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30. April 2012 | Führung am 1. Mai im Rosgartenmuseum

Von „echten“ Konstanzern und allerlei „Zugloffenen“

Konstanz (gro) „Echte” Konstanzer, so kann man in eingeweihten Kreisen erfahren, haben einen Stammbaum, anhand dem sich die Zugehörigkeit zum Bürgertum der Stadt mindestens 400 Jahre zurückverfolgen lässt. Ruf, Schreck oder Spengler sind Namen alteingesessener Familien. Dazu gehören die Leiners, die vor über 400 Jahren aus dem St. Gallischen nach Konstanz. Ein Nachfahre, Ludwig Leiner, gründete 1870 im ehemaligen Zunfthaus der Metzger das Rosgartenmuseum. Genau dort geht es am 1. Mai in einer Sonderführung um „echte“ Konstanzer und „Zugloffene“. Die Aufklärungsarbeit übernimmt der Historiker David Bruder.

Wenn die „Zugloffenen“ stören…

Wer heute in eine andere Stadt ziehe, werde automatisch Bürger dieser Stadt, auch wenn er nach süddeutscher Redensart ein „Zugloffener” bleibe, heisst es in einem kurzen Vorbericht des städtischen Presseamts im Hinblick auf die Sonderführung am Dienstag. Die Führung bekommt angesichts der in der unmittelbaren Nachbarschaft neu aufgeflammten, kontroversen Debatte über störende Deutsche eine unerwartete Aktualität, und zwar durch Äusserungen der Schweizer Nationalrätin Natalie Rickli, 43. Die aus Winterthur stammende Politikerin, die der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) angehört, wandte sich vor wenigen Tagen unter anderem in einem Fernseh-Interview gegen den Zustrom aus Deutschland. Sie habe nichts gegen den einzelnen Deutschen, sagte Rickli, doch störend sei deren Masse.


Wie man Neuankömmlinge einst in Schach hielt

Vielleicht sollte auch Natalie Rickli am 1. Mai ins Konstanzer Rosgartenmuseum kommen. Sie würde dabei erfahren können, wie man in Konstanz dereinst Neuankömmlinge in Schach hielt. Noch im 19. Jahrhundert wurde getrennt zwischen Alt- und Neubürgern, und die Tatsache, dass es zwischen diesen Gruppen immer wieder zu erbitterten Streitereien kam, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Altbürger Rechte hatten, die den Neubürgern vorenthalten wurden.

In der Schweizer Nachbarschaft bis heute ein Hürdenlauf

David Bruder wird aber nicht nur über Misshelligkeiuten im alten Konstanz berichten, sondern auch darüber, wie aus „Zugloffenen“ echte Konstanzer werden konnten. Diese Zeiten liegen zwar weit zurück, doch schon in Kreuzlingen müssen Neubürger, vor allem dann, wenn sie aus Deutschland stammen, bis heute einen ansehnlichen Hürdenlauf absolvieren – obwohl es Schweizern immer leichter gemacht wird, sich in deutschen Landen niederzulassen. Bild: Frieder Schindle

Die Sonderführung im Konstanzer Rosgartenmuseum am 1. Mai beginnt um 14 Uhr.




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