Eigentlich ist in Konstanz genug Platz für Studenten
Konstanz (gro) Vor genau einem Jahr hat eine Analyse von dornroeschen.nu und „EINS“ ergeben, dass in Konstanz über 25.000 Quadratmeter Gewerbe- und Büroflächen ungenutzt zur Verfügung stehen. Und vor 12 Monaten wusste man längst, dass die Stadt durch den steigenden Ansturm auf Universität und Fachhochschule demnächst einen gewaltigen Zuwachs an Studenten zu verkraften haben wird. Da braucht es gar nicht so viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie eine Task-Force aus Architekten, Handwerkern und Wohnungspolitikern ein Konzept entwickelt, um etliche Tausend Quadratmeter leer stehender Büroflächen in Appartments, lauschige Buden und Lofts für die anstürmende Studentenschar zu verwandeln, und sei es nur für einen vorüber gehenden Zeitraum. Eigentlich gibt es in dieser Stadt genügend Platz für bildungshungrige junge Menschen.
Chérisy war das grösste Selbsthilfeprojekt in Europa
Warum hat wegen der drohenden studentischen Wohnungsnot niemand Dieter Bellmanns „ Neue Arbeit“ gefragt, wie sich Büros am besten und günstigsten in Studentenwohnungen verwandeln lassen? Schliesslich haben die Bellmänner mit der Umwandlung der einstigen Chérisy-Kaserne vor 30 Jahren, mit Unterstützung des Gemeinderats und der Stadtverwaltung, Europas grösstes Selbsthilfe-Projekt für studentisches und selbstbestimmtes Wohnen gestemmt. Auch die Linken um Stadtrat Holger Reile reiben sich lieber an der einen oder anderen leer stehenden Villa statt nach echten Lösungen zu suchen. Dabei kann über die jahrgangsstarken Studentenjahre nur eine im wahrsten Sinne grossräumige Lösung hinweg helfen. Ein Studentenheim der Wobak am Peterhauser Bahnhof, ein zweites auf dem so genannten AOK-Platz an der Bückle-Strasse, insgesamt etwa 250 Plätze – das deckt, so willkommen die Wohnplätze sind, den Bedarf der kommenden Jahre bei weitem nicht.

Zum zweiten Mal könnte Konstanz zu einem Modellfall werden
Mit der Hälfte der leer stehenden Büro-Plätze liessen sich in Konstanz, bei Wohneinheiten unterschiedlichster Art, etwa 500 Bettplätze schaffen: wenig genug, um eine Auslastung (und damit die Finanzierung von Umbauten) sicher zu stellen, aber ausreichend, um eine nachhaltige Entlastung des studentischen Bedarfs zu bewirken. Davon abgesehen könnte die Universitätsstadt Konstanz zum zweiten Mal während nur einer Generation als besonders studentenfreundliche Modellstadt reüssieren. Bild: Frieder Schindele





