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2. Januar 2012 | Friedensinitiative in der Theater-Werkstatt

Blutrote Sicht auf die Industrie am Bodensee

Konstanz (gro) „Das blutrote Schwäbische Meer“ lautet der martialische Titel eines Gesprächsabends in der Theaterwerkstatt Inselgasse zum Thema Rüstungsbetriebe am Bodensee. Auch das Datum hat es in sich: Die Veranstaltung der Konstanzer Friedensinitiative steigt an einem Freitag, dem 13. Genauer: am Überernächsten Freitag, im Januar also, um 20 Uhr. Für das Podium angemeldet sind bis jetzt nicht Kontrahenten, sondern zwei Männer, die sich einig sind in der Sache: Jürgen Gräslin, 54, Deutschlands derzeit wohl profiliertester Rüstungsgegner, und Hans Peter Koch, Mitherausgeber der Internetpublikation „Seemoz“. Ob sich auch Repräsentanten der einschlägigen Industrie einfinden, ist noch nicht gesichert; die Repräsentanten sind aber „eingeladen“.

Die Mowag – Grösste Arbeitgeberin im Thurgau

Vor allem im Bodenseekreis, in Friedrichshafen und in Überlingen, haben sich namhafte Rüstungsberiebe etabliert, hinzu kommen einschlägige Firmen in Österreich, in Konstanz und in der nahen Schweiz, wie etwa die Mowag in Kreuzlingen. Die deutsche Bundeswehr hat bei der Kreuzlinger Mowag AG (wie die Konstanzer ATM allerdings am Badischen Meer gelegen) vergangenes Jahr 150 mit Stahlplatten bewehrte Mannschaftstransportwagen (sehen aus wie übergrosse Jeeps) geordert, Stückpreis etwa 1 Million Euro. Sie sind für Afghanistan bestimmt und dienen einer verbesserten Sicherheit der Soldaten, die auf ihren Fahrten mit Minen und anderen Sprengfallen rechnen müssen. Die Mowag an der Kreuzlinger Unterseestrasse ist mit knapp 900 Beschäftigten die grösste Arbeitgeberin im Thurgau.


Sichere Gehäuse für sensible Systeme

Das Beispiel Mowag zeigt die Komplexität des Themas: Rüstungsgüter dienen häufig der Verteidigung. Und die Konstanzer ATM, die unter anderem Computersysteme in besonders sichere, robuste Gehäuse packt, dient nicht nur Gerätschaften, die aufs Zerstören spezialisiert sind. Kunden schätzen Produkte der ATM auch als spezielle Zusatzausrüstung für andere hoch beanspruchte elektronische Teile, die zu Lande, im Wasser, in der Luft und im Weltraum eingesetzt werden.

Der monetäre Aspekt…

Dass es bei der Produktion von Rüstungsgütern auch ums Geld geht, versteht sich von selbst. Der monetäre Aspekt hat aber auch gegensätzliche Wirkung: In der nahen Schweiz wird dieses Jahr an der Grenze massiv abgerüstet - um Geld zu sparen. Zwischen Kreuzlingen und Steckborn gibt das Militär (nach einem Bericht von Christof Widmer in der „Thurgauerzeitung“) vier befestigte Minenwerfer auf, moderne Systeme der Landesverteidigung, deren Bau und Unterhalt Millionenbeträge gekostet hat.


Zwei Festungsminenwerfer sollen erhalten bleiben

Zwei dieser weitgehend unterirdisch angelegten, gepanzerten Anlagen, die auf Laien von aussen wirken wie gedeckelte Wasserreservoirs, sollen gerettet, erhalten und in Schuss gehalten werden. Der Verein „Festungsgürtel Kreuzlingen“ will zwei der fünf Thurgauer Minenwerfer übernehmen. Schweizweit gibt es über 100 dieser so genannten Festungsminenwerfer, die nun alle aufgelassen werden sollen. Nähere Angaben werden vom Schweizer Militärdepartement bislang verweigert.



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