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9. Juni 2010 | Mittelteil vermutlich vor dem Jahre 1000 geschaffen

Vier goldene Scheiben funkeln am Morgen über den See

Konstanz (gro) An einem klaren Sommermorgen wie dem heutigen funkeln und leuchten sie wie seit über 700 Jahren über den See und grüssen die Fischer, die dort draussen zu dieser Zeit, da die Tage so früh beginnen wie sonst nie im Jahreslauf, ungestört von Linienschiffen und Seglern ihrem frühen Tagwerk nachgehen. Es sind die vier feuervergoldeten Scheiben am Ostgiebel der ehemaligen Bischofskirche, die Orientierung geben. Die mitttlere Scheibe ist die mit Abstand grösste. Neuere Forschungen legen nahe, dass sie über 100 Jahre vor Fertigstellung der Kirche von einem unbekannten Künstler auf der Reichenau angefertigt wurde. Die Bischofskirche wurde nach einem Einsturz ab 1052 wieder aufgebaut und 1089 geweiht. Die 4 Scheiben wurden nach jüngsten Forschungsergebnissen erst 200 Jahre später anmontiert.

Die Ursprünge liegen auf die Insel Reichenau

Die Mittelscheibe hat einen Durchmesser von fast zwei Metern. Ihre detailreiche Ausgestaltung legt nahe, dass sie ursprünglich für das innere der Kirche angefertigt wurde. Das Motiv zeigt Christus als Weltenherrscher, flankiert von zwei Engeln. Der Stil des unbekannten Künstlers verweist auf die Schule des Klosters Reichenau, wo die Scheibe wohl um 960 entstanden ist. Die drei kleineren Scheiben stammen aus dem 13. Jahrhundert. Sie zeigen die beiden Kirchenpatrone des ehemals grössten Bistums nördlich der Alpen: links Bischof Konrad, rechts den Märtyrer Pelagius. Oben gemahnt ein Adler als Halbrelief an den Apostel Johannes.

Aus nächster Nähe in der Krypta zu studieren

Bei den leuchtenden Scheiben am Ostgiebel des Münsters handelt es sich um Kopien. Die originalen Scheiben sind in der Krypta der Kirche zu bewundern. Als sie durch die Jahrhunderte lange Bearbeitung durch Wind und Wetter am Ostgiebel der Kirche zu zerfallen drohten, wurden sie abgenommen und eingelagert. Das war im Jahre 1923. Fast 48 Jahre blieb der Ostgiebel nackt. 1973 wurden dort mit grossem Aufwand hergestellte Kopien angebracht. Die restaurierten Originale wurden in der Unterkirche des Münsters installiert, wo sie aus der Nähe studiert werden können. Bilder: Frieder Schindele | TMW




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