Von einer Reise ins ganz andere Italien
Konstanz/Lodi (gro) Während der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi erneut Schlagzeilen gemacht hat mit der kuriosen Präpotenz eines altersunwilligen Casanovas haben Partnerschaftsdelegierte aus Konstanz am vergangenen Wochenende auf einer Reise nach Lodi das ganz andere Italien kennengelernt: ein Land, dessen Menschen sich nach anständigen Politikern sehnen; als Freunde, die gastfreundlich, rechtschaffen und herzlich sind. Die Konstanzer reisten in mehreren Gruppen an, die grösste Delegation leitete Claus-Dieter Hirt, der Partnerschatsbeauftragte der Stadtverwaltung (Bild). Das Treffen anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Partnerschaft zwischen Lodi und Konstanz galt auch einer Erweiterung der Beziehungen: Seit dem vergangenen Samstag ist auch Fontainebleau, schon seit 1960 mit Konstanz verbunden, mit Lodi verlobt. Womit ein veritables deutsch-italienisch-französisches Dreiecksverhältnis entstanden ist.
Wunschvorstellungen von einem Italien der Träume
Grösser hätte der Kontrast kaum sein können: Während die grossen Tageszeitungen des Landes, der Mailänder „Corriere de la sera“ und die Römer „la Repubblica“, am Wochenende seitenweise Protokolle von Telefongesprächen Berlusconis („Habe vergangene Nacht acht Nummern geschafft“) mit seinem inzwischen verhafteten apulischen Zuhälter Giampaolo Tarrantini veröffentlichen, skandieren Kinderchöre auf der piazza Vittoria in Lodi ihre Wunschvorstellungen zu einem Italien ihrer Träume. Und während in Rom über die verzweifelte Suche nach Wegen aus der Finanzkrise gestritten wird, wird im Teatro alle Vigne in Lodi über den Ersten Preis eines Festivals namens „Lodi di Pace“ befunden. Gute Chancen auf den Friedenspreis hat eine Theatergruppe, die von Künstlern geleitet wird, die vor einigen Jahren aus Albanien geflüchtet sind.
Kreativität und Menschlichkeit
Hinter dem Festivalprojekt “Lodi di Pace” und dem daraus resultierenden „Premio Drammaturgia“ steht der Lodigianische Club der sagenhaften Wasken Boys mit ihrem Präsidenten Gigi Bisleri, einem erfolgreichen Idealisten, der wie die singende Kinderschar auf der piazza Vittoria von einem Italien träumt, das nicht nur seinen „Eingeborenen“, sondern möglichst allen Verfolgten dieser Welt Schutz und Geborgenheit gibt. Bisileri ist ein Mann, der mit Intensität und Kreativität für Gerechtigkeit und Menschlichkeit kämpft. Die Gäste aus Konstanz können diese Haltung vor allem durch die unmittelbare Herzlichkeit kennen lernen, die ihnen entgegen schlägt, sei es bei allfälligen Nachfragen zur Stadtgeschichte, bei planmässigen Events oder bei Fragen zu Änderungen des Programms, dessen Ablauf wegen eines Wetterumschwungs mehrfach mit viel Improvisationstalent geändert wird.
Monika und Pietro - Brückenbauer aus Lodi und Konstanz
Für eine stabile deutsch-italienische Brücke sorgt nicht zuletzt Monika Kueble. Scheinbar mühelos pendelt sie im Falle eines Falles zwischen Deutsch und Italienisch. Ein Vortrag zur Entstehungsgeschichte der Verbindung von Lodi und Konstanz in der Chiesa dell‘Angelo wurde auf diese Weise zu einer vergnüglichen Angelegenheit. Ähnlich gilt das für Erkundungen von mehr oder weniger geheimnisvollen Seiten der lombardischen Kleinmetropole, sei es im Untergrund der Stadt oder im kuriosen und stellenweise unheimlichen Museum Paolo Gorini, wo unter anderem über Einbalsamierungstechniken informiert wird. Legendär sind die Frühstückstreffen mit Pietro Cremonesi, häufig erweitert durch Freunde um die Künstler Ugo Maffi und Pier Manca. Besonders gut und schön sitzt und plaudert es sich unter Platanen beim Kiosk am viale IV Novembre, nahe der Eimündung der via Marsala und des Corso Roma. Der caffè ist hervorragend, die Brioche sind stets frisch und die Spremuta wird aus den saftigsten reifen Orangen gepresst. Bild: Erich Gropper





