Bildhauer Peter Lenk wusste Bescheid
Konstanz (gro) Sie sehen ausgesprochen verdrossen aus, die beiden Gaukler, die Bildhauer Peter Lenk seiner Imperia als Kaiser und Papst auf die Hände gesetzt hat, damit sie dem Volk in ständigem Kreislauf vorgeführt werden. Die offensichtliche Depresssion der beiden Herrscherfiguren kommt nicht von ungefähr. Eine neue Ausstellung im Hus-Museum informiert darüber, dass König und Papst die öffentliche Verbrennung des Reformators aus Böhmen während des Konstanzer Konzils zu verantworten hatten. Das wusste Peter Lenk, als er die Imperia schuf.
Der König bricht sein Versprechen
Obwohl König Sigismund Jan Hus freies Geleit versprochen hatte, wenn er, Jan Hus, nach Konstanz komme, um seine reformerischen Thesen dazulegen, befürwortete der König dessen Festnahme, die Verurteilung zum Tode und die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Jan Hus hatte unter anderem eine Abkehr der Kirchenoberen von weltlichem Machtstreben gefordert, war für eine hierarchiefreie Kirche eingetreten und hatte vom Klerus verlangt, den Gläubigen in Armut und Demut voranzugehen.
Kein Papst zur Hand – Und der König delegiert
Wiederholt war Jan Hus aufgefordert worden, von seinen Thesen abzurücken und es waren ihm auch goldene Brücken gebaut worden, sich aus der Affäre zu ziehen, damit er wenigstens dem Tod auf dem Scheiterhaufen entgehe. Doch Hus blieb kompromisslos. Zwar war zum Zeitpunkt seiner Verurteilung am Vormittag des 6. Juli 1415 in der Konstanzer Bischofskirche gerade kein Papst zur Hand, weil der eine, Gregor XII., zuvor zurückgetreten, der andere, Johannes XXIII., abgesetzt worden war. Doch die Verurteilung als Ketzer wurde nach Reichsgesetz mit dem Tode bestraft. Auch der König zog es vor zu kneifen: Der Akt der Verbrennung, gleich am Nachmittag des 6. Juni 1415, wurde dem Pfalzgrafen Ludwig übertragen. Der Reformtheologe und Rektor der Universität Prag Jan Hus starb im Alter von 46 Jahren.
Zehntausende von Opfern
Peter Lenk, der sich über den historischen Hintergrund seiner Figuren umfassend zu informieren pflegt, wusste auch, dass Jan Hus keineswegs das einzige Opfer der Machtkämpfe zwischen kirchlichen und weltlichen Häuptlingen war. Abgesehen davon, dass auch gleich noch Hus‘ Universitätskollege, der Theologe Hyeronimus von Prag, auf dem Scheiterhaufen sterben musste – die so genannten Hussitenkriege, die nach der Hinrichtung der nicht nur in Böhmen beliebten Prediger ausbrachen, kosteten Zehntausenden das Leben. „Auch im Umkreis von Konstanz“, ermittelte Lenk, „wurden etliche Anhänger von Jan Hus m Namen der Kirche umgebracht“.
Umfassende Information im Museum
Über Jan Hus und die Hussiten wird nun seit diesen Dienstag in einer Sonderausstellung des Konstanzer Hus-Museums umfassend informiert. Die Ausstellung unter dem Titel “Wofür kämpften sie? Ziele und Programm der Hussiten”, dauert bis zum 31. August.





