Dornröschen » Blog Archive » 25 Ärzte des Klinikums rebellieren gegen Verwaltung
Leserkommentare
 
Sponsoren
27. April 2011 | Claus Boldt ruft Gemeinderat zu Sondersitzung

25 Ärzte des Klinikums rebellieren gegen Verwaltung

Konstanz (gro) Die 25 Ärztinnen und Ärzte des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) rebellieren gegen Planungen der Klinikumsverwaltung, ihren Arbeitsbereiche umzumodeln. In einem offenen Brief an die Belegschaft des Klinikums werfen die Ärzte der Verwaltung vor, es seit längerem an Transparenz, Integrationskraft und Glaubwürdigkeit fehlen zu lassen. Bürgermeister Claus Boldt und Klinikumsdirektor Rainer Ott nehmen den offenen Brief zum Anlass, Professor Gert Müller-Esch, den Chef der Inneren Abteilung endlich los zu werden: Boldt und Ott wünschen sich vom Gemeinderat den Auftrag, Müller-Esch möglichst umgehend zu kündigen; in einer nicht öffentli chen Sondersitzung am morgigen Donnerstag soll damit „der Konflikt gelöst werden“. In Gemeinderatskreisen herrscht Unmut über dieses Ansinnen der Verwaltung.

„Widersinnige Strukturmassnahmen“

In dem offenen Brief an die Belegschaft des Klinikums wird von „widersinnigen Strukturmassnahmen“ gesprochen, die im ZIM bereits zur „Abwanderung vieler Kolleginnen und Kollegen aus Pflege und Medizin“ geführt hätten. „Zur Durchsetzung fragwürdiger Ziele“ würde dem Zentrum für Innere Medizin unter anderem „fehlende Wirtschaftlichkeit“ unterstellt, heisst es in dem Schreiben. Eine Schlüsselrolle spiele dabei das „aufgelegte Projekt einer pneumologischen Fachabteilung mit eigenem Chefarzt und weiterem Personalbedarf“, das in Räumlichkeiten des Zentrums für Innere Medizin eingerichtet werden soll. Die 25 Ärztinnen und Ärzte des ZIM fordern, von derart „widersinnigen Strukturmassnahmen Abstand zu nehmen und umgehend in einen offenen, fairen Dialog mit den Beschäftigten einzutreten“.

Eberhard Roth schuf das ZIM vor 15 Jahren

Zum Verständnis der Konfliktlage, die bestenfalls für Eingeweihte halbwegs durschaubar ist, gehört ein Blick in die Vergangenheit. Vor gut 15 Jahren wurde am Klinikum nach Jahren einer unguten internen Konkurrenz zweier Chefärzte innerhalb der Inneren Medizin das bereits mehrfach erwähnte Zentrum für Innere Medizin (ZIM) formiert, und zwar unter dem damaligen Ärztlichen Direktor Professor Dr.Eberhard Roth, der heute als Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat sitzt – und über das aktuelle Hickhack am Klinikum kaum amüsiert sein dürfte. Gert Müller-Esch übernahm dieses Zentrum der Inneren Medizin mit seinem Amtsantritt als Ärztlicher Direktor vor 14 Jahren.

Einmalig in Baden-Württemberg

Das Klinikum kam durch die damalige Strukturmassnahme zu einer bis heute einmaligen Inneren Abteilung. Das ZIM am Klinikum Konstanz , das immer noch über 100 Betten haben sollte, dürfte zumindest in Baden-Württemberg die grösste „Innere Einheit“ bilden Normalerweise ist die Innere Medizin in vier Abteilungen mit (meist) jeweils eigenen Chefärzten aufgeteilt: in die Neurologie (vor allem Schlaganfallversorgung), Gastroenterologie (Magen/Darm), Kardiologire (Herz/Kreislauf) und in die Onkologie (Krebserkrankungen). Hinzu kommt als übergreifende Aufgabe die Internistische Intensivmedizin.

Lungenkranke werden meistens nach Wangen überwiesen

Dank der Amtszeit (1981 bis 1997) von Bürgermeister Wilhelm Hansen kam es als Beiwerk des ZIM zum Aufbau der Herzklinik, so dass das Klinikum Konstanz mit einer herausragenden Versorgung bei Herzinfarkten aufwarten kann. Besonders gerühmt werden ferner die Onkologie unter Thomas Hannemann und die Schlaganfallversorgung unter der Leitung von Hans Büttner. Umso weniger wird verstanden, warum die Klinikleitung in Räumlichkeiten des ZIM nun neuerdings unbedingt eine „Interdisziplinäre Pneumologisch-Thoraxchirurgische Klinik“ und zwar schon zum August 2011, einrichten will. Wo doch (fast) jeder Kenner der medizinischen Szene wisse, dass die niedergelassenen Ärzte in und um Konstanz ihre lungenkranken Patienten nach wie vor am liebsten den einschlägig erfahrenen Ärzten der Fachklinik in Wangen (Allgäu) anvertrauen.

Missachtung der Ärzteschaft

Abschliessend sei darauf hingewiesen, dass etliche Gemeinderäte der Ansicht sind, ein Brief, in dem sich vor allen Dingen die Sorge um die Zukunft des Klinikums ausdrücke, sei wohl eher ungeeignet, daraus den Grund für eine womöglich auch noch fristlos zu verhängende Kündigung abzuleiten. Hinzu komme, dass offene Brief an die Belegschaft des Klinikums von 25 Ärztinnen und Ärzten unterzeichnet sei. Den Inhalt des Schreibens womöglich ausschliesslich Müller-Esch anzulasten, sei eine Missachtung der übrigen Ärzte, denen die eigene Urteilskraft nicht einfach abgesprochen werden könne.




 Kommentieren    Trackback    Drucken

Noch keine Kommentare

Neuen Kommentar schreiben ...