Österreicher triumphiert: Buch entdeckt, Wette gewonnen
Konstanz (gro) Bücher und Schriften übers Konzil zu Konstanz füllen ganze Regale. Schliesslich war’s, wie man immer wieder hört, eine sehr bedeutende Versammlung von geistlichen und weltlichen Würdenträgern, die vor fast 600 Jahren in Konstanz zusammen trat. Nirgendwo dürfte die Literatur zu der fünf Jahre dauernden Konferenz am Bodensee so umfangreich sein wie in Konstanz. Dass die Kollektion wider Erwarten nicht komplett ist, bewies in diesen Tagen ein Geschäftsmann aus dem schweizerischen Rickenbach bei Wil. Der Konstanzer Stadtrat Herbert Weber hatte es nicht glauben wollen, wettete dagegen – und verlor.
Breuss: „Wir werden ja sehen“
Die beiden, Wolfgang Breuss aus Rickenbach und der SPD-Stadtrat aus Konstanz, waren Ene Mai ins Gespräch gekommen, einfach nur deswegen, weil sie bei Tamara im „Guten Hirten“ ganz zufällig am selben Tisch Platz genommen hatten. Irgendwie kam man aufs Konzil und die bevorstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten zu sprechen. „Ich habe zu diesem Thema ein Buch“, sagte der Österreicher zu Herbert Weber, „das habt ihr hier in Konstanz sehr wahrscheinlich nicht.“ Weber wies diese Vermutung nachdrücklich zurück: “Das gibt es nicht, nicht hier in Konstanz.” Wolfgang Breuss meinte nur, man werde ja sehen.
Von Lodi und vom verbrannten Hus
Breuss brachte das Buch kurze Zeit darauf aus Rickenbach zu Weber nach Konstanz. Und siehe da, es war in Konstanz tatsächlich nicht vorhanden, nicht im Handel, noch in einer Bibliothek oder in einem Archiv, das habe auch Museumsdirektor Tobias Engelsing einräumen müssen, erzählen Weber und Breuss. Der Titel des Buches lautet „König, Papst und Herzog“. Es handelt sich um einen „Roman aus der Zeit des Konstanzer Konzils“, verfasst von Armin Diem, erschienen 1949 im Hugo Mayer Verlag Dornbirn. In lebendiger Sprache erzählt es von den damaligen Geschehnissen in Konstanz, schon auf Seite 10 wird die enge Verbindung zu Lodi behandelt, auch der Verbrennung von Jan Hus ist ein Kapitel gewidmet.
Nach 30 Jahren auf einem Flohmarkt wiederentdeckt
Für Wolfgang Breuss ist es nicht irgend ein Buch: Es ist sein Lieblingsbuch. Als 14-Jähriger hatte er es aus dem Bücherschrank seiner Mutter stiebiezt und mit Begeisterung gelesen. Breuss wohnte damals mit seiner Familie in Dornbirn. Später ist das Buch verloren gegangen. Genau 30 Jahre später, erzählt Breuss, habe er den Roman auf einem Bücherflohmarkt in Feldkirch entdeckt - und mit Müh‘ und Not erwerben können, obwohl es bereits verkauft war. Seiter hütet er es wie einen Schatz. In diesen Tagen holte er ihn wieder zurück aus Konstanz – und Herbert Weber hatte Gelegenheit, seine verlorene Wette einzulösen: Eine Runde bei Tamara in der Zollernstrasse.
Weber: „Diese Wette habe ich gerne verloren“
Selten hat der SPD-Stadtrat eine Wette „so gerne verloren“. Denn daraus ist eine neue Freundschaft entstanden. Breuss kommt jetzt noch öfter aus Rickenbach nach Konstanz. Gemeinsam mit Weber hat er dafür gesorgt, dass das Konstanzer Stadtarchiv in den Besitz eines Roman-Exemplars kommt. Das Buch ist im Handel zwar längst vergriffen. Doch mit Hilfe des Internets fanden sich noch einige wenige gebrauchte Exemplare. Breuss hat sie alle aufgekauft.
Bekannt als Vorarlberger Heimatdichter
Armin Diem, der Autor des Romans in den Zeiten des Konstanzer Konzils, wurde 1903 als 13. Kind eines Metzgers und Gastwirts geboren, schrieb schon als Kind erste Gedichte und liebte die Poesie. Sein erstes Geld verdiente er allerdings an der Säge eines Holzverarbeitungsbetriebs, holte aber später die Realschule nach und kam in seinen Traumberuf als Förster. Er starb jung, mit 48 Jahren im Jahre 1951 und hinterliess als „Heimatdichter“ ein literarisches Werk, das sich vor allem mit der Mundart in und um Dornbirn (Vorarlberg) beschäftigte. Darum ist dort auch eine Gasse nach Armin Diem benannt. Bild: Frieder Schindele





