Jürgen Norbert Baur: „Taten statt weiterer Diskussionen!“
Konstanz (gro) Sieben Jahre Diskussion sind genug, findet Jürgen Norbert Baur. Als Sprecher des Konstanzer Einzelhandels fordert er in einem offenen Brief endlich Taten zur Lösung altbekannter Verkehrsprobleme. Das Schreiben, das sich an Stadtverwaltung und Gemeinderat richtet, kam punktgenau zum so genannten Mobiltätsforum, das am vergangenen Wochenende veranstaltet wurde. Dabei kamen Konstanzer Bürger die Möglichkeit, sich zu informieren, sich zu äussern, Kritik zu üben und Anregungen zu geben. Die Veranstaltung in der Ellenrieder-Turnhalle wurde von auswärtigen Fachkräften moderiert. Ein späteres Mobilitätsforum wird sich den Verkehrsproblemen auf der anderen Seite des Rheins widmen.
„Schweizer nicht problematisch, sondern willkommen“
Grossen Unmut hat bei Baur und seinen Mitstreitern ein Interview im Vorfeld des Mobiltätsforums ausgelöst. Dabei war im „Südkurier“ eine als Moderatorin verpflichtete Fachfrau zu Wort gekommen, die den anhaltenden Zustrom von Schweizer Kunden als das Hauptproblem bezeichnete, wenn es in Konstanz immer wieder zu Verkehrsproblemen komme. Baur ist schlichtweg entsetzt über eine solche Argumentation. Die Kundschaft aus der Schweiz sei nicht problematisch, sondern hochwillkommen, ja ein Segen für Stadt. „Wir sollten sie deshalb willkommen heissen.“ Dazu gehöre es, Lösungen anzubieten, wenn der Verkehrsinfarkt droht.
Politische Manöver verhinderten Döbele-Parkhaus
Jürgen N. Baur erinnert an das vergebliche Bemühen, auf dem Döbleplatz ein Parkhaus zu errichten. Für das Projekt war vor bald 10 Jahren eine Mehrheit im Gemeinderat gefunden worden. Doch einige Jahre später fiel das Parkhaus, selbst eine provisorische Variante, einem politischen Manöver zum Opfer: Als sich die FWG überraschend auf die Seite von SPD und Freien Grünen schlug, gab es am Ende doch noch eine Mehrheit für die Ablehnung. Mehrfach aufgegriffen wurden alte Planungen für ein Parkhaus am Lutherplatz. Sie sind nicht vorangekommen.
Nur am Lago sollen neue Stellplätze entstehen
Nur am Lago-Einkaufs-Center können demnächst neue Stellplätze entstehen, in einem Anbau an der Südseite des Komplexes. Doch mehr Parkplätze werden es nicht, es geht nur darum, de facto schon vorhandene Stellplätze auf dem dortigen Brachgelände in einem Anbau unterzubringen. Da wegen des Neubaus trotzdem mit einem verstärkten Zustrom an Autofahrern gerechnet werden muss, wird jetzt der Bahnhofplatz zu einer Begegnungszone umfunktioniert. Sie soll Autofahrer abschrecken, die nicht unbedingt um die Altstadt herum fahren müssen, um ihre Ziele zu erreichen.
Es geht um den Einzelhandel im historischen Zentrum
Baur geht es nicht zuletzt um den Einzelhandel in den Strassen und Gassen des historischen Zentrums. Die Umsätze zahlreicher Betriebe, darunter viele kleine Läden, sind durch die Verlagerung der Kundenströme in Richtung Lago gefährdet. Weil es im Nahbereich der Haupteinkaufsstrassen (Marktstätte, Rosgartenstrasse sowie Hussen- und Wessenbergstrasse) viel zu wenig Parkplätze gibt, kommt dort ein Teil der potenziellen Kaufkundschaft ganz einfach nicht an.
Leidenschaftliches Plädoyer
Baurs offener Brief ist ein leidenschaftliches Plädoyer, sattsam bekannte Probleme nicht länger zu bereden und zu verhandeln, sondern sie endlich mit Tatkraft und Sachverstand zu lösen, auch frei von allen Ideologien. Denn die Lösungsmöglichkeiten sind ebenfalls sattsam bekannt. Schliesslich und endlich gehe es ja nicht um das abstrakte Wohl des Einzelhandels, mahnt Jürgen N. Baur, sondern ganz konkret um Tausende von Arbeitsplätzen und um eine Menge Gewerbesteuer für die Kassen der Stadt. Bild: Frieder Schindele





