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24. Oktober 2011 | Gaby Chemnitz-Bunten zum 10. Mal in Moskau

Frühstück mit Blick auf Gorki-Park, Moskwa und Kreml

Konstanz/Moskau (gro) Auf goldbraun gebratene Blini freut sich Gaby Chemnitz-Bunten schon seit Wochen. Die kleinen Pfannkuchen aus Buchweizen, gefüllt mit Tartar oder Kaviar (für „Süsse“ auch mit Schokocreme oder Marmelade), werden im Moskauer „Warszawa“ am Leninskij Prospekt ganz hoch oben serviert, der Frühstücksraum liegt wie ein Penthouse auf dem bei Insidern hoch geschätzten Hotel im Zentrum von Moskau. Man blickt von dort oben auf den über 2 Quadratkilometer grossen Gorki-Park. Die durch die russische Hauptstadt mäandernde Moskwa ist nicht weit, der Rote Platz gerade einmal 30 Gehminuten (oder zwei Metro-Stationen) entfernt. Gleich hinterm Kreml, in der „Arena“ , ist Gaby Chemnitz-Bunten ab morgen 10 Tage lang Teilnehmerin einer internationalen Ausstellung von Künstlerpuppen.

Nur wer die Entstehungsgeschichte kennt…

Die so verblüffend lebensecht wirkenden Designer-Puppen der Konstanzer Künstlerin sind Hauptdarsteller einer umstrittenen Kunstrichtung. Das Schaffen von Chemnitz-Bunten polarisiert. Manche finden es kitschig, was da präsentiert wird, andere sind einfach nur hingerissen. Am ehesten verständlich wird die Arbeit der Künstlerin, wenn man sich mit dem komplizierten und recht aufwendigen Entstehungsprozess der einzelnen Kunststücke auseinandersetzt. Da kann Kreativität auf eine neue Weise nachvollzogen werden: Die Puppen aus Porzellan sind eben tatsächlich und im Wortsinn Geschöpfe der Künstlerin, durch viel Mühe und Arbeit entstanden und am Ende hellwach und voller Leben.

200 Arbeitsstunden für eine Puppe

Die Künstlerpuppen von Gaby Chemnitz-Bunten sind aus feinstem, selbst gebranntem Porzellan. Im ersten Arbeitsgang bildet sich vor dem geistigen Auge der Künstlerin das Bild des Geschöpfes heraus, ein inneres Bild, das dann in einem ersten Arbeitsgang umgesetzt wird in eine Skulptur, geformt aus Plastilin oder Ton. Während der künstlerische Prozess einer Nachbildung an diesem Punkt meist abgeschlossen ist, folgen bei Chemnitz-Bunten weitere Schritte: Die Skulptur dient als (negatives, mehrfach unterteiltes) Kernstück für Hohlformen aus Gips, die mit Portzellanmasse ausgegossen werden. Was dabei herauskommt, wird bei 1200 Grad gebrannt - und verliert dabei rund 30 Prozent seines Volumens. Die gebrannten Teile werden weiter bearbeitet, mit Seide geschliffen und poliert. Farbgebende Lasuren werden bei 800 Grad Celsius aufgebrannt. Hinzu kommen die Ausstattung mit echten Haaren, mundgeblasenen Augen, mit allerlei Accessoires und stilechter Kleidung aus edlen Materialien. Rund 200 Arbeitsstunden gehen auf das Konto einer solchen Künstlerpuppe.


Das Gesicht der Mutter scheint immer wieder einmal durch

Ihre künstlerische Laufbahn begann Gaby Chemnitz-Bunten als Malerin, und bei ihrer vielbeachteten Ausstellung im vergangenen September in Lodi, in der Chiesa dell‘ Angelo, fanden ihre Bilder, die den im wahrsten Sinne des Wortes malerischen Hintergrund für ihre Porzellangeschöpfe bildeten, grosse Beachtung. Doch das Herz der Künstlerin hängt an ihren Puppen, sie haben ihr zudem eine Art Alleinstellung im weiten Umkreis verschafft. Die Puppen entstehen alle nach lebenden Vorbildern. Das können Nachbars Kinder sein, aber auch Bilder, die für immer im Bewusstsein der Künstlerin verankert sind, wie etwa die Gesichter ihrer eigenen Kinder, oder das Antlitz ihrer Mutter, das bei etlichen ihrer Geschöpfe durchscheint.

Ausstellungen in Paris, London und Rotterdam

Der eng begrenzte deutsche Markt für Designer-Puppen veranlasste die Künstlerin schon früh, an spezifischen Ausstellungen teilzunehmen, etwa in Paris, in London (Richmond) und Rotterdam. Dort wurden russische Sammler auf Gaby Chemnitz-Bunten aufmerksam. Und luden sie ein nach Moskau, zur Ausstellung in der renommierten „Arena“, einem Austellungspavillon am Roten Platz, wo die Konstanzerin nun zum 10. Mal präsent ist. Diesmal wird Gaby Chemnitz-Bunten, die ein halbes Dutzend ihrer Porzellan-Geschöpfe zeigt, begleitet von ihrer Tochter Meike, die schon ganz gespannt ist auf die goldgelb gebackenen Blini, und natürlich auch auf den Roten Platz, den Kreml und auf die Moskauer Kunstgalerie unweit des Roten Platzes, die sich neuerdings lebhaft für Porzellanpuppen aus Konstanz interessiert. Bilder: Frieder Schindele

Gaby Chemnitz-Buntens Porzellanpuppen: www.artistdolls.de



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