Meister der konkreten Täuschung
Karlsruhe/Konstanz (gro) Der graubärtige Künstler in erregter Diskussion mit einem Fototografen: Konkrete Kunst kann aufregend sein, jedenfalls dann, wenn der Künstler Hans Jörg Glattfelder heisst. Seine neuesten Arbeiten sind perfekte optische Täuschungen: absolut planflache Objekte, die zwar ordentlich an der Wand hängen, aber wie sanft flatternde Tücher wirken. Der Zürcher Künstler, der in Paris lebt, wird auf der art Karlsruhe von der Konstanzer Galerie Geiger präsentiert. Glattfelder, 71, ist einer der Stars auf der einzigen grossen Kunstmesse im deutschen Südwesten. Die art Karlsruhe, die Internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst, die am Donnerstag fürs Publikum geöffnet wurde, dauert noch bis Sonntagabend.
Eigens für die Kunstmesse geschaffen
Seine neuen Arbeiten hat Hans Jörg Glattfelder, eigens für den Auftritt in Karlsruhe geschaffen. Mit seinen ebenfalls „täuschenden“, aber statuarisch liegenden Rauten, ist Glattfelder bereits seit einiger Zeit bei Geiger am Konstanzer Fischmarkt vertreten. Mit seinen neuesten Arbeiten, seinen „synthetischen Reliefs“, hat der aus der Schweiz stammende Künstler, wie ihm von Kritikern bescheinigt wird, eine neue Dimension der Konkreten Malerei aufgeschlagen. Die Arbeiten Glattfelders waren bereits vor der offiziellen Eröffnung der Kunstmesse verkauft. Glattfelder ist ein weltläufiger Künstler, der in Rom, Florenz, Mailand und New York lebte und arbeitete. Besonders inspiriert wurde er von Antonio Calderara. Glattfelder wie der Calderara (gestorben 1978) haben ihre Länder bei Biennalen in Venedig vertreten.
Mehrfaches Strahlen der Marion Eichmann
Neben Glattfelder präsentierten die Geigers einige ihrer Lieblingskünstler. Heinz Mack war mit einigen ausgewählten neuen Bildern dabei, hinzu kamen Arbeiten von Christian Megert und Rupprecht Geiger. Zu studieren war ferner unter anderem ein grossformatiges Bild der famosen jungen Zeichnerin Marion Eichmann, einer Künstlerin, die so charmant zu strahlen weiss wie kaum eine andere Kunstschaffende unserer Tage. Daran mag es wohl gelegen haben, dass ein Portrait von ihr auf die Titelseite des offiziellen Messeprospekts gelangte. Marion Eichmann, die bei Geigers in Karlsruhe immer wieder mal vorbei schaut, studierte an der Kunsthochschule Berlin Weissensee bei Professor Gotenbach, machte sich Metropolen wie Istanbul und Chicago zeichnerisch zu eigen und zog jeweils ein Jahr in ebensolcher Mission durch Afrika und Asien. Bild: Erich Gropper






Der geneigte Betrachter der Glattfelder’schen Bilder wird ohne viel Zögerns an die Werke des großartigen Victor Vasarely (1906-1997) erinnert. So neu ist die Idee der Täuschung mit planflachen Objekten dann doch nicht. Da “malt” der andere Diskutant auf dem obigen Foto (Achim Mende) mit seinen Bildern aus luftigen Höhen bis dato weniger bekannte Perspektiven. Deshalb wohl auch die erregte Diskussion - Aber über Kunst und Kommerz, lässt sich immer trefflich streiten.
Ich wünsche - wie stets - einen erfolgreichen Tag
heute mit viel Inspirationen für neue Perspektiven.