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10. Januar 2012 | Hauptbealstung entsteht anderswo

Die Wahrheit über den Feinstaub

Konstanz (gro) Die Luft ist wieder klar, doch die Verneblung in Sachen Feinstaub geht weiter. Dabei ist das Phänomen Feinstaub samt seiner Folgen so gut erforscht und dokumentiert wie kaum ein anderer Umweltschädling. dornroeschen bringt die Wahrheit über den Feinstaub ans Licht. Dazu gehört, dass Feinstaub jedes Jahr doppelt so viele Menschen vorzeitig tötet wie dies durch Verkehrsunfälle geschieht. Tatsache ist auch, dass die Feinstaubbelastung, die in Konstanz gemessen wird, mit dem heimischen Verkehrsaufkommen wenig zu tun hat. So wird zum Beispiel in Mannheim meistens weniger Feinstaub gemessen als in Konstanz. Dabei ist der Schadstoffausstoss der Verkehrsteilnehmer im Raum Mannheim 10 Mal so gross wie in Konstanz.

Verdichtung durch die von Norden einsickernden Schadstoiffmassen

Das Szenario mit besonders hohen Feinstaubwerten in Konstanz entsteht dadurch, dass Luftmassen bis aus dem Ruhrgebiet, dem Ballungsgebieten Mannheim/Ludwigshafen und dem Mittleren Neckar während so genannter Inversions-Wetterlagen langsam aber ständig aus Norden und Nordwesten gegen den Alpenhauptkamm fliessen. Dabei verdichten sich die Luftschadstoffe auch im Thurgau bis hinein in die Region um Konstanz. Das führt zu geradezu grotesken Messwerten: Weitläufige grüne Wiesenlandschaften im Thurgau leiden dann unter höchster Feinstaubbelastung; ausgerechnet im allgäuer Lufkurort Isny werden dann massive Überschreitungen der Feinstaubwerte gemessen; Konstanz avanciert dann zu der durch Feinstaub meistverschmutzten Stadt im Lande Baden-Württemberg (wie zuletzt Ende Januar 2006, als an 17 Tages des ersten Jahresmonats nicht weniger als 17 Tage mit massiver Überschreitung der Feinstaub-Grenzwerte registriert wurden).

Die nächste Feinstaubperiode kommt bestimmt

Die nächste Feinstaubperiode dieses Winters kommt bestimmt. Grossflächige Geschwindigkeitsbeschränkungen könnten die Belastung etwas absenken. Ein entsprechendes Tempolimit (höchstens 80 km/h auf Autobahnen) in der Schweiz brachte in den vergangenen Jahren einen Rückgang des Feinstaubbelastung um einige Prozentpunkte. Es bringt also nachweislich etwas, den Verkehr langsamer, dafür aber flüssiger voranzubringen. Kein Wunder, dass Experten Verkehrs- und Parkleitsysteme gegen zu viel Abgas in der Luft empfehlen.


Konstanz in vielem vorbildlich

Konstanz hat ein Parkleitsystem, ist darin also vorbildlich im Hinblick auf die Steuerung des innerstädtischen Verkehrsflusses. Vorbildlich in Sachen Umweltschutz ist auch die vom Gemeinderat vor über 14 Jahren vorausschauend beschlossene Abschaffung der Busbuchten und die Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs durch eigene Fahrspuren und die aktive Ampelsteuerung der Busfahrer. Auf rund 90 Prozent der Konstanzer Straßen gilt heute schon permanent Tempo 30. Seit dem Sommer 2006 sind ausserdem mindestens 50 Prozent der Konstanzer Busse mit Filtern ausgerüstet, die 90 Prozent der Rußpartikel zurückhalten.

Was noch zu tun wäre

Man könnte und sollte allerdings noch mehr tun. In der benachbarten Schweiz wurden in den vergangenen Jahren an Tagen mit besonders dicker Luft vermehrt Autofahrer in die öffentlichen Verkehrsmittel gelockt, durch Gratisfahrscheine und ähnliche Vergünstigungen. In einigen Städten Österreichs fahren die Busse an Tagen sehr hoher Feinstaubbelastung kostenlos für jedermann. Der Gemeinderat sollte über seinen Schatten springen und endlich für die möglichst rasche Errichtung eines einfachen, provisorischen Parkhauses (Parkpalette) auf dem Döbele sorgen. Dann könnte die notorisch verstopfte Bodanstrasse von den regelmässigen Staus entlastet werden. Je weniger weit ein Auto fährt, desto weniger Feinstaub produziert es.


Der Feinstaub wird hauptsächlich anderswo produziert

Fakt ist auch, dass Konstanz auf Grund seiner geografischen Lage nahe dem Alpennordrand unter Feinstaub leidet, der vor allem anderswo produziert wird. Dazu noch einmal der Hinweis auf Mannheim. Dort wird allein durch den Verkehr mehr als zehn Mal so viel Feinstaub produziert als in Konstanz. Trotzdem ist in Mannheim regelmässig die Feinstaubelastung nur etwa halb so groß wie in Konstanz. Die Zahlen sind für jedermann nachzulesen (www.umeg.de/messwerte/aktuell).

Konstanz muss sich mit anderen Städten verbünden

Konstanz sollte sich im Verbund mit anderen Städten dafür stark machen, dass in den Ballungsgebieten der Feinstaub besser ausgefiltert wird. In der politischen Praxis bedeutet dies unter anderem, auf eine möglichst schnelle, flächendeckende Einführung von Dieselrußfiltern für Kraftfahrzeuge zu drängen.
Dies wird bislang unter anderem dadurch blockiert, dass sich Bund und Länder einerseits nicht über die kostenträchtige Förderung von solchen Filtern einigen können, sich andererseits, ebenfalls mit Rücksicht auf die Autoindustrie, nicht durchzuringen wissen, Dieselrußfilter zwingend vorzuschreiben.


Doppel so viele Tote wie durch Unfälle

Das Phänomen Feinstaub ist gründlich erforscht, so gründlich und umfassend wie kaum ein anderes Umweltgift. In den USA wurden Hunderttausende von Menschen über viele Jahre hinweg in umfangreichen Langzeitstudien beobachtet. Ähnliche Untersuchungen gibt es in der Schweiz und in Deutschland. Danach gilt es als erwiesen, dass durch die Folgen des Feinstaubs im Jahr etwa doppelt so viele Menschen vorzeitig ums Leben kommen wie bei Verkehrsunfällen. Besonders gefährlich sind die ganz kleinen Partikel. Deshalb gelten in einigen Staaten der USA seit 2003 zusätzliche Grenzwerte für Partikel unter 2,5 Millionstel Meter (µm), während in Europa alles ein einziger Feinstaub ist, was 10 µm oder kleiner ist. Dieselruß aus modernen Motoren besteht zu einem großen Teil aus jenen ganz kleinen Partikeln, die in einem geschwächten Organismus Krebs auslösen können.

Staub nimmt ab, Feinstaub nimmt zu

Fakt ist auch, dass in Deutschland die Staubproduktion insgesamt während der vergangenen 45 Jahre um sagenhafte 95 Prozent abgenommen hat. Doch hier fällt vor allem der grobe Staub im wahrsten Sonne des Wortes ins Gewicht, nicht aber der kaum sichtbare Feinstaub, der zum Teil sogar zugenommen hat. Zur Unübersichtlichkeit der Situation tragen selbst Behörden bei. So verwahrte sich das Regierungspräsidium Freiburg im Juni des Jahres 2005 gegen die Vermutung, es arbeite an einem Aktionsplan wegen Feinstaubs.

Erst wenn es zu spät ist

Die Oberbehörde im Breisgau ist zwar zuständig für solche Pläne. Die damit befassten Beamten halten es aber für falsch, solche Pläne zu machen, bevor die zulässige Gesamtzahl von 35 Überschreitungstagen mit jeweils über 50 Mikrogramm Feinstaub übertroffen ist: „Würde das Regierungspräsidium …. im Zuge eines Luftreinhalte- bzw. Aktionsplanes beispielsweise einschneidende Maßnahmen zur Verkehrslenkung treffen oder Verkehrsverbote aussprechen, … würde das Regierungspräsidium ohne Rechtsgrundlage in die Rechte Dritter eingreifen.“ Mit andern Worten: Geplant und verordnet wird erst, wenn es zu spät ist.

Das Verständnis der Autofahrer

In der Schweiz hatte es im Vorfeld der oben genannten Geschwindigkeitsbegrenzung eine ähnliche Situation gegeben. Doch weil sich der für die Autobahnen eigentlich zuständige Bund nicht entschließen mochte, taten sich vor fünf Jahren 12 Deutschschweizer Kanone zusammen und verordneten gemeinsam Tempo 80. Die Autofahrer, am Schutz der Umwelt durchaus interessiert, halten sich in Zeiten hoher Feinstaubbelastung fast geschlossen daran, ein klares Indiz dafür, dass die Maßnahme verständnisvoll akzeptiert wird. Bild: Frieder Schindele




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Ein Kommentar

  1. 1. Bauigel

    Feinstaub = Autoverkehr. Mit dieser populistisch-einfachen, aber leider nicht ungefährlichen Maxime argumentieren einige demagogisch erscheinende Gruppierungen in Konstanz.
    Der Feinstaub entspringt leider nicht nur dem Autoverkehr, sondern, und da wird sicherlich bald dagegen gewettert, auch dem ach so „umweltneutralen“ Hausbrand mit HOLZ.

    Solche Besserwisser-Juntas, wie z. B. um den „Großen Führer für alle Umweltbereiche“ Dr. Günther Schäfer und Konsorten, die in der kruden Postille „see-moz“ hochgejubelt werden, versteifen sich augenscheinlich aus politischen und verschleiernden Gründen ausschließlich auf den Autoverkehr.
    Es scheint solchen “Umwelt-Kriegern” das Interesse an der allgemeinen Problematik des Feinstaubes offensichtlich nur der Bereich des Autoverkehrs zu interessieren. Denn die anderen „Schuldigen“ am Feinstaub passen da nicht ins politische Konzept.

    Zur Unterstützung dieses Gedankenzuges hier z. B. eine Quelle vom Umwelt-Bundesamt: …..Die mehreren Millionen kleinen Holzfeuerungsanlagen stoßen in Deutschland insgesamt etwa soviel gesundheitsschädlichen Feinstaub aus, wie die Motoren von Pkw, Lkw und Motorrädern……

    Man möge sich an bestimmte rußende alte Lieferfahrzeuge erinnern, welche in Konstanz von so manchen „Schein“-Umwelt-Heiligen benutzt wurd. Wer in solchen qualmenden Diesel-Kisten sitzt, sollte nicht mit unrichtigen bzw. unvollständigen, aber nervenden Argumenten anderen Bürgern auf den Keks gehen!
    Manch dieser Gurus sollte den Rat beherzigen: Schuster bleib bei deinen Säften.

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