Er war ein streitbarer Zeitungsmacher und Familienmensch
Von Erich Gropper
Es war Anfang Oktober 1981, als mich Werner Schwarzwälder mit dem Auftrag nach Allmannsdorf schickte, über die Beerdigung von Professor Peter Hemmerich zu berichten. Der an der Konstanzer Universität lehrende Biochemiker, der auch eine Zeitlang im Konstanzer Stadtrat sass, war einem Gehirntumor erlegen. Zwei Operationen und eine Serie von Bestrahlungen waren vergeblich gewesen. Hemmerich starb im Alter von noch nicht einmal 52 Jahren. Nach der Rückkehr unterhielten wir uns kurz über die Zeremonie, bei der, gemäss Hemmerichs Verfügung, die Halleluja-Ramblers aufspielten. Werner Schwarzwälder, damals Chef der Konstanzer Lokalredaktion, und ich waren uns einig, dass es ein Skandal ist und bleibt, wenn ein Mensch derart mitten aus dem Leben gerissen wird. Da hilft aller Religionstrost nicht und auch kein Jazz aus New Orleans. Auch Werner Schwarzwälder, der heute auf dem Konstanzer Hauptfriedhof mit einer Trauerfeier verabschiedet wird, ist nun dieses Schicksal widerfahren, auch er wurde mitten aus dem Leben gerissen. Gerade zwei Jahre waren dem ebenso streitbaren wie streitlustigen Zeitungsmacher vergönnt, seinen so genannten Lebensabend zu geniessen.
Mit Durchsetzungsvermögen und Disziplin
Die Heimatzeitung hat Werner Schwarzwälders Verdienste ausführlich gewürdigt, Dieter Wacker, einst einer der beiden Stellvertreter Schwarzwälders während dessen 11-jähriger Amtszeit als Chefredakteur des Blattes, beschrieb in der jüngsten Wochenendausgabe den Werdegang des verstorbenen Journalisten und dessen Charaktereigenschaften. „Der SÜDKURIER verdankt ihm viel“ lautete die Schlagzeile. Wohl wahr! Mit seiner Durchsetzungskraft und mit seinem Faible für Disziplin schaffte Schwarzwälder zur Jahrtausendwende das Kunststück, der Zeitung, das heisst in diesem Falle: der Redaktion, das weltweit wohl modernste und komplexeste Redaktionssystem (von CCI Europe) zu verpassen, das weitere technische Komponenten in die Redaktionsstuben verlagerte.
Mit Streitkultur und Leidenschaft
Während die Bosse ganz oben vor allem Schwarzwälders Durchsetzungsvermögen geschätzt haben dürften, schätzten Kollegen vor allem seine Streitkultur. Ich hatte das Vergnügen, Werner Schwarzwälder, als er noch in der Lokalredaktion arbeitete, fast 10 Jahre lang, Schreibtisch an Schreibtisch, gegenüber zu sitzen. Was haben wir gestritten! Und fanden doch jedes Mal wieder zu einander. Obwohl er der Disziplinierte und ich der so genannte Künstler war, musste ich immer wieder feststellen, dass er am Ende oft der Tolerantere war. Und das Entscheidende war: Er hatte Leidenschaft. Er war ein überzeugter journalistischer Aufklärer. Dazu war er ein Chef, der die Seinen beschützte, wenn sie sich mal zu weit aus dem Fenster gelehnt hatten.
Die wahre Triebkraft war ihm die Familie
Werner Schwarzwälder war stolz darauf, es beim Südkurier vom freien Mitarbeiter und Volontär bis zum Chefredakteur geschafft zu haben. An dieser Stelle sei folgender Hinweis erlaubt: „Speedy“ nannten wir den Werner, wie manche glauben, nicht wegen seiner ersten beruflichen Ausbildung zum Speditionskaufmann, sondern wegen seiner Art sich fortzubewegen. Stets schritt er flott voran, leicht vornübergeneigt, Dynamik ausstrahlend, mit enormem Speed eben. Die wahre Triebkraft aber war ihm die Familie; für seine Familie hatte er Karriere gemacht, weniger für sich selber. Zuletzt schenkten ihm Leni und Nick, seine beiden prächtigen Enkelkinder, besonders viel Freude.
Er wollte sich mehr Zeit nehmen für seine Mutter
Werner Schwarzwälder wurde nur 67 Jahre alt, und das ist ein Skandal. Das Ausmass der Tragödie wird vollends deutlich, wenn man weiss, dass er dieses Frühjahr seine Mutter aus dem Schwarzwald nach Konstanz holte. Die 90-jährige Erna sollte ihm nahe sein, damit er sich besser um sie kümmern könnte. Jetzt, so dachte er, hätte er auch die Zeit dazu. Nun hat die Mutter ihren Sohn überlebt. Da ist es wenigstens ein Trost, dass der Totkranke die letzten Monate im Kreis seiner Familie, mit seiner Frau Sibylle und mit Andreas und Stefanie, seinen Kindern, verbringen konnte. Auch wir Kollegen werden ihn nicht vergessen, und wenn irgendwoher Jazz aus New Orleans zu hören ist, dann fällt uns Werner sofort wieder ein. Bild: Hella Wolff-Seybold






Hallo Erich,
da irrst Du Dich aber in Sachen “Speedy” gewaltig. Dieter Wacker hat exakt folgendes geschrieben: “Bei der Bundeswehr hatte er sich aber auch seinen schnellen Schritt zugelegt, mit dem er im Haus unterwegs war und selbst junge Kollegen auf der Treppe abhängte. „Speedy“ nannte die Redaktionsmannschaft deshalb auch liebevoll ihren Chef.”
Was also gibt es da zu kritisieren??
Grüsse von
Falo
Danke Gelbbaer, hab’s gerichtet!