Warum tut sich der Oberbürgermeister das an?
Konstanz (gro) Seit über 15 Jahren regiert Horst Frank in Konstanz, und zum Ende seiner zweiten Amtszeit steht er einmal mehr im Zentrum personalpolitischer Überlegungen: Wird er demnächst, wie der „Südkurier“ vermutet, tatsächlich der neue Präsident des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg in Stuttgart? Oder kandidiert der 62-jährige Oberbürgermeister doch noch für eine dritte Amtszeit als Stadtoberhaupt? Horst Frank schweigt, und je beharrlicher er schweigt, desto munterer schiessen die Spekulationen ins Kraut. Eine Vorentscheidung fällt heute: Johannes Schmalzl (FDP), 46, der bisherige Stuttgarter Präsident des Regierungspräsidiums, soll an diesem Freitag zum neuen Generalbundesanwalt gewählt werden. Dann wäre der Spitzenjob in Stuttgart tatsächlich vakant, und Ministerpräsident Winfried Kretschmann könnte mit Hilfe von Horst Frank sein Versprechen einlösen, das erste frei werdende Regierungspräsidium Baden-Württembergs von einem Grünen führen zu lassen.
Der fragwürdige Charme einer bierseligen Grossveranstraltung
„Warum tut er sich das nur an!?“, fragten sich am vergangenen Wochenende Teilnehmer der Delegation, die von Konstanz ins lombardische Lodi gereist waren, um an den Festlichkeiten zum Jubiläum „25 Jahre Städtepartnerschaft Lodi - Konstanz“ teilzunehmen. Horst Frank schaffte es nur verspätet, er traf erst am frühen Samstagmorgen gegen 0.30 Uhr in Lodi ein. Horst Frank hatte die Eröffnung einer von ihm selbst initiierten Ausstellung mit Porzellanpuppen der Konstanzer Künstlerin Gabriele Chemnitz-Bunten um etliche Stunden verpasst – weil er eine ganz andere Eröffnung nicht versäumen wollte: die Eröffnung des deutsch-schweizerischen Oktoberfestes auf Klein Venedig in Konstanz. Es soll übrigens das erste Mal gewesen sein, dass Horst Frank die bierselige Veranstaltung mit seiner Anwesenheit demonstrativ beehrte.
Lächeln und prosten für die Fotografen
Horst Frank ist Ehrenbürger der von Friedrich Barbarossa im 14. Jahrhundert gegründeten Stadt Lodi. Umso mehr war von ihm Pünktlichkeit zu erwarten. Auch deswegen, weil es sich bei den Ereignissen in Lodi um einmalige Geschehnisse handelte, während das Konstanzer Oktoberfest erstens eine lausige Kopie und zweitens ein jährlich wiederkehrendes, feuchtfröhliches Ereignis ist, das drittens genau so gut von Landrat Frank Hämmerle und notfalls sicher auch von Andreas Netzle, dem Kreuzlinger Stadtammann, eröffnet werden kann; wobei viertens anzumerken ist, dass Hämmerle und Netzle, neben Horst Frank, sowieso auf Klein Venedig mit dabei waren, um zur Eröffnung fröhlich grinsend in die Pressekameras zu prosten.
Präsenz beim jugendunfreundlichen Wahnsinn
Die „Süddeutsche Zeitung“ nennt das traditionelle Münchener Oktoberfest, das Original, einen jährlich wiederkehrenden „Wahnsinn“, und man fragte sich in diesen Tagen, wie gesagt, warum sich Horst Frank plötzlich einen solchen Wahnsinn antut. Umso mehr, als dabei absolut jugendunfreundlich ein beliebter Grillplatz an der Seeuferpromenade mit fadenscheinigen Argumenten vorübergehend ausgeschaltet wird, der erst vor ein paar Monaten mit betont jugendfreundlicher Attitüde eingerichtet worden war.
Wenn Christian Ude sachkundig das Fass ansticht
Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass Horst Frank inzwischen einer der Vizepräsidenten des Deutschen Städtetags ist. Damit hat er einen gewissen Christian Ude über sich, den Oberbürgermeister von München. Zu dessen vornehmsten Pflichten gehört die alljährliche Inbetriebnahme des Münchener Oktoberfests. Wobei anzumerken ist, dass zum originalen Eröffnungsritual auf der Theresienwiese ein fachgerechter Fassanstich gehört - und ein zünftiges Sitzfleisch, mit dem Horst Frank auf Klein Venedig wegen seiner bevorstehenden Weiterfahrt über die Alpen ebenfalls nicht aufwarten konnte.
Dieses Jahr sogar das Kinderfest eröffnet
Summa summarum münden die Überlegungen in Sachen Horst Frank zunächst fast zwangsläufig in die Überzeugung, dass es der Mann noch einmal wissen möchte, dass er noch einmal antritt, um eine der attraktivsten Städte Mitteleuropas zu regieren; dass er also noch einmal zum Oberbürgermeister gewählt werden möchte. Dass er dieses Jahr auch das Wollmatinger Dorffest eröffnet hatte, mag aus geografischen Gründen unumgänglich gewesen sein; Horst Frank gehört schliesslich zum Wollmatinger Uradel. Doch Frank hatte diesen Sommer auch das Kinderfest im Stadtgarten eröffnet, wofür er nun wirklich ebenso gut seinen Sozialdezernenten Claus Boldt hätte verpflichten können, auch wenn der der CDU angehört.
Geschmack gefunden an machtvollen Tätigkeiten
Als Horst Frank das Konstanzer Kinderfest eröffnete, wusste er wahrscheinlich noch nicht, dass ihn „der Kretsche“ für den Job als Regierungspräsidiumspräsident ausersehen würde. Aber auch das wissen wir nicht. Denn Horst Frank schweigt nachhaltig. Es gab und gibt aber eine Menge Zeichen und Hinweise darauf, dass Horst Frank längst Geschmack gefunden hat an machtvoller Tätigkeit. Die Tätigkeit als Präsident des grössten Regierungspräsidiums Südwestdeutschlands mit 2800 Beschäftigten im Zentrum von Europas potentestem Wirtschaftsraum mag ihm da gerade noch gefehlt haben. Bild: Frieder Schindele






Lieber Herr Frank,
Sie dürfen natürlich gerne nochmals als Kandidat bei der nächsten OB-Wahl antreten. Allerdings werden Sie höchstwahrscheinlich nicht mehr gewählt werden.
Ne, Ne. Horst Frank wird kein Regierungspräsident, denn der alte bekommt seinen neuen Job nicht.
Ob der OB Festle eröffnet und plötzlich Selbs-Marketing macht, macht ihn noch nicht zum erneuten OB. In seiner letzten Amtszeit ist zu viel schief gelaufen, da hat er zumindest seinen alten Wählerstamm vergrault. Die ihn nicht gewählt hatten, denen zeigte er sich mehr verpflichtet, aber die werden ihn wegen seinem grünen Anstrich auch nicht wählen.
Da werden wir ihn wohl bald wieder als einfachen Anwalt in den Reihen seiner Kollegen wiederfinden oder MP Kretschmann hat noch einen anderen Job frei, denn die Personaldecke der Grünen, nun im politischen Amt, ist wohl noch nicht die beste.