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24. Februar 2012 | Gutachten zur NS-Vergangenheit von Bruno Helmle

Schnäppchenjäger und ganz normaler Schwindler

Konstanz (gro) Bruno Helmle (1911 bis 1996) hat 1943 in Mannheim „In grossem Umfang“ Möbel und Haushaltsgegenstände aus beschlagnahmtem jüdischem Vermögen zu Schnäppchenpreisen aufgekauft. Dies fördert ein Gutachten zu Tage, das von drei Historikern ausgearbeitet wurde. Helmle, der ehemalige Konstanzer Oberbürgermeister (1959 bis 1980) und Ehrenbürger der Stadt, wird von den Professoren Lothar Burchardt und Wolfgang Seibel im Einklang mit Stadtarchivar Jürgen Klöckler ausserdem als Schwindler entlarvt: Helmle hat – wie unzählige andere auch - nach 1945 seinen Lebenslauf geschönt. Aus dem Gutachten geht nach einer ersten Durchsicht ferner hervor, dass es sich beim „Schönen Bruno“ zwar um einen Mitläufer handelte, dass der überzeugte Katholik andererseits Konflikten mit den damaligen Machthabern nicht aus dem Weg ging.

Jeder kann sich ein Bild machen

Die Stadtverwaltung hat das Gutachten über Helmle ins Internet gestellt. Über www.konstanz.de kommt man übers Internet-Portal der Stadt ans Gutachten heran. Ganz oben findet sich der Link zum Gutachten. Diese wissenschaftliche Arbeit ist kommenden Donnerstag Grundlage für eine breit angelegte Diskussion im Gemeinderat (Haus zum Thurgau, Kanzleistrasse, ab 16 Uhr). In der Bredouille befinden dürfte sich vor allem die CDU. Bruno Helmle war schliesslich Christdemokrat. Die CDU dürfte sich verpflichtet fühlen, am Donnerstag die positiven Seiten Helmles heraus zu kehren.


Helmle gehört zu den wenigen Entlasteten

In einem umfangreichen Fazit der damaligen Besatzungsmächte zum Thema Entnazifizierung, herausgekommen im Jahre 1952 - auch das geht aus dem Gutachten der drei Historiker hervor - wird Bruno Helmle als „unbelastet“ klassifiziert. Aber nicht als Einer von Vielen. Sondern als Einer der Wenigen von 250.000. Mit anderen Worten: Es gibt amtliche Unterlagen, die uns Bruno Helmle unter anderem nicht nur als Schnäppchenjäger jüdischen Vermögens darstellen, sondern auch darauf aufmerksam machen, dass Helmle womöglich zu den gerade einmal 0,1 (!) Prozent badischer Entscheidungsträger gehörte, die sich mit den Nationalsozialisten auch einmal anzulegen wagten.




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