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16. Juli 2011 | Grosskoalition beantragt erste Gemeinschaftsschule

Konstanzer Modell für eine neue Schullandschaft

Konstanz (gro) Riesengrosse Koalition in Sachen Bildungspolitik: SPD, Freie Grüne Liste, Freie Wähler, FDP, Linke Liste und Jürgen Wiedemann von der Neuen Linie Konstanz (NLK) sprechen sich in einem gemeinsamen Antrag dafür aus, die Gebhardschule im Verbund mit der Theodor-Heuss-Schule zu einer ausgewachsenen Gemeinschaftsschule zu entwickeln. Nur die CDU macht nicht mit in dieser kommunalpolitischen Initiative. Auch Einzelkämpfer Klaus Frank ist nicht darin vertreten. In einer Gemeinschaftsschule bleiben die Kinder und Jugendlichen von der 1. bis zur 10. Klasse beieinander, wer will, kann dann in ein Gymnasium wechseln, um das Abitur zu machen.

CDU ist anderswo längst mit von der Partie

Anderswo ist die CDU längst mit von der Partie. In Schleswig-Holstein, wo unter Ministerpräsident Harry Carstensen eine Schwarz-Gelbe Koalition regiert, sind in den vergangenen 5 Jahren nicht weniger als 56 Gemeinschaftsschulen entstanden. So weit ist man anderswo noch lange nicht. In Thüringen, wo mit Christine Lieberknecht eine CDU-Frau an der Spitze der Landesregierung steht, wurde immerhin in Umfragen ermittelt, dass fast 90 Prozent der Bevölkerung für Gemeinschaftsschulen sind.

In Sachsen wurde das Experiment abgeblasen

Ganz anders wieder in Sachsen, wo Schwarz-Gelb regiert. Dort wurden vor 5 Jahren eingeleitete Modellversuche in Sachen Gemeinschaftsschule wieder abgeblasen. Und in Hamburg musste Ole von Beust (CDU) gehen, nachdem ein Bürgerbegehren für die Gemeinschaftsschule gescheitert war. Auch in Bayern wollen die Unionspolitiker von der Gemeinschaftsschule vorerst nichts wissen. In Baden-Württemberg wiederum hat die neue Grün-Rote Landesregierung diese moderne Form des Schullebens auf ihre bildungspolitischen Fahnen geschrieben.

Maria Montessori und die pädagogischen Grundlagen

Bis in Konstanz eine erste, ausgewachsene Gemeinschaftsschule entwickelt ist, dürfte es noch einige Jahre dauern. Die Idee, die dahinter steckt, ist pädagogisch überzeugend: Länger gemeinsam lernen. Der Unterricht soll jahrgangsübergreifend, frei und möglichst selbstbestimmt sein, zu weiten Teilen orientiert an den Ideen von Maria Montessori, der italienischen Reformpädagogin, die vor 150 Jahren die Erziehungswissenschaften entscheidend weiter entwickelte. In der (kindlichen) Aufforderung „Hilf mir, es selbst zu tun“ ist die pädagogische Idee Montessoris konzentriert ausgedrückt.

Bessere Anpassung an lokale Gegebenheiten

So wie die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg vorgesehen ist, können und dürfen Gymnasien neben der neu konzipierten Schulform weiterhin existieren. Grundschulen, Realschulen oder so genannte Werkrealschulen und Hauptschulen sollen dagegen verschwinden. Die Gemeinschaftsschulen, die sich lokalen Gegebenheiten anpassen können, sollen sich eine gymnasiale Oberstufe selbst zulegen können, falls dies praktikabel ist. An der Gemeinschaftsschule kann man seinen Realschul- oder den Hauptschulabschluss machen. Ein besonderer Vorteil des neuen Konzepts ist, dass Gemeinschaftsschulen verhältnismässig klein bleiben, also auch dezentral funktionieren können.

Konstanzer Christdemokraten vorerst noch skeptisch

Die Konstanzer CDU kann sich bis jetzt nur mit einer engeren Kooperation zwischen Realschule und Gebhardschule anfreunden. Dem neuen Konzept einer Gemeinschaftsschule mit einer neuen Lehr- und Lernkultur auf der Basis individueller Förderung stehen die Christdemokraten zumindest vorerst noch skeptisch gegenüber.

Elke Grosskreuz und ihr Team

Dass man sich die grosse Schule am Zähringerplatz für ein neues, modernes Schulkonzept ausgeguckt hat, liegt nicht zuletzt an Rektorin Elke Grosskreuz und ihrem Team. Man hat dort in den vergangenen 10 Jahren unter anderem beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern viel Erfahrung gesammelt, gerade auf dem Gebiet der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern. Lehrer und Eltern von Gebhardschule und Theodor-Heuss-Schule, davon ist die neu formierte, grosse Bildungskoalition des Gemeinderats überzeugt, sind bereit, das Konzept einer Gemeinschaftsschule mitzutragen. Bild: Frieder Schindele



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