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24. Februar 2011 | Ehemaliger „Insel“-Chef beim Konstanzer Wirtekreis

Hans O. Rues und sein Seminar in Sachen Gastlichkeit

Konstanz (gro) „Derart vollzählig waren wir schon lange nicht mehr versammelt!“ Mit Vergnügen hat Rüdiger Niedzwietzki das festgestellt, als er seine Kollegen dieser Tage in der „Krone“ begrüsste. Der Vorsitzende des Konstanzer Wirtkreises führte das doch überraschend zahlreiche Erscheinen folgerichtig darauf zurück, dass für das jüngste Treffen ein ganz besonderer Gast angekündigt worden war: Hans O. Rues, der Mann, der das Steigenberer Inselhotel von 1978 bis 1987, so lange wie niemand vor ihm, dirigiert und regiert hat. Mit dem ehemaligen „Insel“-Chef wurde die Konferenz zu einem Kompaktseminar in Sachen gehobener Gastlichkeit.

Mit Grössen aus Politik, Show, Sport und Wirtschaft

Hans O. Rues hatte es leicht, seine Zuhörerinnen und Zuhörer in Bann zu schlagen. Mit Geschichten, Anekdoten und Berichten aus einem abwechslungsreichen Leben, das ihn mit allen möglichen und durchaus bedeutenden Grössen aus Politik, Kultur, Showbusiness und Wirtschaft zusammen gebracht hatte, konnte er aus dem Vollen schöpfen. Andererseits wurde klar, dass Hans O. Rues diese Erlebnisse nicht in den Schoss fielen, sondern Produkte einer Berufsauffassung waren, die das Prinzip anspruchsvoller Gastlichkeit nicht nur perfektionieren wollte, sondern zu einem Lebensziel machten (und machen). Insofern war Hans O. Rues der ideale Gast für den Konstanzer Wirtekreis. Denn er setzt sich zusammen aus knapp zwei Dutzend (von insgesamt etwa 350) Konstanzer Wirten, die um ein möglichst ansehnliches Niveau der Konstanzer Gastronomie besorgt sind.

Wo sich Florian Miele einst seine Sporen verdiente

Hans O. Rues stammt, und anders könnte es wahrscheinlich nicht sein, aus einer Familie von Gastronomen (seine Eltern hatten ein weitum geschätztes Restaurant in Esslingen am Necker). Rues ist gelernter Koch und Küchenmeister, war unter anderem Sous Chef im Steigenberger „Frankfurter Hof“, arbeitete als Stewart auf Kreuzfahrtschiffen der Holland America Line (und holte später als „Insel“-Direktor den Sous Chef des „Frankfurter Hofs“, Jürgen Todenhagen, nach Konstanz). Nach seinem Gastspiel in Konstanz leitete Hans O. Rues das Steigenberger Hotel in Düsseldorf (wo damals der heutige „Barbarossa“-Hotelier Florian Mühle als Sous Chef wirkte) und den Steigenberger „Quellenhof“ in Aachen.

Mit Sir Peter Ustinov und Ali Zarabi aus Teheran

Hans O. Rues hält das Konstanzer Inselhotel immer noch für das schönste Haus des Steigenberger Hotelkonzerns (mit seinen über 70 Häusern). Auf Fotos, die seine Berichte illustrieren, sieht man Rues unter anderem mit Lothar Späth und Günther Netzer, mit einem Seehund von Conny Gasser, mit dem Honorarkonsul aus Senegal, mit Sir Peter Ustinov und Comtesse Diana, der Geigerin Sophie Mutter, Ephraim Kishon, mit Kohl und Mitterand, mit Caroline Reiber, mit Ali Zarabi aus Teheran, mit Hosni Mubarak aus Kairo, mit den ausserordentlich langbeinigen Kessler-Zwillingen und auch mit Professor Wolfgang Wagner. Fünf Jahre lang hat Hans O. Rues die Verpflegung bei den Bayreuther Festspielen zu verantworten gehabt.

Die Boulevardkomödie ins Hotel geholt

Hans O. Rues hat in Konstanz - in Zusammenabeit mit dem Dramaturgen Achim Eickhoff - das Theater ins Hotel geholt, und zwar mit Neil Simons berühmter Hochzeitskomödie, die dann auch bei Steigenberger in Düsseldorf zu sehen war. Und Rues hat seine Gäste (etwa mit Hinweisen auf grammatikalische Fehler in historisierenden Malereien im “Insel”) stets mit überraschenden, ja intimen Informationen bedient. Rues war sozusagen in vorauseilendem Empfinden immer ums grösstmögliche Wohlbehagen (und um die grösstmögliche Geborgenheit) seiner Gäste bemüht - und darum, sein Hotel auch der der einheimischen Bürgerschaft nahe zu bringen. Hans O. Rues steigerte damit seinerzeit prompt auch die Zahl der Übernachtungen von Eingeborenen.

Die Balance zwischen Distanz und Vertrautheit

Hans O. Rues, von familiärer Seite streckenweise einem gewissen Ruhestand verpflichtet, ist sich bewusst, dass sich auch für ihn die Zeiten ändern. Die Grundsätze einer professionellen Gastgeberschaft, sagt der ehemalige Insel-Chef, seien aber nach wie vor gültig. Es sei eigentlich ganz einfach, sagt Hans O. Rues weiter: Jedem Mitarbeiter, vom Chef bis zum Spüler, müsse in Fleisch und Blut übergehen, dass man „als Damen und Herren im Dienste (sei) für Damen und Herren“. Es gehe um „Aufrichtigkeit und Aufmerksamkeit“, um Höflichkeit, Fairness und um die Balance zwischen Distanz und Vertrautheit. Und all das habe nicht nur gegenüber den Gästen zu gelten, sondern genau so unter den Mitarbeitern. Bild: Erich Gropper




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