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27. Oktober 2017 | Die Heimatzeitung wird wieder badischer

„Südkurier“ zieht sich aus Friedrichshafen zurück

Konstanz/Friedrichshafen (gro) Der „Südkurier“ zieht sich aus dem „schwäbischen Feindesland“ nach einer 23 Jahre währenden, offensichtlich vergeblichen Aufholjagd wieder zurück auf seine badischen Stammlande. Zwar werde auch ab 2018 aus der Hauptstadt des Bodenseekreises (vulgo: Friedrichshafen) alles Nötige nachrichtlich verbreitet. Doch die Häfler Lokalredaktion - und damit wohl auch die Lokalausgabe Friedrichshafen – dürfte zum Jahresende das Zeitliche segnen. Kündigungen seien trotzdem nicht zu befürchten, heisst es in gewöhnlich gut informierten Kreisen des Konstanzer Medienhauses.

Kaum je über 4000 Abonnenten

Der vor 23 Jahren gestartete Angriff des Konstanzer „Südkuriers“ auf eine oberschwäbische Domäne der „Schwäbischen Zeitung“, die mit werktäglich etwa 170.000 gedruckten Exemplaren nach wie vor die grösste Abo-Zeitung im Südwesten Deutschlands ist, wird damit endgültig gestoppt. Medienpolitische Beobachter wunderten sich schon vor Jahren, dass der „Südkurier“ sein kostspieliges Experiment, mit dem er nie wesentlich mehr als 4000 Abonnenten erreichte, angesichts der Krise innerhalb der Printverlage nicht stoppte. Es kam wiederholt zu Gerüchten, der „Südkurier“ ziehe sich aus Friedrichshafen zurück. Jetzt wird es tatsächlich wahr.

Letzte Ausgabe am 30. Dezember 2017

Sammler besonderer Zeitungsausgaben sollten sich den 30. Dezember 2017 notieren. An diesem Tag (ein Samstag) erscheint die letzte Ausgabe des „Südkuriers“ mit einem kompletten Lokalteil für die Häfler Leserschaft. Die unmittelbar danach verschwindenden Redakteure und Sekretariatsangestellten würden, wie es heisst, alle integrativ aufgefangen und auf vorhandene Bedürfnisse des heimatzeitlichen Netzwerks verwiesen. Zudem bleibe übergangsweise der so genannte Bodensee-Desk erhalten.

Bild: Frieder Schindele




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Ein Kommentar

  1. 1. Bruno Neidhart

    Seit dem damaligen Umzug der “Schwäbischen Zeitung” von Leutkirch nach Ravensburg (2013), wird wohl auch die Nachbarregion Friedrichshafen von der “Schwäbischen” lokal noch besser beackert. Für den “Südkurier” mag sich damit ein zusätzliches Problem eingestellt haben. Insgesamt ist die Presselandschaft, was die auf Papier gedruckte Ausgabe betrifft, bekanntlich allgemein stark gebeutelt. Die “Schwäbische” scheint derzeit noch von einer ziemlich homogenen - sogar religiös bestimmten - Landschaft zu profitieren. Viele Verlage versuchen heute mit “ePaper-Abos” Leser zu gewinnen. Oft mit Erfolg, wie bei uns der Berliner “Tagesspiegel”, der einzigen Zeitung der Hauptstadt mit derzeit leichtem Zuwachs (Übrigens noch stets mit gelegentlichen Artikeln eines alten Südkurier-Bekannten: Gerd Appenzeller, der lange Zeit beim TS sowohl als Mitherausgeber als auch als Redaktionslsleiter fungierte).

    Für den “Südkurier” dürfte der Abschied aus der Zeppelinstadt verkraftbar sein. Sein Kerngebiet ist nun mal der westliche Bodensee mit seinem breiten, tiefen West-Nord-Ost ausgerichteten Hinterland, plus ein Stückchen Schweiz. Der Kampf um Leser gehört seit dem Erscheinen von Zeitungen zum Alltagsgeschäft. Wie mehr Leser zu generieren sind, ob mit lokalen, regionalen, überregionalen, oder internationalen Informationen und Meinungen, ist eine nicht ganz einfache Aufgabe für Verlage und Redaktionen. Zum Trost sei gesagt, dass derzeit besonders “Boulevardzeitungen” Abo- und Verkaufsverluste einfahren. Qualitätsjournalismus hat noch lange seinen Platz in der Medienlandsschaft - auf Papier, oder eben zeitgemäss im Reich des Digitalen. Ob ein Leser/eine Leserin bedrucktes Papier oder ein digitales Produkt bevorzugt, ist einer persönlichen Liebe geschuldet. Manchmal ist digitales Lesen einfach bequemer, schafft Unabhängigkeit. In einem angesagten Stadtcafé jedoch macht Papier irgendwie mehr her, gehört so zu sagen zum Ambiente. Seltsam, würden eines Tages alle nur auf eine kleine Glasscheibe gucken.

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