Logenplatz mit Nachtbeleuchtung und täglicher Audienz
Konstanz/Weiz (gro) Die Rettung naht aus Österreich: Peter Lenks steinernes Päpstlein bekommt „Kulturasyl“ in der Steiermark. Der in Stein gegossene Gaukler mit der päpstlichen Tiara erhält sogar einen Logenplatz, und zwar im neuen Kunsthaus Weiz bei Graz. Der vor fünf Jahren erbaute Glaspalast war mehrfach Schauplatz für Begegnungen mit bekannten Künstlern. Lenks 700 Kilo wiegendes Päpstlein, das von vier Schweizer Gardistinnen bewacht werden wird, soll so platziert werden, dass es bei nächtlicher Beleuchtumg auch von aussen gut zu sehen ist. Am Tage soll es „regelmässig Audienzen“ geben, sagt Kunsthaus-Mitarbeiter Johan Maden, der die Skulptur abholen und mit ihr eine dreitägige Tour durch Österreich absolvieren wird.
Grosszügigkeit statt Verkrampfung und Beleidigung
Während der behördlich-politische Umgang mit Lenk und seinen Skulpuren hierzulande meist verkrampft, verklemmt und fast immer humorlos oder gar beleidigend wirkt, überraschen die Steirer mit Unternehmungslust und Grosszügigkeit. So hat sich, wie man hört, der aus dem Bezirk (Kreis) Weiz stammende SPÖ-Nationalrat Christian Faul spontan hinter die von Johan Maden vorgeschlagene Unternehmung zur Aufnahme des mit einem mehrfachen Konstanzer Platzverweis belegten Päpstleins gestellt. Nationalrat Faul war eine Zeitlang Vizebürgermeister von Weiz, und zusammen mit Kunsthaus-Leiter Georg Köhler soll er die Finanzierung der Aktion bereits im Grundsatz für gesichert erklärt haben. 
Kultur und Bildung in besonderem Masse verpflichtet
Unter der Regie von Bürgermeister Helmut Kienreich - „Meine Stärken sind Toleranz und Begeisterungsfähigkeit“ - ist das Städtchen Weiz mit seinen knapp 10.000 Einwohnern, 27 Kilometer nordöstlich von Graz gelegen, zu einem Zentrum der österreichischen Elektroindustrie herangewachsen. Weiz hat die niedrigste Arbeitslosenzahl der Steiermark (wenn nicht ganz Österreichs) und fühlt sich der Pflege und Entwicklung von Bildung und Kultur in besonderem Masse verpflichtet.
Erst Puppen, dann aus Fleisch und Blut
Lenks Papstfigur soll bereits auf der Rundreise durch Österreich in einem eigens angefertigten Papamobil von vier Puppen bewacht und beschützt werden, die weibliche Schweizer Gardistinnen darstellen. Im Kunsthaus Weiz werden an ihre Stelle vier Gardistinnen aus Fleisch und Blut treten. Auf Schautafeln soll über das Schaffen Lenks und über die damit zusammen hängenden gesellschaftlichen Konflikte informiert werden. Der Bildhauer selber wird für ein Symposion unter dem Motto „10 questions to Peter Lenk“ nach Weiz eingeladen. Am meisten dürfte den Künstler womöglich locken, was Kunsthaus-Mitarbeiter Johan Maden ihm am Rande versprochen hat: „Wenn du kommst, koche ich persönlich für dich eine steirische Spezialität.“
Wegen „Herabwürdigung von Staatssymbolen“ verurteilt
Im Kunsthaus gab es mehrfach so genannte Künstergespräche, unter anderem mit dem vor sieben Monaten 81-jährig verstorbenen Bildhauer Alfred Hridlicka und mit Günter Brus, 71, dem Grazer Aktionskünstler, einem der radikalsten Vertreter des Wiener Aktionismus. Die Begegnung mit Brus dürfte den Bildhauer aus Bodman besonders reizen. Günter Brus wurde 1970 wegen der „Herabwürdigung der österreichischen Staatssymbole“ zu sechs Monaten Zuchthaus verurteilt und floh nach Westberlin, um im Exil der Strafe zu entgehen.
“Im Sternzeichen des Krokodils”
Auch gegenüber Nationalrat Christian Faul dürfte Bildhauer Lenk eine gewisse Seelenverwandtschaft verspüren. In “Wikipedia” ist nachzulesen, wie der Politiker, der auch Bezirksvorsitzender des Sozialdemokratischen Lehrerverbandes ist, am 19. Mai 2009 für Aufsehen sorgte, als er am Rednerpult des Wiener Nationalrats den rechtspopulistischen BZÖ-Abgeordneten Gerald Grosz beschimpfte, indem er sagte: “Sie sind für mich im Sternzeichen ein Krokodil: eine große ,Papp’n’ und ein kleines Hirn – das muss ich Ihnen einmal sagen.” Das BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich), das aus einer Abspaltung von Jörg Heiders Freiheitheitlicher Partei hervorging, äusserte daraufhin die Vermutung, dass Faul unter Alkoholeinfluss stehe. Worauf sich dieser sofort einem freiwilligen Alkoholtest unterzog, der 0,0 Promille ergab.
Es geht jetzt um einen geordneten Rückzug
Was nun in Konstanz ansteht, ist ein geordneter Rückzugs Lenks und seines Päpstleins. Angesichts der Tatsache, dass die Aufstellung der Skulptur von der Konstanzer Verwaltung Im April des Jahres erbeten worden war, hofft der Bildhauer trotz des kurz darauf erfolgten Platzverweises, “auf eine gewisse Rücksicht”. Jetzt müsse die Einladung nach Weiz im Einzelnen abgeklärt werden. Dazu gehöre unter anderem der Bau des Papamobils aus transparentem Material sowie die polizeirechtliche Genehmigung der Tour durch drei Länder und die sachgerechte Technik für den Transport des 14 Zentner schweren Päpstleins.





