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6. Juni 2012 | Josef Siebler wird Pressesprecher der Stadtwerke

„Die Heimatzeitung verliert ihr Gedächtnis“

Konstanz (gro) Josef Siebler verlässt den „Südkurier“ und wird Pressesprecher der Stadtwerke. Damit kehrt der letzte alte Hase der Konstanzer Lokalredaktion der Heimatzeitung den Rücken. Das Blatt verliert mit Siebler, der vergangenen März 51 Jahre alt geworden ist, nicht nur einen exzellenten Kenner der Konstanzer Kommunalpolitik, sondern auch einen zuverlässigen und neugierig gebliebenen Redakteur mit vielen Interessengebieten, einen Journalisten, der stets gründlich recherchiert und einen uneitlen, klaren Schreibstil pflegt. „Die Heimatzeitung“, sagte ein Kollege Sieblers gestern, „verliert langsam, aber sicher ihr Gedächtnis.“ Bei den Stadtwerken freut man sich. „Wir sind hochzufrieden“, sagte Stadtwerkechef Kuno Werner. „dass es uns gelungen ist, Siebler für uns zu gewinnen.“ Siebler wechselt die Fronten nicht sofort, sondern erst in einigen Monaten: Er wird seinen Dienst bei den Stadtwerken im Herbst dieses Jahres antreten.

Siebler wird erst zum Herbst freigegeben

Josef Siebler, der beim „Südkurier“ volontierte, dürfte gut ein Vierteljahrhundert bei dieser Zeitung beschäftigt sein. Bevor er nach Konstanz kam, arbeitete er in der „Südkurier“-Lokalredaktion Triberg. Sein besonderes journalistisches Interesse galt dem Umweltschutz im weitesten Sinne, ferner sozialen und naturnahen Themen. Dazu passte die journalistische Begleitung der Stadtwerke, dem stadteigenen Unternehmen für Energiewirtschaft, Bäder sowie Nah- und Schiffsverkehr. „Wir hatten mit Josef Siebler über viele Jahre hinweg einen fairen und bestens informierten journalistischen Partner, der uns von Fall zu Fall auch durchaus kritisch sah“, sagte Kuno Werner. Siebler wird Nachfolger von Silke Rockenstein, die in die Industrie wechselt. Man hätte Siebler gerne sofort eingestellt, heisst es bei den Stadtwerken. Doch das Konstanzer Medienhaus besteht anscheinend auf der Einhaltung der Kündigungsfristen; Siebler kann jedenfalls erst im Herbst bei den Stadtwerken mit seiner Arbeit beginnen.


Holtzbrinck-Konzern stösst Regionalzeitungen ab

Dass man den Qualitätsjournalisten Siebler nun seinen Hut nehmen lässt, passt zur jüngsten Entwicklung beim Holtzbrinck-Konzern. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Stuttgarter Verlag nun auch die „Saarbrücker Zeitung“ und die dazu gehörigen Regionalblätter verkauft habe, den „Pfälzischen Merkur“, den „Trierischen Volksfreund“ und die „Lausitzer Rundschau“. Bei dieser Verlagsgruppe, für die, wie man hört, „ein dreistelliger Millionenbetrag“ erlöst worden sei, sind insgesamt 2700 Menschen beschäftigt, auch in den Bereichen Postdienstleistungen, Branchenbücher, Internetportale und IT-Dienstleistungen. In den Jahren zuvor hatte sich Holtzbrinck bereits von der „Handelsblatt“-Gruppe und von der Würzburger „Mainpost“ getrennt. Ende des vergangenen Jahres verkaufte man 51 Prozent des „Südkuriers“ an die Augsburger Presse-, Druck- und Verlags-GmbH, die die „Augsburger Allgemeine“ herausgibt.

Investor Warren Buffett macht’s ganz anders

Verlagschef Stefan von Holtzbrinck ist der Regionalzeitungen offensichtlich überdrüssig und will sich, wie er laut einem „Spiegel“-Bericht gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“ sagte, „im globalen Wettbewerb auf weniger Standbeine konzentrieren, auf Bildung und Wissenschaft, auf Literatur, auf digitale Geschäftsmodelle“. Der als Charakterkopf verehrte US-amerikanische Grossinvestor Warren Buffett macht’s ganz anders: Buffett, der kommenden August 82 Jahre alt wird, hat vergangenen Monat in den USA nicht weniger als 63 Lokalzeitungen zusammengekauft. Denn, so sagte Warren Buffett, er glaube fest an die Zukunft der gedruckten Zeitung, wenn sie qualitätvoll gemacht sei. Buffett gilt mit einem geschätzten Privatvermögen von 44 Milliarden Dollar als drittreichster Mensch der Welt. Er hat testamentarisch verfügt, dass nach seinem Tod 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt wird. Bild: Hella Wolff-Seybold



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Ein Kommentar

  1. 1. dorni

    Nein, das können uns Abonnenten die Stadtwerke und Herr Siebler nicht antun. Einer der tragenden Säulen in der Lokalredaktion, für den es sich noch lohnte Abonnent zu sein, wird bald in der Frühstückslektüre nicht mehr zu finden sein. Die Frage muss man sich jetzt stellen, lohnt es sich überhaupt noch bei dieser immer mehr als Werbeblatt verkommenden Zeitung Abonnent zu sein? Da Herr Siebler seine journalistischen Fähigkeiten in den noch zur Verfügung stehenden Spalten nicht mehr unterbringen konnte, ist seine Kündigung zu verstehen.

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