Heinz Mack mit sensationellen Bildern bei Geiger
Konstanz (gro) Mit seinen in allen Spektralfarben schimmernden Reliefs aus poliertem Metall, Glas und Metallgewebe hat Heinz Mack vor einem halben Jahrhundert die Kunst revolutioniert. Als Erforscher des Lichts, den es mit seinen blitzenden Stelen bis in die algerische Wüste trieb, gründete er 1957 zusammen mit Otto Piene und Günther Uecker in Düsseldorf die Gruppe ZERO und wurde zu einem der weltweit einflussreichsten Künstler. Im März dieses Jahres wurde Heinz Mack 80, und seither malt er wieder. In der neuen Ausstellung der Galerie Geiger am Fischmarkt sind (neben zwei Skulpturen und einem Relief) 16 zum Teil grossformatige Bilder von Heinz Mack zu sehen, 15 davon sind nach dem Geburtstag im März entstanden. Es sind sensationelle Arbeiten.
Claus Boldt und Kurt Werner ahnten die Sensation
Diesmal war die Kunde von grosser Gegenwartskunst bis tief in die Stadtverwaltung vorgedrungen: Gleich zwei Bürgermeister, Claus Boldt und Kurt Werner, kamen zur Vernissage, um Heinz Mack am Bodensee zu begrüssen. Mack hatte bei Geiger zwar schon dreimal ausgestellt, doch diesmal war es auch die 100. Ausstellung der Konstanzer Galerie, die sich damit, wie es so schön heisst, um das kulturelle Leben verdient gemacht hat. Kulturdezernent Boldt erinnerte an etliche namhafte Künstler, die den Konstanzern von der Familie Geiger nahe gebracht worden sind, darünter Klassiker wie Daniel Spoerri, Günther C. Kirchberger oder Georg Karl Pfahler, ferner junge aufstrebende Künstlerinnen wie Marion Eichmann, Birte Horn oder die New Yorkerin Raven Schlossberg. Auch Johannes Dörflinger hat schon bei Geiger am Fischmarkt ausgestellt.
Der Künstler auf dem Weg nach Hongkong
Weder Boldt noch Werner ging es am Eröffnungsabend ums Repräsentieren. Beiden Bürgermeistern war die Begeisterung anzumerken, die sie Mack und seiner Kunst entgegen brachten. Und man erlebte einen putzmunteren, auskunftsfreudigen Künstler, der über sein Schaffen, etwa über die „Conference of coulors“ (so der Titel eines seiner Bilder) gerne und temperamentvoll berichtete. Heinz Mack ist mit seiner Frau im Übrigen bereits weiter gereist nach Hongkong, wo diese Woche eine umfangreiche Ausstellung mit ebenfalls aktuellen Arbeiten aus seinem Atelier eröffnet wird.
Punktgenau zur arabischen Revolution
Sensationell ist an den neuen Bildern von Heinz Mack auch die politische Aktualität, im Hinblick auf die revolutionäre Entwicklung im Maghreb. Assoziationen zu arabisch-islamischen Motiven drängen sich auf, ein „Meditationsbild“ atmet ebenso Spiritualität wie ein Bild ohne Titel, das vom durchbrochenen Fensterschutz eines nordafrikanischen Palastes inspiriert sein dürfte. Die aktuelle Nähe zur Islamischen Kunst kommt nicht von ungefähr, das Licht Nordafrikas, das es auch Mack angetan hat, hat vor knapp 100 Jahren schon August Macke, Paul Klee und Louis Molliet auf ihrer legendären Tunisreise inspiriert. Stephan Geiger hat Heinz Macks Spiel mit dem Licht, dessen Erforschen in der Kunst immer auch ein Erforschen der Farben und Strukturen ist, bei der Ausstellungseröffnung verständlich gemacht. Dieser Künstler, sagte Geiger bewegt sich „im Grenzbereich zweier Kulturen“ und versteht sich als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident.
Das und noch sehr viel mehr ist nachzulesen in einem bestens gelungenen Katalog zur Ausstellung. Sie ist bis 11. Januar 2012 zu besichtigen. Bild: Erich Gropper
www.galerie-geiger.de





