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27. Januar 2012 | Gutachten zur Begehbarkeit des Münsterplatzes

Viel besser wäre ein Tagesausflug in die Partnerstadt Lodi

Konstanz (gro) Ein Gutachten soll zeigen, wie sich der Konstanzer Münsterplatz begehbar machen lässt. Besser wäre es, der Technische Ausschuss würde umgehend einen Tagesausflug nach Lodi machen. Der zentrale Platz in der lombardischen Partnerstadt zeigt seit Hunderten von Jahren, wie zu bewerkstelligen ist, was viele Konstanzer seit ein paar Jahren vergeblich fordern. Die ähnlich gepflasterte Piazza della Vittoria di Lodi ist von glatten Pisten durchzogen, die von Fussgängern, Müttern mit Kinderwagen, von Rollstuhlfahrern und gelegentlich auch von Radfahrern genutzt werden. Diese bequem begehbaren Streifen werden von grossen, behauenen Steinplatten gebildet. Sie dienen nicht nur der Bequemlichkeit, sondern auch der Dekoration, der Ausschmückung und Fassung eines grossen Pflasterfeldes. Solche Streifen aus grösseren Platten sind im Übrigen typisch für viele mittelalterliche Kirchenvorplätze in Italien.

Auch der Petersplatz ist dekorativ eingefasst

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten, im Falle der genannten Kirchenvorplätze sei aber darauf hingewiesen, dass die Piazza della Vittoria in Lodi 2004 in die Liste der schönsten Plätze Italiens aufgenommen wurde, wobei das Sehnsuchtsland (nicht nur) der Deutschen mit den schönsten Stadtmittelpunkten der Welt aufwarten kann. Zum Beispiel mit dem Petersplatz vor der Hauptkirche der Christenheit. Auch der Platz vor dem Petersdom ist von gut begehbaren Streifen aus Steinplatten durchaus dekorativ durchzogen und gesäumt.

Im Mittelalter fehlte das nötige Geld

Nun mag man einwenden, dass ein grossflächiges Pflastersteinmeer ohne dekorative Einfassung eben typischer deutsch sei - im Gegensatz zur Ausformung solcher Plätze in italienischen Gefilden. Nicht nur bei dornroeschen.nu würde man aber jede Wette eingehen, dass auch der Konstanzer Münsterplatz schon vor Jahrhunderten dekorativer (und damit der Bequemlichkeit dienender) gefasst worden wäre, wenn dafür das nötige Kleingeld zur Verfügung gestanden hätte.

Pflastersteine mit dem Schwerpunkt nach oben

Der tatsächlich wunderschön wirkende, neu entstandene Platz halbrund ums über 800 Jahre alte Konstanzer Münster gezogen, ist im Übrigen eine historische Täuschung. Im Gegensatz zur Gepflogenheit im Mittelalter (und auch in Lodi, wo der rein romanisch gebliebene Dom erst ein halbes Jahrhundert später gebaut wurde), sind die aus dem Altrheintal stammenden Steine so eingepflastert, dass die grösste Fläche nach oben zeigt, also mit dem Schwerpunkt nach draussen. Das sorgt zwar für eine etwas homogenere Lauffläche, wird aber erkauft durch Instabilität: An vielen Stellen lockert sich das Pflaster schon nach kurzer Zeit. Das für 30.000 Euro (!) nachträglich eingekaufte „Projekt abschleifen“ entlang der Aussenkanten des Platzes hat sich als Schildbürgerstreich entpuppt: unzureichend und unnütz, wie das jeder Rollstuhlfahrer bescheinigen wird.

Zusätzlicher Charme fürs Konstanzer Münster

Das Konstanzter Münster ist zwar nicht wie der Dom zu Lodi von Baumeistern der (romanischen) Schule Giovanni Antonio Amadeos aus einem Guss erbaut worden. Das Münster ist aber doch eine ausserordentlich ansehnliche Kirche. Eine etwas dekorativere Einfassung des weit verzweigten Vorplatzes würde ihr nichts nehmen von ihrer Grossartigkeit, sondern ihr zusätzlichen Charme verleihen – auch wenn sich die umgebenden Häuser dann vielleicht etwas zurück gesetzt fühlen werden. Bilder: Erich Gropper



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Ein Kommentar

  1. 1. ErloeserPrinz

    Das kommt raus bei der jahrzehntelangen Städtepartnerschaft auf Bürgers Kosten:

    Ich fürchte, dass die Aktivisten von der Rathausspitze bis zum Stadtrat Blindekuh in Lodi spielen. Vielleicht haben die Reisenden aus Konstanz ein Multikulti-Problem, dass die Italiener in Sachen Städtebau um Nasenlängen voraus sind bzw. die besseren Designer sind. Und der Bürger meint, dass Städtepartnerschaften sich gegenseitig befruchten. Vielleicht reicht es mal gerade zu gegenseitigen Weinproben.

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