„Ich werde wohl noch meine Meinung sagen dürfen!“
Konstanz (gro) Brigitte Leipold hält nichts von der Schweigepflicht, wenn es heute im Aufsichtsrat der Touristinformationdarum darum geht, über Verbleib oder Entfernung des nackten Päpstleins in der neuen, bunten Mobilitätszentrale des Konstanzer Hauptbahnhofs zu befinden. Die SPD-Stadträtin ist Mitglied in diesem Gremium und sie „weiss natürlich um die grundsätzliche Pflicht zur Verschwiegenheit“. Es müsse jedoch Ausnahmen geben. Wenn das öffentliche Interesse so gross sei wie in diesem Falle, habe eine umfassende Information der Bürgerschaft Vorrang. Sie werde deshalb Oberbürgermeister Horst Frank bitten, sie von der Schweigepflicht vorübergehend zu entbinden. „Ich werde zu der Angelegenheit, die so viele Leute interessiert, doch wohl noch offen meine Meinung sagen dürfen“, gibt Brigitte Leipold zu bedenken.
Juristische Bedenken kontra öffentliches Interesse
Horst Frank ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Tourist-Information GmbH. Er vertritt die Stadt Konstanz, die an der GmbH die Hälfte der Gesellschaftsanteile hält. Ob für eine Sitzung des Aufsichtsrats Öffentlichkeit hergestellt werden kann, dürfte allerdings nicht nur am Vorsitzenden des Gremiums liegen. Frank sollte sich bei den Mitgliedern des Aufsichtsrats um Zustimmung bemühen, wenn es darum geht, eher kleinliche juristische Bedenken im Interesse der Bürgerschaft einmal hintanzustellen.
Selbst Heinrich Fuchs kann „den nackten Papst gut aushalten“
Bei den politischen Vertretern im Aufsichtsrat dürfte es Horst Frank nicht schwer haben. Selbst Heinrich Fuchs, der namens der CDU-Fraktion Anfang Mai die Sondersitzung des Aufsichtsrats beantragt hatte, deren einziges Thema die Entfernung der kurz zuvor aufgestellten Lenk-Skulptur war, hat „persönlich überhaupt nichts“ gegen das nackte Päpstlein, das er „wirklich gut aushalten“ könne. Charlotte Dreßen von der Freien Grünen Liste steht dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit, wie man weiss, sehr positiv gegenüber, Anselm Venedey (FWG) kann zwar dem künstlerischen Schaffen Lenks nicht das Geringste abgewinnen, hat aber ebenfalls nichts gegen die Bedienung des öffentlichen Interesses. Tatjana Wolf von der FDP hält schon als Liberale gar nichts von den bekannt gewordenen Pressionen gegen die Aufstellung der Figur, und Brigitte Leipold, die für die SPD-Fraktion im Aufsichtsrat der Touristinformation sitzt, findet es „dumm und schnöde“, wie da mit einem Künstler und seiner Arbeit umgesprungen wird.
Niedzwietzki: „Wir haben nichts gegen die Lenk-Figur“
Für den Wirtekreis sagte dessen Präsident Rüdiger Niedzwietzki, man habe „selbstverständlich nichts“ gegen die Papstfigur. Er könne das wohl im Namen aller Kollegen und Kolleginnen sagen, betonte der Fährewirt. Im sei jedenfalls kein einziges Mitglied des Wirtekreises bekannt, das gegen die Skulptur und deren Aufstellung in der Bahnhofshalle Einwände habe. Den Wirtekreis vertritt im Aufsichtsrat Daniel Bansemer. Auch Dehoga-Chef Dieter Wäschle vom Petershof dürfte zu den Lenk-Befürwortern zählen. Dies gilt auch für Jürgen Rönsch und Benjamin Güller vom Inselhotel, die im Aufsichtsrat der Touristinformation zusammen mit Wäschle den Konstanzer Fremdenverkehrsverein (Contour) vertreten. Und Peter Greis vom Treffpunkt e.V. hat sowieso längst die Werbewirksamkeit der 700 Kilo schweren Skulptur erkannt.
Empörte CDU-Granden nach der Falschmeldung von Bild
Die niedliche Nacktfigur, eine originalgetreue Kopie des Päpstleins, das die Hafenschöne Imperia seit 17 Jahren auf ihrer linken Hand balanciert, wurde von Bildhauer Peter Lenk auf Bitten von Norbert Henneberger, dem Chef der Konstanzer Touristinformation, zur Verfügung gestellt und Ende April aufgebaut. Die Bildzeitung verbreitete daraufhin fast seitengross die Falschmeldung, in der Konstanzer Bahnhofshalle schocke neuerdings ein splitterfasernackter Papst Benedikt XVI. die Gläubigen. Worauf sich hohe Stuttgarter Würdenträger der CDU empört äusserten, aber nicht etwa gegenüber der Bildzeitung, sondern gegenüber dem Künstler und den Konstanzern, die eine „solche Geschmacklosigkeit“ zuliessen. Und plötzlich fürchtete die Spitze der Stadtverwaltung um mögliche Höhepunkte des bevorstehenden Jubiläums 600 Jahre Konstanzer Konzil. Vor allem der erhoffte Besuch des echten Benedikts aus Rom schien in die Binsen zu gehen.
Den Zugriff auf die Skulptur verhindert
Prompt folgte die Verfügung, die Papstfigur sofort wieder zu entfernen. Doch Lenk, bei dem sich die Bildzeitung inzwischen in aller Form entschuldigt hatte, sperrte sich dem Ansinnen. Eine umgehende Entfernung kam für ihn schon deswegen nicht in Frage, weil die Bildzeitung das als späte Durchsetzung ihrer zweifelhaften Interessen ansehen könnte und weil zu erwarten sei, dass sie dies auch entsprechend ausschlachten würde. Lenk schaltete seinen Anwalt ein und verbot jeden Zugriff auf seine Skulptur.
Peter Lenk: „So hätte die Provinzposse noch etwas Positives“
Der Künstler schlug gleichzeitig im Interesse des gegenseitigen Einvernehmens so etwas wie einen geordneten Rückzug vor. Die Figur solle vorerst stehen bleiben, um die Reaktion von Passanten und Bürgerschaft kennenzulernen. Danach solle der Aufsichtsrat Ende Juni eine erste Entscheidung treffen. Zu der heutigen Sitzung hat Peter Lenk auch gleich noch Empfehlungen gegeben, die den Mitgliedern des Aufsichtsrats übermittelt wurden. So könne man doch „ruhigen Gewissens“ dem Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Konstanz (ACK) folgen und die Figur „zunächst stehen lassen und näher erklären“. Ende September könne dann endgültig entschieden werden. Peter Lenk: „Wenn dann vom Vorstand mehrheitlich gewünscht wird, die Figur abzubauen, könnten andere Künstler in wechselnden Ausstellungen ihre Arbeiten dort präsentieren. Die Provinzposse, angezettelt durch Bild und profilsüchtige Landespolitiker, hätte dann für die Kunst in Konstanz noch etwas Positives.“







Mein vor 10 Jahren verstorbener Vater hieß Peter…
Herzliche Grüße von Ekkehard Greis
Da sehen Sie mal, Herr Greis, der nackige Papst erhält sogar Zustimmung aus dem Jenseits!
Auf jeden Fall bin ich mal gespannt auf die Berichterstattung von Brigitte Leipold. Es wird in letzter Zeit soviel gemauschelt in den Konstanzer Gremien, da ist ein wenig Offenheit mal sehr willkommen…
Tut mir leid, Herr E k k e h a r d Greis, dass ich Sie mit “Peter”, dem Vornamen Ihres Vaters, geschmückt habe. Es beschämt mich zusätzlich, dass dies nicht deswegen passierte, weil ich - aus welchen Gründen auch immer - Ihren geschätzten Vater vor Augen hatte, sondern mich ausführlich mit einem gewissen P e t e r Lenk zu beschäftigen hatte. Als klitzekleinen Trost könnten Sie registrieren, dass ich Sie in diesem Fall mit einem immerhin bis Tokio und Los Angeles registrierten Künstler vom Bodensee mehr oder weniger unbewusst in Verbindung brachte. Was mich vor allem interessiert: Haben Sie nun für oder gegen den Verbleib des Päpstleins in der Konstanzer Bahnhofshalle gestimmt?
Wie Sie ja in Ihrem Artikel vermutet haben, hab ich natürlich für den Verbleib gestimmt, alles andere ist meinen Augen lächerlich. Zudem hatte ich bei der Abstimmung nicht nur meine persönliche Meinung zu vertrteten, sondern auch die des Treffpunkt-Vorstands, welcher sich für den Verbleib ausgesprochen hat.