700 Wohnungen wechseln demnächst die Eigentümerin
Konstanz (gro) Die Stadt erlebt demnächst den grössten Immobilien-Deal seit Jahrzehnten: Die rund 700 Wohnungen, die von der Baden-Württembergischen Landesbank in Konstanz gebaut wurden, wechseln demnächst die Eigentümerin. Wie immer das 35-Millionen-Geschäft (grob geschätzt) ausgeht: Es steht unter der besonderen Beobachtung von Herbert Weber (Bild). Sehr gerne würde Weber, seit nunmehr 36 Jahren Cheflobbyist der Mieterschaft am Westlichen Bodensee, Einfluss darauf nehmen, dass das riesige Mietwohnungspaket nicht so genannten Heuschrecken in die Hände fällt, sondern sozialverträglich weiter gereicht wird. Sieben potente Gesellschaften, so heisst es, bewerben sich um die landesweit insgesamt rund 24.000 Wohnungsimmobilien der Landesbank. In der Branche wird das gesamte Geschäftsvolumen auf „deutllch über 1 Milliarde Euro“ geschätzt.
Insgesamt sind es landesweit 24.000 Wohnungen
Die LBBW, Deutschlands grösste Landesbank, muss ihre Wohnimmobilen auf Druck der Europäischen Union abstossen. Denn die 24.000 Wohnungen sind, was Brüssel beanstandet, mit teilweise erheblichen Subventionen (öffentlichen Mitteln) verwirklicht worden. Die LBBW hat nun den Ehrgeiz, den Verkauf der Wohnungen bis spätestens zum Ende des Jahres abzuwickeln. Derzeit laufe das Bieterverfahren, sagt Herber Weber. Der Preis werde “wohl die entscheidende Rolle spielen“.
Mieterbund warnt vor Heuschrecken
Der Deutsche Mieterbund hat sich bereits im vergangenen März dafür ausgesprochen, ein Konsortium aus kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen möge sich um den Erwerb der LBBW-Wohnungen kümmern. Dem entsprechend formierte sich im vergangenen Frühjahr eine Bietergemeinschaft aus der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg (GWG), der Bietigheim Wohnbau, Flühwo Wohnen, der GSW Sigmaringen und der Stadt Stuttgart. Versuche, die Konstanzer Wobak (die immerhin über 3500 eigene Wohnungen verfügt) ebenfalls einzubringen oder zusammen mit anderen kommunalen Gesellschaften ein eigenes Konsortium zu bilden, sind laut Weber nicht zu realisieren gewesen.
Franz-Georg Rips setzt aufs Verantwortungsbewusstsein
Die Landesbank ist verpflichtet, einen marktgerechten Preis zu erzielen. Darauf hat die EU-Kommission wiederholt hingewiesen. Die LBBW muss sich deshalb beim Bieterverfahren „fair“ verhalten. Franz-Georg Rips, der Präsident des Deutschen Mieterbundes, setzt aber auch auf das „Verantwortungsbewusstsein“ der Verkäuferin, der LBBW. Andererseits ist darauf zu achten, dass potentielle kommunale Aufkäufer einen starken privaten Partner haben, damit die EU-Kommission das Immobiliengeschäft als „marktwirtschaftlich ordnungsgemäss“ anerkennt.
Interesse an den Wohnungen auch im Ausland
Die vielen Einschränkungen und Sonderbestimmungen zu Gunsten der angeblich freien sozialen Marktwirtschaft machen den gewaltigen Mietwohnungsdeal etwas kompliziert. Das Interesse ausländischer Investoren ist lebhaft – kein Wunder anlässlich der vergleichsweise sehr guten Zahlungsmoral deutscher Mieter. Neben der Augsburger Patrizia AG und der Deutschen Annington haben auch die österreichische „Conwert AG“ und die „Immofinanz AG“ Interesse signalisiert.
Präsidium des Mieterbundes tagt in Konstanz
Wie immer das Bieterverfahren für die 24.000 Wohnungen auch ausgehen wird - Herbert Weber wird es aufmerksam verfolgen. Im September sogar zusammen mit dem Präsidium des Deutschen Mieterbundes. Weber, der dem Gremium von 1999 bis 2007 selber angehörte, holt das Präsidium für die nächste Tagung nach Konstanz an den Bodensee.






