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12. Januar 2012 | Als die Rüstung noch wirklich ein Problem war

Einst drohten Polaris-Raketen in der Bodenseelandschaft

Konstanz (gro) Mit blutroter Sicht auf Rüstungsbetriebe am See warten Hans-Peter Koch und Jürgen Grässlin morgen Freitag auf in der Theaterwerkstatt Inselgasse. Für 6 Euro Eintritt können Rüstungsgegner und solche, die es werden wollen, erleben, wie zwei militante Friedensbewegte ihre Meinung darlegen über Fabriken, in denen Produkte entstehen, die auch weitab von Konstanz deutschen Soldaten zur Verteidigung dienen. Vor knapp 51 Jahren ging es heisser her. Damals drohten Polaris-Raketen in der Bodenseelandschaft aufgestellt zu werden. Der Informationsabend am Freitag, dem 13. Januar, der um 20 Uhr beginnt, wird umrahmt durch eine Lesung der Schauspielerin Julia Philippi.

Als Erwin Reisacher auf eigene Faust ermittelte

Einer der engagiertesten Konstanzer Rüstungsgegner in den frühen 60-er Jahren hiess Erwin Reisacher (1924 bis 1993). Er war Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und SPD-Stadtrat in Konstanz. Als Reisacher davon erfuhr, dass am Bodensee mit Atomsprengköpfen bestückte Mittelstreckenraketen aufgestellt werden sollten, gab er sich nicht mit offiziellen Dementis zufrieden, sondern ermittelte auf eigene Faust. Dabei wurde er am Fusse des Heiligenberges fündig: In Gesprächen mit Bauern stellte sich heraus, dass Beamte des Bonner Verteidigungsminsiteriums bereits etliche Parzellen der landwirtschaftlich genutzten Flächen vermessen und auch schon Ankäufe solcher Areale in Aussicht gestellt hatten.


Zuerst drohte „Landesverrat“, dann kam die Beschattung

Der vor über 18 Jahren verstorbene Reisacher handelte sich seinerzeit durch seine Aktivitäten unter anderem den Vorwurf des Landesverrats und die zeitweilige Beschattung durch den Verfassungsschutz ein. Die Raketen aber kamen nicht, wie wir alle wissen. Bekannter als durch sein Engagement gegen Raketenstellungen und Atomwaffen wurde Reisacher wegen seines Protestmarsches durch Gärten von Villenbesitzern am Konstanzer Bodenseeufer. Mit dieser Aktion trug er in den 70-er Jahren entscheidend bei zur Beschleunigung des immer wieder hinausgezögerten Projekts „Seeuferweg“, das heute allen Bürgern fast überall den Zugang zur Bodensee-Wasserkante sichert.

Quelle: Erwin Reisacher: “Steinige Wege am bodensee”, Eigenverlag des Arbeitskreises für Regionalgeschichte 1994. ISBN 3-7977-0290-6



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2 Kommentare

  1. 1. Bauigel

    Um einen gewissen Ausgleich zu der bedrohlichen Überschrift „Einst drohten Polaris-Raketen in der Bodenseelandschaft“ zu bewirken, möchte man die folgende Überschrift „Einst bedrohten auch Sowjet-Raketen die Bodenseelandschaft“ zur ausgleichenden Balance des gegenseitigen Schreckens hinzuschreiben.

    Nichts sollte man in einer nur ideologisierten Einseitigkeit sehen.

    Es bleibt nur noch die Frage offen: Hätte es auch U-Boote im Bodensee gegeben?

  2. 2. ErloeserPrinz

    Ja der gute Erwin,
    wer ihn kannte, hatte einen Aktivisten für jegliche Ungerechtigkeit erlebt. Schade, dass dieser Mensch viel zu früh von uns gegangen ist. Eine Konstanzer Institution, nach dem man gewiss diesen Uferweg benennen sollte. Im Übrigen ist Erwin mit seinen Mannen an jenem 1. Mai nicht so ohne weiteres über die Grundstücke der Anlieger gelaufen, sondern er hatte vor, bei Niedrigwasser vor den Anliegergrundstücken (hier ist jetzt der Seeuferweg) entlang zu laufen. Gelegentlich stand doch noch das Wasser bis an den Grundstücken. Hier benutzte er die Ufermauer um trockenen Fußes weiter zu kommen. Jedoch hatte er nicht mit der Widerstand eines Eigentümers gerechnet, der die Protestler mit seinem Gartenschlauch von seinem Grundstück spritzen wollte.

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