Dornröschen » Blog Archive » Entsetzen über die Entwicklung am Konstanzer Klinikum
Leserkommentare
 
Sponsoren
3. Mai 2011 | Personalrat hinter Müller-Esch – „Wie wird man Boldt los?“

Entsetzen über die Entwicklung am Konstanzer Klinikum

Konstanz (gro) Entsetzen am Klinikum, bei niedergelassenen Ärzten im Kreis Konstanz und bei engagierten kommunalpolitschen Beobachtern: Die Entwicklung nach der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der die Mehrheit des Stadtparlaments Professor Gert Müller-Esch das umgehende Ausscheiden aus dem Klinikum verordnete, hat eine Art Schockstarre beim Klinikpersonal verursacht. Der Umgang mit Müller-Esch, dem Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) wird als Willkür empfunden. Der Personalrat des Klinikums steht nach wie vor hinter Müller-Esch. Verantwortlicher Dezernent fürs beschädigte Konstanzer Krankenhauswesen ist Bürgermeister Claus Boldt. Es wird nun in Gemeinderatskreisen nach Möglichkeiten gesucht, Boldt vorzeitig los zu werden.

„Der Bürgermeister stiehlt keine silbernen Löffel“

„Es ist praktisch unmöglich, einen politischen Beamten, der keine silbernen Löffel stiehlt, vorzeitig los zu werden“, lautet die Auskunft aus juristischen Kreisen der Stadtverwaltung. Da Claus Boldt nicht einmal im Traum daran denken dürfte, sich unerlaubt irgendwelche Gegenstände aus Edelmetall anzueignen, wird die nahe Zukunft des Konstanzer Klinikums wohl zusammen mit Boldt bewältigt werden müssen. Das wäre nach Ansicht von Kennern der kommunalpolitischen Szene tatsächlich auch gerecht. Denn hinter den monatelangen Reibereien am Klinikum, so heisst es, stehe nach wie vor auch die Absicht von Oberbürgermeister Horst Frank, das Klinikum zu verkaufen. Insofern, so wird weiter spekuliert, sei es Horst Frank womöglich gerade recht, wenn das Klinikum in zunehmende Schwierigkeiten gerate. Boldt wurde 2005, vorgeschlagen von der CDU-Fraktion, vom Gemeinderat für 8 Jahre zum Bürgermeister fürs Gesundheitswesen, für Schule, Sport, Stiftungen, für Kultur mit Theater, Philharmonie und Museen gewählt, ist also noch mindestens bis 2013 im Amt.

Personalrat fühlt sich allein gelassen

Im Personalrat des Klinikums fühlt man sich „weitgehend allein gelassen“. Verwaltungsdirektor Rainer Ott, seit einem halben Jahr im Amt, drücke sich um klare Antworten. Dies gelte “leider auch zu fürs neu gebildete Ärztedirektorium”, das auf Müller-Esch und seine damaligen Mitstreiter gefolgt sei. Man hofft im Personalrat, dass Gert Müller-Esch möglichst umgehend den Rechtsweg beschreitet und vor dem Arbeitsgericht für Klarheit sorgt. Der „rechtswidrige Umgang“ mit dem Konflikt sei „typisch“, hört man im Personalrat weiter: Rainer Ott, der neue, seit einem halben Jahr amtierende Verwaltungschef des Klinikums, versäume es regelmässig, sich klar und eindeutig zu äussern und stifte „mehr Verwirrung als Verständnis”. Der Vertrauensvorschuss in Ott sei “längst aufgebraucht”.

Enttäuscht über mangelnde gewerkschaftliche Unterstützung

Enttäuscht ist man im Personalrat auch über die mangelnde gewerkschaftliche Unterstützung. Den Belangen des Klinikpersonals werde „überraschend wenig Interesse entgegen gebracht“. Dies sei umso deprimierender, als das Personal im Zentrum eines wachsenden gesellschaftlichen Konflikts stehe, der daraus erwachse, dass die Menschen immer älter würden und dass es immer schwerer werde, die Kosten für Krankenhäuser aufzubringen. Das Personal des Konstanzer Klinikums stehe dieser Herausforderung offen gegenüber. Der Personalrat des Klinikums hoffe darauf, dabei „von der Gewerkschaft und von den massgeblichen sozialen Kräften der Stadt unterstützt zu werden“. Bedingung für eine erfolgreiche Auseinandersetzung sei Transparenz, Ehrlichkeit und Dialogbereitschaft. Man habe gehofft, dass der Brandbrief aus dem ZIM, den 25 Ärztinnen und Ärzte unterschrieben haben, die Fronten aufbreche. Tatsächlich aber seien die Fronten jetzt noch mehr verhärtet.




 Kommentieren    Trackback    Drucken

Ein Kommentar

  1. 1. Walter Rügert

    Sehr geehrter Herr Gropper,
    spekulieren kann man natürlich alles mögliche. Die Fakten sehen anders aus: Für OB Frank hat die Erhaltung des Klinikums im – wie vom Gemeinderat beschlossen - kommunalen Verbund nach wie vor Priorität. „Das Klinikum ist das Fundament für die gesundheitliche Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger. Wir müssen alles tun, um es zu erhalten. Diese Bemühungen haben eine klare Priorität“, so OB Frank. Allerdings sieht er auch einen dringenden Handlungsbedarf für notwendige Veränderungen. „Wir können die Wirklichkeit nicht schönreden. Die Fallkosten des Klinikums sprechen hier eine sehr deutliche Sprache. Für die weitere Zukunft des Klinikums muss gewährleistet sein, dass es im laufenden Betrieb auch künftig kostendeckend arbeiten kann. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich die Rahmenbedingungen durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz verändert haben. Mit diesen Rahmenbedingungen müssen wir uns auseinandersetzen. Daran führt kein Weg vorbei.“

    Beste Grüße,
    Dr. Walter Rügert
    Pressereferent Stadt Konstanz

Neuen Kommentar schreiben ...