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21. Oktober 2011 | Claus Boldt verscherzt sich letzte Sympathien

OB-Kandidatur: Die Zeichen deuten auf Andreas Renner

Konstanz (gro) Nach dem angekündigten Verzicht von Horst Frank auf eine dritte Kandidatur für das Amt des Konstanzer Oberbürgermeisters weisen die Zeichen, zumindest vorerst, auf Andreas Renner (CDU) hin, das frühere Singener Stadtoberhaupt. Die Zeichen deuten umso mehr auf Renner, als sich Bürgermeister Claus Boldt (ebenfalls CDU) in der jüngsten Sitzung des einheimischen Gemeinderats die so ziemlich letzten Sympathien auch seiner eigenen Parteifreunde verscherzt haben dürfte. Mitte des kommenden Jahres ist nach der Verabschiedung von Horst Frank, der die Stadt dann 16 Jahre regiert haben wird, vom Volk ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. Andreas Renner ist zur Zeit beim Energiekonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) für den Bereich Umweltschutz und Neue Energien tätig.

Blamage für die Stadtverwaltung

Roger Tscheulin, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, setzte sich in der Sitzung am Donnerstag zwar wacker ein, als Claus Boldt in der Kündigungssache gegen Chefarzt Gert Müller-Esch von Jürgen Wiedemann (Neue Linie), Professor Eberhard Roth (ehemals CDU) und Werner Allweiss erneut unter Beschuss genommen wurde. Mit dem saloppen Hinweis, wo sich zwei Juristen zu einem Sachverhalt zu äussern hätten, dürften durchaus drei Meinungen zu erwarten sein, konnte Tscheulin nicht allzu viel zur Bewältigung des konkreten Konflikts beisteuern: Die Feststellung des Regierungspräsidiums, dass Boldt den Gemeinderat unzutreffend unterrichtet hatte, als er die Anhörung des unbequemen Chefarztes als „rechtlich nicht möglich“ klassifizierte, war durch Tscheulins Witzchen nicht aus der Welt zu schaffen.

Noch weniger wurde eine allfällige Konfliktbewältigung dadurch erkennbar, dass Oberbürgermeister Horst Frank nach Schluss der angemeldeten Redebeiträge formlos zur weiteren Tagesordnung überging. Im Raum hängen blieb als Blamage der von Wiedemann und Roth erhobene und vom Regierungtspräsidium bestätigte Vorwurf, dass das Stadtparlament von Boldt über den Tisch gezogen worden war, um eine fristgerechte Kündigung des Chefarztes durchzusetzen. Die Quittung für dieses Fehlverhalten wird nun vom Arbeitsgericht erwartet, vor dem Müller-Esch um seine Rehabiltierung streitet. Nächster Termin (in Radolfzell) ist der 25. Oktober.

Grundlegende Verwaltungserfahrung

Andreas Renner, der sich seine Sporen auch in Konstanz verdiente, hat eine umfassende Ausbildung als Verwaltungsfachmann absolviert, wobei ihn dieser Werdegang bis ins Ministeramt brachte. Als Stuttgarter Landesminister für Gesundheit und Familie war der heute 52-Jähre alte CDU-Politiker allerdings nur 10 Monate, von April 2005 bis Ende Januar 2006, tätig. Als erster baden-württembergischer Minister hatte Renner die Schirmherrschaft des Christopher-Street-Days übernommen. Umstritten innerhalb seiner Partei war Renner auch wegen despektierlicher Äusserungen gegenüber Georges W. Busch („Der gehört abgeschossen.“) und gegenüber dem katholischen Klerus, dem er im Hinblick auf dessen Kritik an der Homosexualität empfahl, sich erst einmal um die Zeugung von Kindern zu kümmern.

Studium und Praktika in Konstanz

Renner, der Bezirks- und Landesvorsitzender der Jungen Union war, studierte nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Stockach Verwaltungwissenschaften an der Universität Konstanz, fand Beschäftigung im Stuttgarter Innenministerium, 1989 bei der Stadt Konstanz, später beim Landratsamt Ludwigsburg, beim Regierungspräsidium Stuttgart und beim Wirtschaftsministerium des Landes. Nach dem Besuch der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg wählte ihn die Singener Bürgerschaft 1993 zum Oberbürgermeister. Renner muss seinen Job gut gemacht haben. Denn bei seiner Wiederwahl 8 Jahre später votierten nicht weniger als 80 Prozent erneut für ihn.

Engelsing dementiert Interesse an Kandidatur

Neben Horst Frank hatte zum Wochenbeginn auch Museumsdirektor Tobias Engelsing jedes persönliche Interesse an einer Kandidatur für das Amt des nächsten Konstanzer Oberbürgermeisters zurückgewiesen. Engelsing galt vielen als Favorit für das kommunale Spitzenamt und war sowohl von Politikern als auch aus der Mitte der Bürgerschaft zu einer Kandidatur ermuntert worden. Bereits früher geäusserte Dementis Engesings waren offensichtlich nicht ausreichend ernst genommen worden. Inzwischen hat der promovierte Historiker präzisiert, er werde „als Kandidat zur kommenden OB-Wahl nicht zur Verfügung“ stehen. Engelsing: „Die vielfältigen Aufgaben als Direktor der städtischen Museen, meine publizistische Arbeit, die Lehrtätigkeit sowie die ehrenamtliche Tätigkeit in mehreren gemeinnützigen Organisationen machen mir immer noch sehr große Freude und bieten ein reiches Arbeitsfeld. Das in Konstanz zu besetzende politische Wahlamt strebe ich deshalb nicht an.“ Bild: Frieder Schindele



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