Zwölf Anklagepunkte wegen Betrugs und Untreue
Konstanz/Mannheim (gro) 12 Punkte umfasst die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Mannheim, die mehrere Jahre gegen den ehemaligen Konstanzer Rechtsanwalt Wolfgang Horn, 56, ermittelte. Die Spezialisten für Wirtschaftskriminalität listen 7 Betrugsfälle und 5 Fälle wegen Untreue auf, darunter auch die Veruntreuung von Mandantengeldern. Ins Rollen brachte den Fall der ehemalige Konstanzer Bauunternehmer Rolf Dittus durch eine Strafanzeige im Jahre 2007. Die Ermittlungen, die zuerst in Konstanz liefen und 2008 nach Mannheim abgegeben wurden, wurden mehrfach, zum Teil Monate lang, unterbrochen. Mit der nun fertig gestellten Anklageschrift wird ein Schaden von über 1 Million Euro in Zusammenhang gebracht. Die Anklage erfasst allerdings nur einen Bruchteil dessen, was Horn von Geschädigten insgesamt zur Last gelegt wird.
Vermutlich in der Villa Elysium am Dresdner Elbufer
Der genaue Aufenthaltsort Horns ist nicht bekannt, die Anklageschrift wird Horn über Siegfried Kauder zugestellt, der den Angeklagten seit einigen Jahren anwaltlich vertritt. Siegfried Kauder, der Bruder von CDU-Generalsekretär Volker Kauder, ist im Hauptberuf Bundestagsabgeordneter der Christdemokraten. Es wird vermutet, dass Horn derzeit in Radebeul für eine Schweizer Treuhandgesellschaft tätig ist. Der inzwischen mit einem Berufsverbot belastete Jurist legte sich zumindest vorübergehend den Nachnamen Homm zu und lebt vermutlich mehr oder weniger anonym in einer Wohnung innerhalb der Villa Elysium nahe dem Dresdner Elbufer. Diese Wohnung ist von einer Gesellschaft namens Seneca angemietet, hinter der vermutlich die oben erwähnte, in Weinfelden beheimatete Treuhandgesellschaft steckt.
Mit Immobilien und aufwändigem Lebenstil
Wolfgang Horn, der nach ersten Anfängen am Bodensee unmittelbar nach dem Mauerfall in den neuen Bundesländern gross ins Immobiliengeschäft einstieg, scheiterte mit diesen Projekten - auch angesichts seines aufwändigen Lebensstils. In seiner Geldnot suchte Horn Zuflucht in Betrügereien und anderen krummen Geschäften. Zudem tat er sich zusammen mit mindestens einem international agierenden Gauner aus Izmir, mit dem er das „Bankhaus Konstanz“ in der ehemaligen Villa Seeheim „gründete“, Kreditsuchende hereinlegte und auch noch die Bezirkssparkasse Reichenau in seine Machenschaften mit hineinzog.
Am Ende dürften es 5 Millionen Euro sein
Wann es in der Sache Horn zur Hauptverhandlung vor dem Landgericht Mannheim kommt, ist noch unklar. Angesichts dringender Fälle und angesichts der anhaltenden Personalnot, hält es der zuständige Staatsanwalt für „durchaus denkbar“, dass es damit „dieses Jahr nicht mehr“ reiche. Bis dahin könnte sich die Schadenssumme, mit der sich Wolfgang Horn letzten Endes konfrontiert sieht, auf insgesamt gut 5 Millionen Euro anreichern.





