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28. März 2011 | Nach dem Sensationsergebnis der Grünen

Jetzt kann der Papst wieder in den Bahnhof

Konstanz (gro) Ab sofort muss Horst Frank nicht mehr gar so rücksichtsvoll taktieren, wenn es um einen finanziellen Zustupf aus Landesmitteln geht. Denn als dereinst erster Grüner Oberbürgermeister Deutschlands dürfte das Konstanzer Stadtoberhaupt bei der neuen Stuttgarter Landesregierung einen besonderen Stein im Brett haben. Eine politsch-grüne Achse vom Konstanzer Rathaus über den soeben direkt in den Landtag gewählten Abgeordneten Siegfried Lehmann bis hinauf zum neuen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann lässt jedenfalls bei Optimisten neue Perspektiven erkennen. So könnte das vor einem Jahr aus der frisch renovierten Bahnhofshalle verbannte Päpstlein dort wieder einziehen. Auch für die ersehnte Begegnungszone Bahnhofplatz sollte sich bei einer grün-roten Landesregierung eine bessere Unterstützung erreichen lassen.

Fantasie-Bericht in Bild Stuttgart

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass Horst Frank im April 2010 voreilig gehandelt hatte, als er den Bodmaner Bildhauer Peter Lenk wissen liess, seine Papstfigur, gerade erst in der renovierten Bahnhofshalle aufgestellt, sei umgehend wieder zu entfernen. Das Päpstlein, nur mit einer Tiara bekleidet, sitzt als Original und sinnbild weltlicher Macht auf der linken Hand der Hafenschönen Imperia. Der Abguss in der Bahnhofshalle hatte zu einem Fantasiebericht in der Stuttgarter Regionalausgabe der Bild-Zeitung geführt: Im Konstanzer Bahnhof würden die Gläubigen neuerdings vom nackten Papst Johannes VI. „geschockt“. Es gab Proteste bei der CDU.

Angeblich Landeszuschüsse fürs Jubiläum gefährdet

Der CDU-Abgeordnete Andreas Hoffmann, gestand Horst Frank dem Künstler, habe ihm nahe gelegt, die Figur, um deren Aufstellung Lenk kurz zuvor gebeten worden war, verschwinden zu lassen. Andernfalls, so hiess es im Frühjahr 2010, könne es bei den Landeszuschüssen fürs Jubiläum „600 Jahre Konstanzer Konzil“ (zu feiern 2014 bis 2018) zu Problemen kommen. Als Kunstschaffende in der fernen Steiermark vor der drohenden Verbannung erfuhren, gewährten sie dem Päpstlein spontan Asyl und organisierten eine medienwirksame Triumpffahrt für das Kunstwerk von Konstanz durch Österreich bis ins steiermärkische Kunsthaus Weiz.

Auch den schönen Künsten zugetan

Der überraschende Wahlausgang hat nun eine neue Situation geschaffen: Ab sofort haben in Sachen Kunst und Kulturarbeit weder eine CDU-geführte Landesregierung noch die Bildzeitung entscheidend mit zu reden. Auch Andreas Hoffmann kann die nächsten 5 Jahre nicht mehr so viel für Konstanz tun. An seine Stelle wurde am Sonntag der Grüne Siegfried Lehmann ins Landesparlament gewählt, ein Mann, der sich nicht nur im Maschinenbau, in der Informationstechnik und in der Pädagogik auskennt. Als 2. Vorsitzender des Radolfzeller Kunstvereins ist der 56-jährige auch den Schönen Künsten zugetan.

Die Fraktion sollte sich beflügeln lassen

Ein echt grünes Projekt ist die Umgestaltung des Bahnhofplatzes zu einer so genannten Begegnungszone. Ausgerechnet der grüne Oberbürgermeister zeigt keinerlei Neigung, das längst beschlossene Vorhaben voranzutreiben. Das könnte sich mit Lehmanns Hilfe ändern. Die Grünen sind hinter der CDU zwar „nur“ zweitstärkste politische Kraft im Lande, doch im Konstanzer Gemeinderat sind sie die stärkste Fraktion (den Oberbürgermeister nicht mal mitgerechnet). Die Fraktion sollte sich nun von Lehmanns Höhenflug und Kretschmanns Griff nach der Macht im Lande ordentlich beflügeln lassen.

Ergebnis im Wahlkreis Konstanz:
Wahlbeteiligung 66,7 Prozent (2006: 52,1)
Grüne 34,7 Prozent (18,9) CDU 32,8 Prozent (40,6)
SPD 20,3 Prozent (21,3), FDP 5,5 Prozent (12,3) Linke 2,7 Prozent (4,1)




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3 Kommentare

  1. 1. tortugabodensee

    So sehr mich das für das Päpstle freut, so sehr mutmaße ich, dass unser OB Frank bald gar nix mehr zum Taktieren hat, zumindest nicht nach der nächsten OB-Wahl und nicht mehr in Konstanz….

  2. 2. Gerd

    OB-Grün ist schon lange nur noch seine Herkunft. Grüne Werte sind dem KKH-Wahltäuscher abhanden gekommen. Als Grüner sich auf den OB-Stuhl wählen zu lassen, aber dann eine antigrüne Verwaltungspolitik einzunehmen, belastet das Verhältnis zu seinen ehemaligen Wählern. In der Historie wird dieser “Grüne” OB als Enttäuschung in Erinnerung bleiben.

  3. 3. oschgeige

    Grün ist bei dem vielleicht der Betonboden der Terrasse gestrichen!
    Aber Wähler werden langsam schlauer……..juhuuuuuu

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