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5. Juli 2010 | Eine ausgewachsene Urne für 11 Stimmzettel

Asyl für den von Ausweisung bedrohten Gauklerpapst

Konstanz (gro) Bildhauer Peter Lenk hat für seine mit einem Platzverweis belegte Papstskulptur Angebote von Institutionen und Persönlichkeiten erhalten, die dem von der Konstanzer Verwaltung verschmähten, 700 Kilo schweren Kunststück Asyl gewähren wollen. Das Presseecho auf den Platzverweis für das Päpstlein geht erwartungsgemäss weit über Deutschland hinaus. Derweil wuchern die Spekulationen, wer wie genau am Mittwoch, dem 30. Juni, im Aufsichtsrat der Tourist-Information hinter verschlossenen Türen für und gegen die Entfernung der Skulptur votiert hat.

Wer hat da „nicht genau hingehört?“

Eine geheime Abstimmung wurde, wie es in Kreisen der beteiligten Kommunalpolitiker heisst, mit den Stimmen der Nicht-Politiker durchgesetzt, also mit den Vertretern von Kontour e.V., Wirtekreis und Treffpunkt e.V. Und obwohl es um gerade mal 11 Stimmzettel ging, wurde für die Wahlprozedur am vergangenen Mittwoch eine Urne bereit gestellt. Als das Ergebnis – 6:5 für eine Entfernung der Skulptur – feststand, war das bürgerliche Lager, wie man hört, ziemlich überrascht. Man habe, orientiert am Verlauf der voran gegangenen Debatte, fest mit 8:3 Stimmen für die Entfernung des Päpstleins gerechnet. Die Gegenseite versichert indessen, diese sich als bürgerlich verstehenden Aufsichtsratsmitglieder hätten bei der Debatte „ganz offensichtlich nicht genau hingehört“. Denn wer das beherzigt habe, dem sei „vollkommen klar gewesen“, dass es 6:5 ausgehen werde.

Lenks Brief schockte den Aufsichtsrat

Eine Schlüsselrolle zum Verständnis des Wahlausgangs nimmt ein Brief des Künstlers ein. Lenk hatte ihn gleichlautend (fast) allen Mitgliedern des Aufsichtsrats zugesandt. Der allgemein beanstandete Passus enthielt eine als persönliche Beleidigung aufgefasste Bemerkung Lenks, mit der dem CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann jegliche kulturelle Kompetenz abgesprochen wurde. Hintergrund dafür ist Tatsache, dass sich Hoffmann im Zusammenhang mit der Aufstellung der Skulptur, die laut einer bald 18 Jahre alten, also sattsam bekannten Auskunft Lenks einen den mittelalterlichen Papst Martin V. nachahmenden Gaukler darstellt, nicht gegen die Verleumdung Lenks durch die Bildzeitung gewandt hatte.

„Bild“ entschuldigte sich, nicht aber die CDU

Hoffman, so sieht es Lenk, habe im Grunde in die gleiche Kerbe geschlagen wie die Boulevardzeitung. „Bild“ hatte nicht nur von einem angeblichen Schock gläubiger Katholiken angesichts eines „splitterfasernackten Papstes Benedikt“ fantasiert, sondern auch hohe CDU-Landespolitiker wie Innenminister Heribert Rech und CDU-Generalsekretär Thomas Strobl zu herabsetzenden Äusserungen gegenüber Lenk und seiner künstlerischen Arbeit animiert und veranlasst – und dies nicht nur in der Region Stuttgart über ihr Printmedium, sondern dies auch weltweit über bild.de verbreitet. Lenk: „Es gibt bis heute nur eine Entschuldigung samt Widerruf von „Bild“, aber nicht ein einziges Wort des Bedauerns seitens der CDU, auch nicht vom Landtagsabgeordneten Hoffmann.“

Lenk wurde um die Skulptur gebeten

Zum weitern, notwendigen Verständnis der Affaire sei daran erinnert, dass der Bildhauer im April gebeten wurde, der Touristinformation Konstanz (TIK) die Papstfigur als Schmuck und Anziehungspunkt für die neue Konstanzer Bahnhofshalle eine Zeitlang zu überlassen. Bei der Skulptur handelt es sich um eine originalgetreue Nachbildung der Figur, die von der Hafenschönen Imperia seit über 17 Jahren auf der linken Hand hoch über dem Konstanzer Pegelhäuschen balanciert wird. Kaum aufgestellt kam es - nicht zuletzt dank “Bild” - zu Protesten gegen die 700 Kilo schwere Nachbildung des Päptsleins, vor allem von Seiten katholischer Kirchenkreise und der CDU. Ihnen schlossen sich im Aufsichtsrat der TIK die Vertreterinnen der Grünen und der FDP an, ferner die kommunalen Abgeordneten der FWG und der CDU. Lediglich Brigitte Leipold, die Vertreterin der SPD, stimmte gegen den Platzverweis, ebenso - wie in dornroeschen.nu weiter berichtet - die Vertreter des Wirtekreises, des Treffpunkt e.V. sowie zwei von drei Vertretern des Fremdenverkehrsvereins (Kontour e.V).




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