Der Kunsthandwerker mit seiner leuchtenden Galerie
Konstanz (gro) Seit fast 12 Jahren wird der Konstanzer Fischmarkt von der Südseite her durch ein leuchtendes Eck nachhaltig aufgehellt: Durch zwei grossflächige Schaufenster wirkt moderne Kunst hinaus auf den Platz, und zwar so glücklich, dass dadurch die reichlich unglückliche Modernisierung des eigentlich historischen Platzes zu verschmerzen ist. Für dieses Glück hat Roland Geiger gesorgt, als er seine Galerie 1999 von Kornwestheim nach Konstanz verlegte. Roland Geiger ist ein herausragender Handwerker moderner grafischer Kunst, ein Galerist, der in klassischer Weise als verlängerter Arm „seiner“ Künstler zu verstehen ist. Heute wird Roland Geiger (auf dem Bild mit Daniel Spoerri, rechts) 70 Jahre alt.
Ehrenmeister des Siebdrucker-Handwerks
Der frisch gebackene Siebziger, ein gelernter Schriftenmaler, ist ein Pionier des Siebdrucks. Als Siebdrucker bringt es Roland Geiger zu einer derartigen Meisterschaft, dass sich die Serigraphien aus seiner Werkstatt von Originalen nur dadurch unterscheiden, dass sie vom Künstler ausdrücklich als Teil einer Auflage bezeichnet und nummeriert sind. Die „konstruktiven Strukturen ohne Überlappung“ in unerreichter Präzision (mit bis zu 38 Farben auf hauchdünnem Japanpapier), machen ihn in den sechziger und siebziger Jahren zu einem gesuchten Partner international erfolgreicher Künstler. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Akademien und Museen. Geiger, längst examinierter Meister, wird 1973 in Stuttgart zum Ehrenmeister des Siebdrucker-Handwerks ernannt.
Nicht Beschränkung, sondern Konzentration
1975 gründet der Meisterdrucker in Kornwestheim seine Galerie (mit der er 20 Jahre später an den Bodensee umzieht). Die besondere Stärke des Galeristen liegt in der Beschränkung. Geiger widmet sich nach wie vor in erster Linie der künstlerischen Avantgarde der sechziger Jahre, die im Südwesten Deutschlands aufblühte (und bis heute, längst auch posthum, internationale Erfolge feiert): Künstlern wie Max Ackermann, Karl Fred Dahmen, Karl Gerstner, Erich Hauser, Heinz. E. Hirscher, Günter C. Kirchberger, Richard Neuz, Thomas Lenk, Heinz Mack, Christian Megert, Otto Piene, Karl Georg Pfahler oder Anton Stankowski. Aber das ist ja keine Beschränkung, sondern auch eine Konzentration auf Wesentliches, wie das mittlerweile gut 100 Ausstellungen der Galerie Geiger zeigen.
Stets offen für neue Strömungen
Hinzu kommt, dass Geiger massgeblichen Strömungen offen gegenüber steht. Antoni Tapies gehört seit 1975 ebenso zum Programm der Galerie wie Atila oder Philippe Morisson. Hinzu kommen später Künstlerinnen wie die Finnin Soile Yli-Mäyry, Marion Eichmann, Birte Horn oder die junge New Yorkerin Raven Schlossberg mit ihren ebenso bezaubernden wie aufwendigen Kollagen.
Konstanz, Wien, Gozo und der Schwarzwald
Auch Johannes Dörflinger, auf Gozo (bei Malta), im Schwarzwald und in Konstanz zu Hause und seit 6 Tagen ebenfalls ein Siebziger, wurde bei Geiger eine Ausstellung gewidmet. Und Daniel Spoerri, dem wohl bedeutendsten lebenden Meister der Assemblage (der übrigens vor Jahresfrist anlässlich seines 80. Geburtstag beschloss, von Mittelitalien nach Wien umzuziehen), ist mit den Geigers eng befreundet, so gut, dass er sich vor ein paar Jahren entschloss, eine neu geschaffene Reihe von Collagen, inspiriert durch Funde auf dem Pariser Flohmarkt, ausgerechnet in Konstanz zum ersten Mal zu zeigen. Ein paar Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer Konstanzer Gymnasien sind darauf aufmerksam geworden und haben diese Ausstellung, die anschiessend in hochberühmten Galerien Europas zu sehen war, zur bestbesuchten Galerieaustellung der Stadt gemacht.
Daniel Spoerri soll endlich nach Konstanz ziehen
Roland Geiger sollte, obwohl erst 70, auf keinen Fall auch noch umziehen ins Österreichische. Vielleicht gelingt es ihm dagegen, Daniel Spoerri zurückzuholen aus dem doch recht abgelegenen Wien. Konstanz und der Bodensee, so könnte Roland Geiger sagen, das sei gar kein so schlechter Kompromiss zwischen Wien und der ziemlich überlaufenen Toskana.





