Wie die Naturfreunde einen Zuschuss erkämpfen müssen
Konstanz (gro) Die Adresse klingt ganz nach Industriegebiet, doch das Haus Rudolf-Diesel-Strasse 30 liegt eingebettet in eine weitläufige, geschützte Grünanlage zwischen Schrebergärten und Seerhein. Es handelt sich um das Vereinsheim der Naturfreunde Wollmatingen, wo auch viel Sport getrieben wird. Eine Sanierung des Sanitärbereichs war dringend nötig, doch einen Zuschuss der Stadt muss sich der Verein regelrecht erkämpfen.
Mit der Förderung war fest gerechnet worden
Sportvereine erhalten fast automatisch Zuschusse für notwendige Investitionen von der öffentlichen Hand, wenn nur die Jugend gut eingebunden ist. Nicht so ein Verein wie die Naturfreunde e.V. Vom Land gibt es nichts, und eine Zeitlang sah es so aus, als würde auch der kommunale Zuschuss verweigert: Der Gemeinderat verfügte einen Sperrvermerk über einen Betrag von 5700 Euro. Das sind 12,5 Prozent der Kosten. Die Sanierung ist bereits abgeschlossen. Dafür hat der Verein 45.000 Euro bezahlt. Das Loch in der Kasse ist um die oben erwähnten 5700 Euro grösser als veranschlagt. Mit dem Zuschuss der Stadt war fest gerechnet worden. Die Naturfreunde haben 387 Mitglieder.
Sperre trotz eindeutiger Richtlinien
Dass nicht jeder Verein mit Investitionszuschüssen rechnen kann, versteht sich fast von selbst. Die Stadt hat sich mit Hilfe von Fachleuten und dem Gemeinderat Richtlinien gegeben. In diesen Richtlinien heisst es unter anderem, wenn ein Verein mit seinen sportlichen Aktivitäten nicht Mitglied in einem Fachverband des Badischen Sportbundes (BSB) sei, bekomme er vom Verband nichts und könne auch von der Stadt nicht bezuschusst werden, allerdings gelte diese Einschränkung nicht für Touristenvereine und für den Schwarzwaldverein. Logischerweise empfahl die Verwaltung, den Zuschuss zu gewähren Trotzdem verfügte der Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen im Februar einen Sperrvermerk. Vor einer eventuellen Freigabe der 5700 Euro, so hiess es, sollten die Rahmenbedingen bei den Naturfreunden genauer angeschaut werden.
Von vorn herein um die Hälfte weniger
Die Rahmenbedingungen waren aber schon zuvor unter die Lupe genommen worden: Die Stadtverwaltung hatte darauf abgehoben, dass die sanitären Anlagen des Vereinsheims nicht nur von Sportlern, sondern auch von anderen Gästen des Vereinsheimes benutzt würden. Deshalb wurde der von den Richtlinien her mögliche Zuschuss in Höhe von 11.400 Euro auf 5700 Euro halbiert, offenbar im Einverständnis mit den Naturfreunden, möglicherweise aber begleitet vom Zähneknirschen der Vorstandschaft. Denn bei einem Jugendanteil von über 30 Prozent der sporttreibenden Vereinsmitglieder (wie bei den Naturfreunden gegeben) ist laut geltenden Richtlinien eine Förderung in Höhe von 11.400 Euro vorgesehen.
Viel Papier für pingelige Nachweise
Die Vereinsführung der Naturfreunde Wollmatingen hat den Gemeinderäten inzwischen ausführliche Unterlagen zukommen lassen. Die skeptischen Mitglieder des Stadtparlaments werden in ihren Vorlagen für die Sitzung des Sport-, Wissenschafts- und Schulausschusses nicht nur darüber informiert, dass über ein Drittel der Wollmatinger Naturfreunde der sporttreibenden Jugend angehören. Informiert wird auch unter anderem über die 10 Sportarten, die man bei den Naturfreunden pflegen kann, vom Faustball (Turnier am 2. Juni) über Yoga, Kanusport und Boule bis zu Basketball und Tischtennis. Zur Kenntnis gebracht wird ferner, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen über den Kanu-Verband dem Badischen Sportbund angehört, ausserdem über Ansprechpartner und Sportstätten.
Bei viel grösseren Summen ging es ohne Diskussion
Vor wenigen Wochen genehmigte der Gemeinderat zusätzliche 280.000 Euro für den Ausbau der Oberen Laube. Etwa 2 Prozent dieser Summe machen die gesperrten 5700 Euro für die Naturfreunde aus. Die Strassenbaumassnahme lässt sich zwar nicht vergleichen mit der Renovierung in einem Vereinsheim, auch wenn beide Projekte nötig sind. Vergleichen lässt sich jedoch der Umgang damit. Die 280.000 unverhofft zusätzlich erforderlichen Euro wurden ohne Diskussion abgenickt, die 5.700 Euro erfordern nicht nur eine Diskussion, sondern auch einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Angesichts dieser Sachlage wäre es vielleicht angemessen, wenn der Sportausschuss des Gemeinderats am Dienstag nicht nur die 5700 Euro genehmigen würde, sondern den gesamtmöglichen Zuschuss in Höhe von 11.400 Euro.





