„Südkurier“ angeblich unverkäuflich
Konstanz (gro) Aus der Übernahme des „Südkurier“ durch Belegschaft und Leserschaft (dornroeschen vom 20. Februar 2011) wird vorerst nichts. Darüber berichtet der „journalist“, das Verbandsorgan der Journalisten-Gewerkschaft, in seiner neuesten Ausgabe. Der Holtzbrinck-Konzern, zu dem der „Südkurier“ gehört, habe erklärt, das konstanzer Medienunternehmen stehe nicht zur Disposition. Damit dementiert der Stuttgarter Konzern frühere Äusserungen von Stefan von Holtzbrinck, die regionalen Tageszeitungen abstossen zu wollen.
Ein Teil der regionalen Tageszeitungen ist schon verkauft
Die Würzburger „Mainpost“, ein Gewinn bringendes Tageszeitungsunternehmen des Stuttgarter Medienkonzerns, ist an die “Augsburger Allgemeine“ verkauft worden. Für die Verlagsgruppe Saarbrücken, zu der neben der „Saarbrücker Zeitung“ der „Trierische Volksfreund“ und die „Lausitzer Rundschau“ zählen, werden seit geraumer Zeit Käufer gesucht. Für den „Südkurier“ interessierten sich dem Vernehmen nach der Stuttgarter Zeitungsverlag (unter anderem „Stuttgarter Zeiung“, „Stuttgarter Nachrichten“ und „Schwarzwälder Bote“) sowie der Schwäbische Verlag Leutkirch („Schwäbische Zeitung“).
Austritt aus dem Tarifverbund
Kartellrechtliche Bedenken, so hörte man vergangenes Jahr im Konstanzer Zeitungshaus, stünden diesen Erwerbsabsichten ebenso entgegen wie ein Zusammengehen mit der „Badischen Zeitung“ in Freiburg. Dass der Holtzbrinck-Konzern trotzdem weiter nach Geschäftspartnern sucht, wurde der verunsicherten Belegschaft vollends klar, als das Konstanzer Medienunternehmen im vergangenen Herbst seinen Austritt aus dem Verband der Südwestdeutschen Zeitungsverleger erklärte, um dadurch seine Abhängigkeit von tariflichen Vereinbarungen abbauen zu können. Ein solcher Schritt, so heisst es in Gewerkschaftskreisen, sei typisch für die Vorbereitung eines Verkaufs des Unternehmens.
Die Verunsicherung dauert weiter an
Angesichts der unklaren Zukunftsaussichten reifte innerhalb der Belegschaft der Plan, es mit einer Übernahme des Medienunternehmens zu versuchen, und zwar mit Hilfe von Sponsoren und Banken, gesteuert durch die Belegschaft und unter Beteiligung der Leserschaft. Um diesem kühnen Vorhaben die unternehmerische Ernsthaftigkeit angedeihen zu lassen, wurde vom Betriebsrat eine renommierte Beratungsgesellschaft angeheuert. Während aus dem Bereich der Kundschaft und von Seiten der Banken Sympathie und grundsätzliche Bereitschaft für das revolutionäre Projekt deutlich wurde, hat sich der Konzern ebenso wortkarg wie ablehnend vernehmen lassen. Der „Südkurier“, so heisst es aus Stuttgart lapidar, siehe oben, das Unternehmen stehe nicht zur Disposition. Das allerdings ändert nichts an der fortdauernden Verunsicherung der Beschäftigten. Bis Mitte des Jahres, so vermuten Eingeweihte, dürften sich die Käufer der “Südkurier”-Gruppe zu erkennen geben.






Passend zum Thema:
Heute hat das bisher größte Medienspektakel in Europa seinen Höhepunkt gefunden. Allein sechs deutsche Fernsehstationen berichteten live über das Normalste, was zwei junge Menschen erleben können. Anderseits, weshalb soll es den beiden besser gehen als uns?
Zu allem Überdruss brachte es heute mein Lokalblättle fertig, zum dritten Mal innerhalb von 4 Jahren einen Erguß über gesundes Grillen zu offerieren: http://www.bildblog.de/29882/gesund-grillen-ist-ja-sooo-2007. Noch schlimmer ist aber, das man den Fachmann Volker Pudel interviewt, der schon am 07.10.09 verblichen ist und den Beitrag angeblich von einer Presseagentur übernahm, die seit zwei Jahren nicht mehr existiert.
Witzig: Zum jetzigen Zeitpunkt sind die zwei jüngeren Artikel im Archiv der Zeitung gelöscht. Heute morgen waren sie noch da. Google hats aber noch nicht vergessen:
“Kochen mit Feuer und Flamme” site:suedkurier.de
Auch ich hatte einen Kommentar am heutigen Artikel hinterlassen. Denke jeder was er will über eine Zeitung, die (noch) nicht zum Springerverlag gehört. Möglicherweise sind deren Volontäre noch kräftig am üben, um danach qualifiziert genug zu sein.
Beides ist aber nur ein nebensächliches Thema. Journalisten würden dazu Aufhänger sagen. Viel wichtiger ist, was die Print- und TV-Medien uns sonst noch täglich so bieten. ZAPP vom NDR hat den Versuch unternommen, einmal den schlechten Ruf der Journalisten zu analysieren.
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/journalisten109.html
Man staune über die Selbsterkenntnis des NDR. Ich finde es übrigens bemerkenswert, das der NDR auch etwas für die User tat, die kein DSL besitzen und darum ein Wortprotokoll beifügte.
Obwohl sich ZAPP auch darin über den “Von-einander-Abschreib-Journalismus” auslässt, hat die Redaktion aus meiner Ansicht noch immer nicht den Kern der Sache getroffen. Dazu fielen mir heute morgen Prof.phil.Jeff Jarvis’ 36 Aussagen über den Zustand der Nachrichten-Branche in die Hände. http://www.wasmitmedien.de/2011/04/28/jeff-jarvis-36-aussagen-uber-den-zustand-der-nachrichten-branche/
Dies ist eine harte Kritik an der gesamten Branche und eine Abrechnung der Fakten, die sie bis zum heutigen Tag nicht verstanden hat. Ich erwähnte nicht umsonst eingangs das silly Boulevard-Ereignis und den stupidly Grillartikel.
Vielleicht ist dieser mein Betrag für euch Anlass, mal etwas kritischer über das nachzudenken, was die überwiegende Anzahl der Medien zu eurer Wissensvermehrung anbietet. Ich bin auf eure Meinung gespannt.
Ps. Zum Anlass des Tages verlege ich heute meine schnöde Ausdrucksweise mal auf die feine englische Art