Konzepten“ und „Qualitätskriterien“ Unverständnis und auch Zorn empfinden.
„Wird das alte Arbeitsamt jetzt verkauft?“
Die Job-Center leiden weniger unter ihrer unzureichenden juristischen Absicherung, sondern viel mehr an ihrer unzureichenden personellen Ausstattung. Darüber hinaus ist vielen arbeitenden Bürgern nicht ersichtlich, was nun mit dem immer noch so genannten Arbeitsamt geschehen soll. Wenn sich das mit weniger als einer Handvoll Mitarbeitern besetzte Job-Center in der Konzilstrasse 9 um Arbeitslose kümmert, was machen dann die vielen vielen Mitarbeiter im - wie gesagt immer noch so genannten - Arbeitsamt in Stromeyersdorf? Schon macht in Konstanz das Gerücht die Runde, der Gebäudekomplex an der Reichenaustrasse werde „wohl demnächst verkauft“.
Der Name „Job-Center“ ist irreführend und schönfärberisch
Die Agentur für Arbeit, so heisst das Arbeitsamt inzwischen, unterhält im Landkreis Konstanz vier Job-Center (in Konstanz, Radolfzell, Singen und Stockach). Gemeinsame Träger, Organisatoren und Finanziers der Job-Center sind die Agentur für Arbeit und das Landratsamt. Der Name „Job-Center“ ist insofern irreführend und schönfärberisch als sich diese Einrichtung, gemäss dem Motto „Fördern und Fordern“ vor allem um Langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Arbeitssuchende zu kümmern hat, also mit einer besonders ansprucksvollen Arbeit betraut ist. Die Job-Center sind ausserdem Ansprechpartner für Arbeitgeber, die nach Arbeitskräften suchen.
Die Sozialdemokraten wollen Fragen stellen
Die SPD im Kreis Konstanz, so heisst es in einer Mitteilung der Arbeiterpartei, wolle in ihrer nächsten Kreisdelegiertenkonferenz mit Ignaz Wetzel nicht nur über die künftige Organisation reden. Wichtiger seien den Sozialdemokraten die Fragen: „Welche Aufgaben muss das Job-Center erfüllen? Verwaltet die Behörde nur Langzeitarbeitslosigkeit oder leistet sie wirksame Beiträge zur Eingliederung?“ Hinzu fügen möchte man die Frage: Wann werden die Job-Center personell endlich in die Lage versetzt, eine echte Beratung überhaupt leisten zu können? Bild: FS | TMW







Amtssprache ist nach wie vor immer noch Deutsch und nicht „Englisch“ und ein Amt tituliert seine Antragsteller auch nicht als „Kunden“. Meiner Ansicht nach ist das Ausmaß der Irreführung weitaus größer, als der im Dornröschenschlaf befindliche deutsche Michel auch nur zu träumen wagt.